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Xperia Z1: Kombination als Kultfaktor

Xperia Kombinaton Kultfaktor
Xperia Z1(c) REUTERS (FABRIZIO BENSCH)
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Das Xperia Z1 hat endlich alles, was eine echte Kompaktkamera ausmacht – und bleibt dennoch ein reinrassiges Android-Smartphone. Sony hat Kameramodule zum Aufstecken vorgestellt.

Smartphones sind die Kompaktkameras von heute, eine gute Foto-Funktion ist für immer mehr Handy-Enthusiasten ein Must. Gut für Sony. So kann die Nummer zwei am Kompaktkamera-Markt seine Stärken voll ausspielen, um dem neuen, auf der Internationalen Funkausstellung in Berlin (IFA) präsentierten Flaggschiff Xperia Z1 endlich das „Haben Will“-Flair zu geben, das den Xperia-Handys bislang abging.

Dazu braucht es freilich mehr als eine nur gute Handy-Kamera. Und so protzt das Xperia Z1 nicht nur mit 20 Megapixel, sondern platziert diese auf einem Sensor, der exakt so groß ist wie der Standard bei kleinen Fotokameras, und spendiert eine Linse, die mit ihrer Lichtstärke Durchschnitts-Digicams übertrifft. Kurz: Das Xperia Z1 kommt einer Kompaktkamera nicht nahe, es ist besser als so manche. Zum Drüberstreuen hat Sony ein paar Apps in die Foto-Funktion verpackt, unter anderem kostenpflichtige Live-Videoübertragung an Facebook-Freunde (wer's braucht). So etwas können Digicams nicht.

Und es hat einen entscheidenden Vorteil gegenüber der Handvoll anderer auf Kamera-Konkurrenz getrimmter Smartphones: Man sieht es ihm nicht an. Kein Knubbel oder gar eine klobige Linse verraten seine Foto-Ambitionen. Ganz im Xperia-Stil ist es ein flaches, puristisches Handy, das im konkreten Fall mit Alu-Rahmen behübscht und verstärkt ist. Und auch technisch ist das Fünf-Zoll-Smartphone mit Quadcore-Prozessor State of the Art. Dass es obendrein wasserfest ist, sei lobend erwähnt. Ein Outdoorhandy ist es mit seiner etwas anfällig wirkenden Hochglanz-Oberfläche aber sicher nicht.

Rein als Smartphone betrachtet mag das Xperia Z1 zwar nicht das beste am Markt sein, spielt aber unbestritten in der obersten Liga. Es ist die Kombination, die weder als Handy noch als Kompaktkamera nennenswerte Abstriche machen muss, die jenes Alleinstellungsmerkmal sein könnte, das ein Kulthandy hervorhebt.

Foto-Upgrade zum Aufstecken
Interessant auch das Zubehör: Für alle, die noch mehr Foto-Funktion wünschen – oder ältere Handys upgraden wollen – hat Sony Kameramodule zum Aufstecken vorgestellt, die je nach Betrachtungsweise einem Durchschnitts-Mobile eine respektable Kamera-Hardware verpasst, oder die essenziellen Komponenten einer Kamera mit dem Smartphone-Ökosystem verbindet.

Die Module vereinen Linse und Sensor samt Bildverarbeitung. WLAN und NFC sorgen für die Verbindung zum Smartphone-Betriebssystem (Android oder iOS). Zur Auswahl stehen zwei Varianten: QX10 mit Zehnfach-Zoomobjektiv und Kompaktkamera-Sensor sowie QX100 mit dem großen Ein-Zoll-Sensor und dem lichtstarken Zeiss-Objektiv der vielgelobten Premium-Kompakkamera Sony RX100. Spaß macht der eigene Auslöseknopf – so bleiben die Kamera-Kits auch im Umkreis des Handys einsatzbereit.

Abstriche muss man beim „Immer dabei“-Faktor machen. Die Module sind für die Hosentasche etwas zu klobig – Damen mit Handtaschen haben es hier leichter. Und da wär da noch die Frage des Mehrwertes: Die Fotoqualität der 200 Euro teuren QX10 ist – abgesehen vom Zoom – gegenüber Premium-Smartphoes nur ein kleiner Zugewinn. Echtes Upgrade – selbst am Z1 – ist das QX100, dessen Preis von 450 Euro aber abschreckt, vor allem, weil er nicht wie beim 650 Euro teuren Z1 in Vertragskosten versteckt werden kann.

Der Autor hat die IFA 2013 auf Einladung von Sony besucht.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.09.2013)