Billig-iPhone für Chinas Mittelschicht

BilligiPhone fuer Chinas Mittelschicht
BilligiPhone fuer Chinas MittelschichtEPA
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Am Dienstag präsentiert Apple die neueste Version des iPhone. Erstmals gibt es nun auch eine Billigversion des Smartphones. Mit dieser will Apple endlich in China reüssieren.

Der Lack von Apples Ruhm ist zwar schon etwas ab, dennoch werden auch am Dienstag wieder tausende Menschen weltweit live und im Internet mitverfolgen, wie Konzernchef Tim Cook im kalifornischen Cupertino die neueste Version des iPhone präsentiert: das iPhone 5S. Kurz danach steht jedoch auch in Peking ein großes Spektakel bevor. Denn nur wenige Stunden nach der Veranstaltung in den USA wird Apple auch in China sein neuestes Gerät vorstellen - ein Novum. Bislang hatte der US-Konzern die Chinesen stiefmütterlich behandelt. Neue iPhones kamen in der Volksrepublik erst Monate später als in den USA auf den Markt.

740 Millionen potenzielle Kunden

Nun aber steht China ganz oben auf Apples Agenda. Denn in der vergangenen Woche verdichteten sich die Hinweise, dass iPhones künftig auch von China Mobile vertrieben werden, dem Platzhirschen unter den chinesischen Mobilfunkanbietern. Bisher bot nur der sehr viel kleinere Konkurrent Unicom iPhones in seinem Sortiment an. Bestätigen will Apple diese Meldung bislang nicht. Aber sollte es nach jahrelangen Verhandlungen mit China Mobile tatsächlich zum Durchbruch gekommen sein, hätte der US-Konzern auf einen Schlag rund 740 Millionen potenzielle Kunden mehr - das Siebenfache des Heimatmarktes in den USA.

Und zu noch einer Neuerung soll es kommen: Erstmals will der US-Konzern auch eine Billigvariante seines Smartphones (iPhone 5C) auf den Markt bringen. Auch das hängt unmittelbar mit China zusammen. Denn obwohl die Volksrepublik der für Apple am schnellsten wachsende Markt ist, hinkt der US-Konzern im Vergleich zur Konkurrenz hinterher. Smartphones von Samsung sind die unangefochtene Nummer eins, dann folgt eine Reihe chinesischer Anbieter. Das iPhone kommt erst auf dem siebten Platz.

Das hat vor allem einen Grund: Mit umgerechnet rund 650 Euro ist das günstigste Modell des iPhone doppelt oder zum Teil gar dreifach so teuer wie vergleichbare Konkurrenzprodukte. Und auch im internationalen Vergleich sind Apple-Geräte in China am teuersten. Dabei werden die Geräte in der Volksrepublik hergestellt.
„Dieser Preis geht auf ein allgemein hohes Preisniveau von westlichen Marken in China zurück", erklärt der Shanghaier Konsumforscher Qiu Feng. Noch vor wenigen Jahren sei die Volksrepublik für westliche Unternehmen kein wichtiger Absatzmarkt gewesen. Das Angebot war lediglich für eine Oberschicht bestimmt, die nicht auf die Preise schaute. Und tatsächlich: Kleidungsstücke von Esprit oder Adidas sind zwischen 40 und 60 Prozent teurer als in Europa. Und obwohl der durchschnittliche Pekinger nur ein Fünftel von dem eines US-Amerikaners verdient, muss für einen Starbucks-Kaffee einen Dollar mehr gezahlt werden als in den USA.

Mittelschicht nimmt zu

Doch die chinesische Mittelschicht ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen und damit auch die Zahl der Konsumenten. Die Preise sind dennoch hoch geblieben - was den westlichen Unternehmen traumhafte Gewinne beschert hat.

Aber auch der chinesische Konsument ist preisbewusster geworden, sagt Konsumforscher Qiu. Im Internet sind die Preise bereits deutlich gefallen. Viele reisen zum Einkaufen ins benachbarte Hongkong, Japan oder gleich in die USA oder nach Europa. Oder sie greifen zu chinesischen Produkten, die qualitativ immer stärker mit westlichen Marken mithalten könnten.

Apple scheint diese Entwicklung nun erkannt zu haben. Konsumforscher Qiu geht sogar davon aus, dass mit einem günstigeren iPhone ein allgemeiner Preisrutsch westlicher Marken in China eingeläutet werden könnte. „Apples Verkaufsshow am Mittwoch ist für Chinas Konsumenten daher ein ganz besonderes Event."

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.09.2013)

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