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UN-Inspektoren ziehen Samstag aus Syrien ab

U.S. President Obama delivers remarks on affordable education in Syracuse
ObamaReuters
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Hinter den Kulissen gab es offenbar starken US-Druck, dass die Chemiewaffen-Experten früher ausfliegen. Dies würde freie Bahn für einen Militärschlag bedeuten. Russland will die Inspektoren weiterarbeiten lassen.

Bevor USA und Großbritannien wieder zurückruderten, hatten sich am Donnerstag zunächst die Anzeichen verdichtet, dass es am Wochenende zu einem Militärschlag gegen Syrien kommen könnte: UN-Generalsekretär Ban Ki-moon sagte in Wien am Rande einer Ordensverleihung, dass die UN-Waffeninspektoren nur mehr bis Freitag in Syrien arbeiten sollen und Samstagfrüh abziehen werden.

Noch am Mittwoch hatte Ban gesagt, die UN-Experten würden vier weitere Tage vor Ort für ihre Inspektionen brauchen. Ihre Aufgabe ist es, zu überprüfen, ob bei einem Angriff vergangene Woche tatsächlich Giftgas eingesetzt wurde. Nach unterschiedlichen Berichten kamen dabei bis zu 1300 Menschen ums Leben.

Offenbar haben die USA starken Druck auf die UNO ausgeübt, ihre Inspektoren noch früher abzuziehen, also schon vor Freitag. Dies erfuhr DiePresse.com aus gut informierten Kreisen. Mit Militärschlägen ist erst zu rechnen, wenn die UN-Experten nicht mehr im Land sind. "Ich habe Obama meinen tiefen Wunsch ausgedrückt, dass dem Untersuchungs-Team erlaubt wird, ihre Arbeit fortzusetzen", sagte Ban in Wien.

Unter Druck von allen Seiten

Der UN-Generalsekretär steht derzeit unter Druck von allen Seiten: Von jenen, die wie die USA und Großbritannien für eine Strafaktion gegen Syrien eintreten, und von den Gegnern einer Intervention wie Russland. Dieses setzte sich am Donnerstag dafür ein, den Einsatz der UN-Experten zu verlängern. 

Ban selbst vertrat in den vergangenen Tagen immer wieder die Meinung, dass man zunächst die UN-Waffeninspektoren arbeiten lassen und ihre Ergebnisse abwarten müsse.

US-Präsident Barack Obama hatte in einem Interview mit dem Sender PBS in der Nacht auf Donnerstag keinen Zweifel daran gelassen, dass er das syrische Regime verantwortlich macht. Nach der Prüfung von Beweisen seien die USA zu dem Schluss gekommen, das Assad-Regime sei für den Einsatz chemischer Waffen gegen die eigene Bevölkerung verantwortlich. "Und wenn das so ist, müssen internationale Konsequenzen folgen", sagte Obama. Eine Entscheidung über einen Militärschlag sei aber noch nicht getroffen worden.

Bereits Mittwochabend hatte die Regierung in London durchblicken lassen, sie wolle vor einer Militärintervention in Syrien erst das Ergebnis der UN-Untersuchungen zu dem mutmaßlichen Giftgaseinsatz abwarten

>>> London rudert zurück 

Parllel dazu verlegte Großbritannien allerdings sechs Kampfjets vom Typ Eurofighter auf seinen Stützpunkt Akrotiri auf Zypern. Die Flugzeuge würden allerdings nicht auf der Mittelmeerinsel stationiert, um an einer Militäraktion gegen Syrien teilzunehmen, hieß es dazu aus London. Es sei eine reine Vorsichtsmaßnahme zum Schutz britischer Interessen und Stützpunkte in einer Zeit erhöhter Spannungen in der Region.

Türkei bereitet sich auf Giftgasangriff vor

Die Türkei verstärkte derweil präventiv ihre Truppen an der 900 Kilometer langen Grenze zu Syrien. In der Provinz Hatay sind zudem Luftabwehrraketen in Stellung gebracht worden. Zum Schutz ihres Mitglieds hat die Nato schon vor Monaten mehrere Batterien Patriot-Abwehrraketen aus Deutschland, den Niederlanden und den USA in die Türkei verlegt. Die Zivilen Behörden in der Grenzregion bereiten sich schon seit Mittwoch auf die Behandlung von Giftgasopfern vor.

 

(APA/Reuters/AFP/hd)