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Männer, die auf Hunde starren

Weimaraner
Weimaraner(c) GEPA pictures (GEPA pictures/ Harald Steiner)
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Hundstage. Wenn auch nicht das Gekläffe, so sind doch die heißen Tage des Sommers mittlerweile und für dieses Jahr Geschichte. Nur am Rasen können sie sich noch zeigen.

Als die Dorfstraße noch nicht asphaltiert war und auf den Weiden hinter Elektrodraht noch Milchkühe standen, machten sich die Hofhunde regelmäßig aus, wer der Chef war. In Vorwahlzeiten lagen sie meist träge irgendwo am jeweils zu bewachenden Bauernhof herum, schnappten nach Fliegen, knurrten beiläufig die Kinder an, die abends Milch holen kamen, vertrieben nächstens die Füchse vor dem Hühnerstall. Doch gelegentlich sahen sie sich zu Aktivität gezwungen, dann mussten sie untereinander ausmachen, wer auf dem Straßenpfad der Öffentlichkeit das Sagen hatte.

Die Wahlkämpfe fanden also fast immer auf jener staubigen Dorfstraße statt. Knurrende, kläffende Fellbüschel, gebissene Haxen, zerfetzte Ohren, winselnde Verlierer, triumphierende Sieger. In diese Raufereien mischte man sich nicht ein. Wozu auch? Die Hundsviecher waren ausschließlich mit sich selbst und mit der Bekämpfung und Erniedrigung des anderen befasst.

War die Wahl erledigt, war der Häuptling erkoren, wurde es für uns Zweibeiner wieder schwieriger. Denn dann waren sie nicht abgelenkt. Man machte also große Bögen um diese Hunde. Man konnte nie wissen, wann sie aus einer Laune heraus zuschnappen und am eigenen Wadl das Haxlbeißen für bevorstehende neuerliche Ernstfälle trainieren würden.

Diese Art der Hundstage gehört genau so der Vergangenheit an wie die Milch, die vom frisch mit rauer Kuhzunge abgerissenen, nicht aus dem Silo stammenden Weidegras fett geworden ist. Von der konnte man am nächsten Morgen zentimeterweise Obers abschöpfen. Auch die jüngeren Hundstage des heurigen Sommers wurden mit dem Regen weggeschwemmt und versinken langsam im Sediment der Vergangenheit. Wer sich dieser Tage irrtümlich abends vor den Fernseher verirrt, ahnt jedoch möglicherweise ein Echo des Geiferns und Kläffens, dieses verbissenen Drangs, den anderen bekämpfen und erniedrigen zu müssen, den Rest der Welt aber tunlichst zu vergessen. Dieses Feld gehört den bedauernswerten politischen Kommentatoren, also erfolgt hier sofort wieder ein Schwenk in Richtung Grün und Garten, zum Beispiel in Sachen Gras.

Wer in den heurigen Hundstagen einen Rasen zu pflegen hatte, war echt im Einsatz. Die Dürre hat nicht nur den Weiden schwer zugesetzt und die Heuernte großteils vernichtet, sondern auch die umsorgten Rasenflächen der Hobbygärtnerschaft beschädigt. An dieser Stelle kommen – Überraschung! – ein letztes Mal die Hunde ins Spiel: Denn ist es trocken, so wirkt sich lackerlweise abgesetztes Hundelulu besonders schädlich auf das Gras aus. Dort, wo es die staubige Erde netzt, wo durstige Graswürzelchen begierig saugen, gibt es wenig später braune Flecken.

Diese, so berichtete unlängst die Gattin eines ergebenen Rasenliebhabers, würden ihren Mann in den Wahnsinn treiben. Man habe selbst zwar keinen Hund, doch andere, die welche hegten, gingen im Sommer gern hundelos auf Urlaub. Also war für ein paar Wochen ein netter Gasthund einquartiert, der bald im Kreise der Familie aufgenommen, doch als Hund eben auch ein alter Graspischer war. Rasenliebhaber und Hund begannen einander scheel zu beäugen. Denn sobald sich der Hund, der eine Hündin war, in geduckter Stellung auf dem Gras niederließ, um sich zu erleichtern, eilte sein Gastgeber mit einem Wasserkübel zur Stelle und schwappte unter dem Hundehinterteil her. Verdünnen! Das war die Devise, und damit hatte er schließlich recht und später keinen braunen Grasfleck.

Dem Hund jedoch ging das dauernde Beobachtetwerden mit der Zeit auf die Nerven. Er begann sein Lackerlmachen zu planen und dieses stets in jenen Gartenzonen durchzuführen, die er jeweils durch Hausecken vor dem Blick des Gastgebers geschützt vorfand. Der wiederum bemerkte das und beschloss seinerseits, dem Hund aufzulauern. Seine Gattin berichtete, dass er den lieben langen Tag wenig anderes getan hätte, als mit dem Wasserkübel in der Hand heimlich hinter seinen eigenen Hausecken hervorzulugen, um den Hund unbemerkt im Visier zu behalten.

Ich sag's ja immer, die Wiese ist auf jeden Fall und in jeder Jahreszeit die weit bessere Alternative. Die war zwar heuer auch von der Dürre gezeichnet, doch weit besser beieinander als jeder Rasen. Und das Wichtigste: Kein Hund hätte ihren durchsummten und durchzirpten Frieden nachhaltig zu stören vermocht.

Gartenlaube

Hoffentlich haben Sie sich mit der spätsommerlichen Rasendüngung bis nach dem Regen Zeit gelassen, denn in Trockenheit kann der Rasendünger ähnlich wirken wie das Hundelackerl. Wer jetzt die grüne Matte düngen will, braucht einen kalibetonten Herbstdünger.

Der Begriff „Hundstage“ stammt übrigens aus der Astronomie und ist die Zeit, in der das Sternbild des Hundes auf- und wieder untergeht.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.08.2013)