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SPÖ: Bei der "Partei der Arbeit" bedienen Leiharbeiter

Flagge zeigen, das will die SPÖ beim Thema Arbeit. Auch wenn die Kellner des Events den Parteikriterien nach nicht ausreichend entlohnt werden.
Flagge zeigen, das will die SPÖ beim Thema Arbeit. Auch wenn die Kellner des Events den Parteikriterien nach nicht ausreichend entlohnt werden.(c) APA/GEORG HOCHMUTH
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Als Schutzpatron der Arbeitnehmer inszenierte sich die SPÖ bei ihrem Wahlkampfauftakt in Wien. Die Catering-Mitarbeiter kamen von einer Personalvermittlung.

Nicht nur in Werbefilmen und im Internet positioniert sich die SPÖ dieser Tage als "Partei der Arbeit". Auch beim offiziellen Wahlkampfauftakt im Wiener Museumsquartier am Donnerstagabend inszenierte sich Bundeskanzler Werner Faymann vor seinen Anhängern als Schutzpatron der Arbeitnehmer. "Wir müssen auf die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer aufpassen", meinte er in seiner Rede. Und: "Mit uns wird es keinen Abbau von Arbeitnehmerrechten geben". Jedes einzelne prekäre Arbeitsverhältnis sei eines zu viel in Österreich, die "sogenannte Flexibilisierung" sei nichts anderes als ein Abbau der Arbeitnehmer-Rechte.

Was die meisten der 1500 Genossinnen und Genossen allerdings nicht wussten: Sie wurden von Angestellten einer Personalvermittlung, also von Leiharbeitern, mit Essen und Trinken versorgt. Das hat der Radiosender FM4 herausgefunden, der am Freitagabend darüber berichtete. Rund neun Euro verdienen die Beschäftigten der Leiharbeiterfirma laut eigenen Angaben pro Stunde - für den Geschmack vieler SPÖ-Mitglieder viel zu wenig. Man habe ihm "fast den Appetit" verdorben, meinte ein Funktionär, der "15 Euro aufwärts" für einen angemessenen Stundenlohn hält.

"Beschäftigen die Catering-Firma als Firma"

Deutlich vorsichtiger formuliert Bundesgeschäftsführer Norbert Darabos (O-Ton: Arbeitnehmer-Politik "ist wie ein aufgelegter Elfmeter") seine Kritik: "Neun Euro ist etwas zu wenig". Er stehe zu den "jetzigen gesetzlichen Bestimmungen". Danach befragt, ob die Beschäftigung von Leiharbeitern nicht ein schiefes Licht auf die "Partei der Arbeit" werfe, meinte der Wahlkampfleiter gegenüber FM4: "Es ist so, dass wir die Firmen, die hier Catering betreiben, als Firma anstellen". Das Thema sei "nicht eine Frage der Politik, sondern eine Frage, die allgemein geklärt werden muss".

Übrigens: Zwölf-Stunden-Arbeitstage - ein beliebtes Wahlkampfthema - stehen bei den von FM4 befragten Kellnerinnen und Kellnern offenbar auf der Tagesordnung.

SPÖ: 22 Euro pro Person und Stunde bezahlt

Die SPÖ beteuerte am Samstag in einer Stellungnahme, der beauftragten Firma Cateringdesign pro Stunde und Person 22 Euro ohne Steuern bezahlt zu haben, für die Dauer der Veranstaltung also 110 Euro netto pro Person. Die Cateringfirma habe für den Personalbereich wiederum das Unternehmen GVO beaufragt und die 22 Euro pro Person und Stunde "1:1 an GVO weitergegeben". Es sei der SPÖ versichert worden, dass GVO laut Kollektivvertrag entlohnt, heißt es in der Stellungnahme weiter.

 

(sk)