Internationalisierung: Ministerien, Förderstellen und Forschungseinrichtungen wollen an einem Strang ziehen.
Sowohl Wissenschaft als auch Wirtschaft werden immer internationaler, sich in die globalen Wissensnetzwerke und Wertschöpfungsketten einzuklinken ist auch für Österreich ein Gebot der Stunde. Das Ziel, sich internationaler zu positionieren, wurde bereits in der Forschungsstrategie festgehalten, die die Bundesregierung vor zwei Jahren beschlossen hat. „Wir wollen durch Bündelung bestehender Maßnahmen zur Unterstützung der Internationalisierung eine abgestimmte Wissenschafts- und Forschungsaußenpolitik entwickeln“, heißt es dort. Immerhin will Österreich ja ein „Innovation Leader“ werden.
Wie das geschehen kann, hat eine Taskforce in einer Empfehlung ausgearbeitet, die bei den Alpbacher Technologiegesprächen präsentiert wurde. Beteiligt dabei waren das Wissenschafts-, Wirtschafts-, Infrastruktur- und Außenministerium, der Forschungsrat, die Förderagenturen FWF und FFG, die Austria Wirtschaftsservice (AWS) sowie die Universitätenkonferenz, die Akademie der Wissenschaften (ÖAW) oder die Forschungszentren AIT und Joanneum Research.
Mit „rein inkrementellen Maßnahmen“ sei das Ziel, zu den Besten der Besten aufzuschließen, nicht zu erreichen, heißt es in der Empfehlung. Vielmehr sei eine „radikale Innovation im österreichischen FTI-System notwendig“. Begründet wird das u.a. damit, dass es Österreich bisher nicht geschafft habe, an die Wissenssysteme z.B. in den boomenden BRICS-Staaten anzudocken. Es gebe hier „erheblichen Handlungsbedarf“.
Die vorgeschlagenen Maßnahmen im Einzelnen: In einer Gruppe von wichtigen Staaten solle die „Science Diplomacy“ ausgebaut werden. In den USA und in China gibt es bereits (seit 2001 bzw. 2011) „Offices of Science and Technology Austria“ (OSTA), die sich um Kooperationen kümmern und Forscher bzw. Unternehmen vernetzen. OSTA sollten künftig auch in Russland und Indien eingerichtet werden. Zudem sollten FTI-Attachés nach Südkorea, Brasilien, Südafrika und Israel, aber auch nach Kanada, Singapur/Malaysia, Australien, Japan und in die Türkei entsandt werden.
An konkreten Maßnahmen wird u.a. der Aufbau von „Joint Labs“ und „Joint Calls“ vorgeschlagen – also die Beteiligung an Exzellenzeinrichtungen in ausgewählten Zielländern und gemeinsame Ausschreibungen von Forschungsförderprogrammen. Gezielt unterstützt werden sollten die Internationalisierungsbemühungen der österreichischen Universitäten und außeruniversitären Institute. Auch die Human-Resources-Programme – v.a. im Post-Doc- und Industrial-PhD-Bereich– sollen ausgebaut werden. Zudem sei der Technologietransfer in manchen Bereichen und Zielländern zu verstärken – etwa hinsichtlich Smart Cities in China, IKT in Indien oder „Low Carbon Economy“ in Südkorea.
Im Detail wurden alle Vorschläge hinsichtlich ihres Finanzbedarfs beziffert – die Summen werden aber vorerst nicht veröffentlicht. Bekannt ist, dass das OSTA in Washington rund 240.000Euro jährlich kostet, das in Peking etwas weniger.
Reform
Das neue EU-Patent,das ab 2015 in Kraft tritt, verändert die Aufgaben der nationalen Patentämter: Der Schutz geistiger Eigentumsrechte werde künftig für 25 europäische Staaten zentral erfolgen, die nationalen Ämter würden dann stärker auf die Nutzung der Patente ausgerichtet sein, sagte der Präsident des Österreichischen Patentamts, Friedrich Rödler, in Alpbach.
Er fordert nach den Nationalratswahlen eine Strategie für geistiges Eigentum und eine Bereinigung der derzeitigen „Kompetenzzersplitterung“.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.09.2013)