Der Kienast-Clan ist im Fußball nicht unbekannt. Der 29-jährige Roman Kienast mit den grün-weißen Wurzeln avancierte zum Jolly Joker, erzielte nach eigenen Angaben den Treffer seines Lebens.
Wien. Die Kienasts sind in Wien nicht unbekannt. Nicht ganz so bekannt wie das falsche Geld, aber man kann durchaus von einer Fußballdynastie sprechen. Wolfgang Kienast hat hier gespielt, Reinhard Kienast war so etwas wie ein Rapid-Urgestein, ein enger Kumpel von Hans Krankl. Bis in das Nationalteam hat er es gebracht, gegen Deutschland hat er sogar einmal zwei Tore erzielt. Das Urteil des inzwischen verstorbenen Max Merkel als „Bild“-Kolumnist vor dem Spiel: „Kienast ist so langsam wie eine Schnecke!“
Die Kienasts wurden immer schon unterschätzt, mitunter belächelt. Aber sie haben auch immer schon Sternstunden erlebt. Roman Kienast, Sohn von Ex-Sportclub-Spieler Wolfgang, hat jetzt eine am Verteilerkreis erlebt. Er wurde zum umjubelten „Matchwinner“, weil er gegen Dinamo Zagreb den entscheidenden Treffer zum 2:3 erzielte. Als Joker, der gegen die Kroaten gestochen hat – mitten ins Herz des Gegners.
Gerufen wird Roman Kienast einfach nur „der Lange“, das ist bei einer Körpergröße von 1,90 Meter nicht verwunderlich. Er war kaum zwei Minuten im Spiel, zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Hosiner hatte die Vorarbeit geleistet, Kienast vollstreckte. „Unglaublich, unbeschreiblich“, sagte er nach dem Schlusspfiff. Und weil die Welt in Österreich manchmal wirklich klein ist, wurde das Interview für Puls4 ebenfalls innerhalb des Kienast-Clans gemacht. „Ich komm herein, und dann wird mir so ein Ball serviert, den du eigentlich nur noch aus fünf Metern ins Tor drücken musst. Gott sei Dank bin ich goldrichtig gestanden.“ Kienast hatte von Beginn weg ein gutes Gefühl: „Ich habe mir gedacht, dass ja vielleicht gerade ich das Tor mache. Mit diesem Gedanken bin ich dann auch ins Match gegangen.“
Der 29-Jährige hat in seiner Karriere schon einige Höhen und Tiefen erlebt. Der Wiener, der in Salzburg das Licht der Welt erblickte, gilt als Rapid-Eigenbau. Aber für Grün-Weiß schien er zu schwach. Kienast wurde verliehen nach Altach, er floh nach Norwegen zu Ham-Kam, aber der „Lange“ schaffte den Sprung ins Nationalteam (zehn Länderspiele, ein Tor) – und stand im Kader bei der Heim-EM 2008. Auf Kosten von Stefan Maierhofer. Dreimaliger Meister (Rapid, Sturm, Austria) darf sich der ewig Unterschätze auch nennen. Seine bisherige Champions-League-Erfahrung? Fünf Minuten für Rapid gegen Juventus Turin 2005. Mit Austria sollten es diesmal mehr werden.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.08.2013)