Hochmoderne Kampfflugzeuge werden noch heuer in Lida nahe den Grenzen zu Polen und Litauen stationiert.
Russland wird in Kürze der Nato ziemlich auf den Pelz rücken: Wie der weißrussische Verteidigungsminister Juri Schadobin vor wenigen Tagen bekannt gab, wird der große Nachbar Russland noch heuer eine permanente Luftwaffenbasis in dem Land, das auch als letzte Diktatur Europas gilt, einrichten.
Über den Standort ließ er sich nicht aus; Russlands Luftwaffenchef Generalleutnant Viktor Bondarew hatte freilich schon im Juni gesagt, dass es sich um Lida handle, eine Stadt mit rund 100.000 Einwohnern in Nordwest-Weißrussland, 110 Kilometer von der Grenze zu Polen und 30 Kilometer von jener zu Litauen entfernt; beide Staaten sind Nato-Mitglieder. Bei den Flugzeugen solle es sich jedenfalls um Transporter, Lufttanker und Aufklärer handeln – und um Kampfflieger wie die hochmoderne Suchoi Su-27SM3 (Nato-Code: Flanker-B).
Die neue Basis, so Bondarew, werde ein wichtiges Element der „strategischen Verteidigung des Unionsstaates“ bilden – wobei Bondarew dabei sowohl Russland selbst als auch Weißrussland gemeint haben könnte, der im Rahmen der lockeren „Russisch-Weißrussichen Union“ mit Moskau verbunden ist. Russlands Außenminister Sergei Lawrow hatte zuvor dementiert, dass die vorgeschobene Basis eine Reaktion auf das in Ausbau befindliche strategische Raketenabwehrsystem der Nato sei, im Rahmen dessen gegen 2018 auch Abfangraketen in Polen stationiert werden.
Lida wäre demnach erst das zweite Mal seit dem Ende der UdSSR anno 1991, dass Russland einen Fliegerhorst im Ausland errichtet. Bisher besitzt es diesbezüglich nur die Luftwaffenbasis Kant nahe der kirgisischen Hauptstadt Bischkek, die 2003 eingerichtet worden war und unter anderen ebenfalls Flanker-Jets beherbergt.
Die Su-27-Maschinen wurden Mitte der 1980er als Einsitzer-Jagdbomber und Luftüberlegenheitsjäger der vierten Generation eingeführt (darunter versteht man solche mit Hauptbauzeit 1975 bis 1995). Sie tragen besonders schwere Waffenlasten, sind auffallend beweglich (mitunter mehr als ihre westlichen Rivalen wie die amerikanische F-15 „Eagle“ oder die französische Mirage 2000) und wurden mehrfach modifiziert und kampfwertgesteigert. Bei der Variante SM3 handelt es sich um ziemlich brandneue Maschinen mit stärkerer Flugzeugzelle und noch mehr Pylonen für Außenlasten.
Russland hat in der näheren Region noch eine zweite Luftwaffenbasis, nämlich in seiner Ostsee-Exklave Kaliningrad.