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Fakten-Check: "Die Sahara war die Kornkammer Roms"

Fakten-Check: Sahara Kornkammer Roms?
Fakten-Check: Sahara Kornkammer Roms?(c) EPA (Nic Bothma)
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Im TV-Duell mit VP-Vizekanzler Spindelegger sprach FP-Chef Strache von einem Klimawandel "im natürlichen Sinn" in der Sahara-Region. Hat er recht?

Im ORF-TV-Duell am Montag zwischen VP-Vizekanzler Michael Spindelegger und FP-Chef Heinz-Christian Strache befragte Moderatorin Ingrid Thurnher die beiden Kontrahenten auch zum Thema Klimawandel. "Klimawandel war immer eine Entwicklung dieses Planeten, wo wir früher in der Sahara einmal die Kornkammer Roms hatten, wo wir Klimawandel im natürlichen Sinn erlebt haben", sagte Strache im Zuge der Diskussion.

Wir stoppen hier: Der Presse.com-Faktencheck will diese Aussagen überprüfen. War die Sahara tatsächlich die Kornkammer des antiken Roms? Und erfolgte der Klimawandel dort, wie von Strache behauptet, "im natürlichen Sinn"?

Die Kornkammern Roms

Erst einmal: Bei der Kornkammer Roms denkt man eher an die Insel Sizilien, die nach dem Zweiten Punischen Krieg (218 bis 201 vor Christus) an Rom fiel. Die bis dahin griechische Insel wurde fast zur Gänze abgeholzt. Sizilien wurde in Folge der wichtigste Getreidelieferant des Römischen Reichs. Auch Cato formulierte: "Sizilien ist die Kornkammer Roms."

Ist Strache damit also durch die Geschichte widerlegt? Nein. Tatsächlich dienten auch Tunesien, Teile des heutigen Algeriens und ein Küstenstreifen Libyens als Kornkammer des Römischen Reichs. Nordafrika war in der Antike ein landwirtschaftlich produktives Gebiet, das teilweise noch bewaldet war. Nicht nur Sizilien war also von Relevanz. Auch die Provinz "Africa" galt bis in die Spätantike als "Kornkammer Roms".

Sahara war einst blühende Landschaft

Laut der "Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit" (GIZ) war die Sahara vor 10.000 Jahren eine blühende Landschaft: "Man hat in der Wüste z.B. Krokodil-, Nilpferd- und Fischknochen gefunden, die davon zeugen, dass die Sahara nicht immer so trocken war, wie sie heute ist, dass es sogar große Seen und Flußläufe gegeben haben muss." Ab dem 6. Jahrhundert vor Christus begannen die Menschen der Region Landwirtschaft zu betreiben. Olaf Bubenzer und Ulrich Radtke von der Humboldt-Universität Berlin schreiben davon, dass es in der Sahara zwischen etwa 11.000 und 6000 Jahren vor heute große Seen gegeben hat.

Zwar kehrte sich dieser Prozess vor 6000 bis 8000 Jahren wieder um, doch "die Klimawirkung der Vegetation ließ die Sahara noch für längere Zeit grün und fruchtbar bleiben". Erst als bei den Niederschlagsmengen eine kritische Schwelle überschritten wurde, gingen sehr schnell viele Pflanzen ein, schreibt die GIZ. "Dadurch konnte immer weniger Feuchtigkeit in den Böden und in der Luft gehalten werden. Durch diese nun negative Verstärkung verdorrte die Sahara ebenso schnell, wie sie einst ergrünte."

Natürlicher Klimawandel ist keine Mär

Und Strache hat auch nicht unrecht, wenn er im Fall der Sahara von einem Klimawandel "im natürlichen Sinn" spricht. Stephan Rahmstorf vom "Potsdam Institute for Climate Impact Research" schreibt: "Durch die langsame Änderung der Erdbahn relativ zur Sonne wurden die Bedingungen für Monsunregen in der Sahara im Laufe der Jahrtausende immer ungünstiger." Interessant findet er es auch, dass die Vegetation nicht etwa langsam abnahm, "sondern sich bis zu einem gewissen Punkt fast vollständig halten konnte, dann aber plötzlich ganz verdorrte. Die Sahara kippte innerhalb von relativ kurzer Zeit zu der trockenen Wüste um, die sie bis heute geblieben ist."

Fakten-Check:
Fakten-Check: "Die Sahara als Kornkammer Roms"

Fakten-Check

Serie: Welchen Wahrheitsgehalt haben die Aussagen der Politiker im Nationalrats-Wahlkampf? DiePresse.com prüft im Fakten-Check laufend, ob aufgestellte Behauptungen sachlich richtig oder angestrebte Ziele realistisch zu erreichen sind.

(Red.)