"Wir sind zur Vergeltung bereit"

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sind Vergeltung bereit(c) REUTERS (STRINGER)
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Syriens Regime tönte am Samstag, man werde den erwarteten westlichen Angriff nicht so einfach hinnehmen. Unterstützung für Assad kam erneut von Russland und dem Iran.

Die Welt schien am Samstag noch einmal tief Luft zu holen, um sich darauf einzustellen, dass die USA bald eine Militäraktion gegen Syriens Regime wegen des ihm angelasteten Einsatzes von Giftgas starten könnten.
Nach der Ausreise der UN-Chemiewaffeninspektoren am Samstag mit Ziel Europa werde ein Angriff westlicher Truppen „jeden Moment" erwartet, sagte ein Vertreter der syrischen Regierung am Samstag, aber man sei „zur Vergeltung bereit". Im Übrigen seien die angeblichen Beweise der USA für einen Chemiewaffeneinsatz durch Syriens Armee „zusammengeschusterte Unwahrheiten".

US-Präsident Barack Obama sagte am Samstag, er wolle den Kongress über einen US-Militäreinsatz in Syrien abstimmen lassen. Außenminister John Kerry sprach unter Berufung auf „sichere" Geheimdienstinformationen von 1429 Toten, darunter mindestens 426 Kindern, durch Chemiewaffen, deren Einsatz man klar dem Regime anlaste. Seitens der UN hieß es freilich, dass die 13 Chemieexperten ihren Bericht nicht vor etwa zehn Tagen publizieren könnten, und: Es sei ihnen nicht möglich, festzustellen, wer die Waffen eingesetzt habe; das hätte ihr Mandat auch gar nicht vorgesehen.

Nachdem sich Großbritannien infolge eines Beschlusses im Unterhaus aus der Interventionsfront zurückgezogen hatte (es hat aber weiterhin mindestens ein U-Boot vor Syrien und ein halbes Dutzend Jagdbomber auf einer zypriotischen Basis) stellte sich am Freitag Frankreichs Staatschef François Hollande an Obamas Seite: Man werde „eine starke Botschaft" an Syrien wegen des Chemieeinsatzes senden. Frankreich hat derzeit den Zerstörer Chevalier Paul vor Ort.

Türkei: „Regime zur Aufgabe zwingen".

Die USA hatten zuletzt fünf Zerstörer der Arleigh-Burke-Klasse im östlichen Mittelmeer, die je mindestens 90 Marschflugkörper für Einsätze gegen Landziele mit sich führen können. Die USS San Antonio, ein Schiff zur amphibischen Kriegsführung, stieß am Samstag dazu, es hat Hubschrauber und Vorräte an Bord - und möglicherweise ein Bataillon Marines sowie Spezialeinheiten. Der türkische Premier Recep Tayyip Erdoğan deutete am Samstag sogar weitergehende Schritte an: „Eine begrenzte Aktion kann uns nicht zufriedenstellen", man müsse „das Regime zur Aufgabe zwingen".

Rückendeckung erhielt Syrien erneut von Russland: Präsident Wladimir Putin verlangte von den USA klare Beweise für einen Chemiewaffeneinsatz durch Assad. Gleichzeitig tauchten Berichte auf, dass Russland Waffenlieferungen an Syrien aufschiebe, weil das Land Rechnungen nicht bezahlt habe; es gehe unter anderen um S-300-Luftabwehrsysteme. Aus dem Iran traf indes am Samstag eine Delegation von Parlamentariern in Damaskus ein - als Zeichen der Verbundenheit mit Assad, wie es hieß.

Österreichs Bundespräsident Heinz Fischer wandte sich am Samstag am Rand des Forums Alpbach gegen eine Militäraktion ohne UN-Mandat. Es würden sich dabei zu viele „heikle, schwierige Fragen stellen". Man solle lieber alle involvierten Parteien an den Verhandlungstisch bekommen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.09.2013)

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