Motor: In einer Scheune geboren

Motor einer Scheune geboren
Motor einer Scheune geboren(c) beigestellt
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Manch edler Sportwagen wurde in einer Scheune geboren. So geschehen vor einem halben Jahrhundert in Sant’Agata Bolognese, der Heimat von Lamborghini.

Die Legende will es, dass der reiche Industrielle Ferruccio Lamborghini einst unzufrieden mit seinem neu erworbenen Sportwagen war, noch mehr aber über die Art und Weise, wie seine Beschwerden aufgenommen wurden. „Wenn ihm mein Auto nicht passt“, ließ ihm Enzo Ferrari angeblich ausrichten, „soll er eben Traktor fahren.“ Im Zorn darüber habe Signore Lamborghini beschlossen, eigene Sportwagen zu bauen, es dem grantigen Alten zu zeigen. Fest steht, dass der erfolgreiche Traktorhersteller seinen Einstieg in die Automobilproduktion im Jahr 1963 sorgfältig geplant hat. Ihm war aufgefallen, dass in den teuren Sportwagen, die er besaß, teilweise die gleichen Teile wie in seinen Traktoren verbaut waren, nur dass sie in den Autos das Dreifache kosteten. Der Unternehmer witterte saftige Margen. Richtig ist freilich auch, dass er eine klare Vision von besseren Autos hatte: „Ich besitze einige der berühmtesten GT-Autos der Welt. Aber sie haben alle Makel. Sie werden zu heiß, sind unkomfortabel, unsauber verarbeitet oder nicht schnell genug. Ich möchte jetzt einen makellosen GT bauen. Kein technisches Wunderding. Ein sehr normales, konventionelles, aber perfektes Auto.“

So sprach Ferruccio Lamborghini, und noch 1963 zeigte er beim Turiner Autosalon, wie ein solches Auto aussehen sollte. Mit dem 350 GTV gewann er augenblicklich die Aufmerksamkeit der Autowelt. Ein Wappentier war schnell gefunden: der Stier ist Lamborghinis Sternzeichen. Als Motoren kamen nur Zwölfzylinder infrage, das gilt so bis heute. Spätere Modelle trugen die Namen berühmter spanischer Kampfstiere. Mit dem Miura und dem spektakulären Countach schuf die Marke Ikonen, die in ihrer Einzigartigkeit großen Ferraris um nichts nachstehen.
Auch Landwirte fahren gern Lamborghini. Die Traktoren mit dem Stier im Wappen gelten als innovativ, zu den billigen gehörten sie nie. Die Traktorsparte geriet in Turbulenzen und wurde 1972 an den Deutz-Konzern verkauft. Dort sind sie bis heute im Programm, Modelle wie der Nitro tragen Avantgarde-Design auf den Acker. Die berühmte Autosparte hingegen fand nach einigen Wirren im Volkswagenkonzern einen sicheren Hafen. Exklusiv ist sie geblieben: Man verkauft nur wenige tausend Exemplare im Jahr. Der alte Herr, längst Commendatore und Cavaliere, starb 1993.

Motor einer Scheune geboren
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Name: Lamborghini 350 GT
Besonderheit: erster Serien-Lambo
Baujahr: 1964–1966
Motor: 3,5-Liter-V12
Leistung: 270 PS
Stückzahl: 120 Exemplare
0–100 km/h: 6,8 sec.
Gewicht: ca. 1300 kg

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