Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Wahlkampf mit Bruno (1)

Wenn die Limousinen im Konvoi über Österreichs Landstraßen brausen – dann ist Wahlkampf.

Wenn die Limousinen im Konvoi über Österreichs Landstraßen brausen – dann ist Wahlkampf. Immer schon war das so, und wer dabei war, erinnert sich gern an das Tamtam, die Blasmusik, den Hauptplatz mit den Marketenderinnen, die Kirchenglocken, den Herrn Bürgermeister. Wenn Bruno Kreisky unterwegs war, glich das einem Staatsbesuch im kleinsten Kaff. Sein Geheimnis war die langsame, brummelnde Sprache, beruhigend, vertrauenerweckend. Wenn er dann auch noch – gegen Ende hin – mit gesenkter Stimme sagte: „Liebe Freunde – das sage ich nur euch...“, dann ahnte sein Publikum, dass es gerade eines großen Geheimnisses teilhaftig geworden war.

1979 war es dann so weit, dass der „Alte“ gar nichts mehr dagegen hatte, wenn man ihn mit dem Kaiser verglich. Im Wahlkampf überraschte die SPÖ mit einer Broschüre, die den Kanzler im Ministerratszimmer zeigt, sitzend unter dem riesigen Bild des jungen Kaisers Franz Joseph. FPÖ-Chef Alexander Götz pudelte sich fürchterlich auf, was Kreisky kopfschüttelnd kommentierte: „Net amal an seinem Arbeitsplatz darf man sich mehr fotografieren lassen. No, was soll i denn machen? Der Kaiser ist ja hinten eing'mauert.“ hws


E-Mails an: hans-werner.scheidl@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.08.2013)