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USA: Ex-Finanzminister warnt vor nächster Finanzkrise

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Als vor fünf Jahren Lehman Brothers zusammengebrochen ist, leitete Henry Paulson das US-Finanzministerium. Heute warnt er vor einer neuen Krise.

Die Frage, ob eine neue Finanzkrise drohe, sei ihm oft gestellt worden, so der frühere US-Finanzminister Henry Paulson. In einem Gastkommentar im "Handelsblatt" meint er: "Ich fürchte, dass die Antwort darauf 'Ja" lautet". Fünf Jahre nach der Finanzkrise habe die USA bei der Reform der staatlich geförderten Baufinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac keinerlei Fortschritte erzielt. Sie seien dominanter denn je. "Derzeit werden 90 Prozent der neuen Wohnhypotheken in den USA von einer staatlichen Garantie getragen. Das bedeutet, dass der Staat - und nicht der freie Markt - den Preis und die Bedingungen der Eigenheimhypotheken bestimmt", so Paulson weiter. Angesichts falscher staatlicher Anreize sei der Hypothekenmark "dem Risiko eines erneuten Exzesses ausgesetzt".

Keine Bank sollte so groß oder so komplex sein, dass sie nicht untergehen kann

Der frühere US-Finanzminister und Ex-Goldman-Sachs-CEO Henry Paulson

Ein weiteres großes Problem sind Paulson zufolge die Großbanken. "Keine Bank sollte so groß oder so komplex sein, dass sie nicht untergehen kann", schreibt er. Das "Too big to fail"-Phänomen müsse aus der Welt geschafft werden. "Eine strenge Regulierung einschließlich Größenbeschränkung und Veräußerungszwang bei Banken, die ihre Risiken nicht mehr handhaben können, könnte Pleiten unwahrscheinlich machen."

Die dritte Gefahr ortet Paulson auf dem Markt der Schattenbanken. Zu viele Banken würden sich auf eine nicht einlagengestützte, kurzfristige Refinanzierung verlassen. Dieser Großhandels- oder "Repo"-Kreditmarkt belaufe sich auf über 2,5 Billionen Dollar.

Zur Person

Henry Paulson war CEO der Investmentbank Goldman Sachs, bis ihn George Bush im Jahr 2006 in sein Kabinett holte. Vor fast genau fünf Jahren, in Paulsons zweiten Jahr als Finanzminister, brach Lehman Brothers zusammen und infolge dessen die Finanzkrise aus.

Nach der Wahl von Barack Obama wurde er von Timothy Geithner abgelöst. Das Magazin "Time" zählt Paulson zu den 25 Personen, die für die Finanzkrise.

(Red.)