IAA: Materialschlacht

Showtime. BMW schickt E-Autos in eine Endlosschleife.
Showtime. BMW schickt E-Autos in eine Endlosschleife.(c) Beigestellt
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Auf der größten Autoshow der Welt, der IAA in Frankfurt, liefern sich die Hersteller eine erbitterte Materialschlacht. Auch dass Autos wie früher bloß herumstehen, gilt nicht mehr.

Audi lässt Städte von der Decke hängen.
Audi lässt Städte von der Decke hängen. Audi lässt Städte von der Decke hängen.
Mit 9000 m2 belegt VW die größte Fläche in Frankfurt.
Mit 9000 m2 belegt VW die größte Fläche in Frankfurt.(c) Beigestellt

Die erste Autoschau in Deutschland war übersichtlich: Im Jahr 1897 waren im Festsaal des Hotels Bristol in Berlin insgesamt acht Motorwagen zu bewundern. So wie das Automobil allmählich die Straßen eroberte, gewann auch der Schaulauf neuer Modelle an Bedeutung. 1939 wollten schon über 800.000 Gäste in Berlin den brandneuen KdF-Wagen sehen – besser bekannt als VW Käfer. Nach dem Krieg wurde die Messe nach Frankfurt verlegt, wo sie als Internationale Automobilausstellung (IAA) im Jahr 2007 mit knapp einer Million Gästen ihren bisherigen Rekord feierte.

Rekordverdächtig sind aber auch die Anstrengungen, die Hersteller heute an den Tag legen, um Fachpresse und Publikum zu beeindrucken. Nur mit Autos geht das offenbar nicht mehr. Darf es zum Beispiel eine 1200 Quadratmeter große LED-Fläche sein, die unablässig visuelle Feuerwerke zündet? Bei Mercedes, in Frankfurt vertreten auf zwei Etagen mit 8000 Quadratmetern Fläche, dürfte es jedenfalls nicht nur die trockene Hallenluft sein, die den Besuchern die staunenden Augen rötet.

Volkswagen, Deutschlands größter Hersteller, kontert mit 9000 Quadratmetern Standfläche. Dafür wurden 90 Kilometer Kabel verlegt, 150 Tonnen Stahl verbaut, wofür nicht weniger als elf Monate Planung von einem Dutzend Architekten und Designer vonnöten waren. 140 Hosts und Hostessen versorgen bei VW die Besucher mit Informationen – falls inmitten des tosenden Multimediatrubels noch jemand einen Blick für die ausgestellten Autos hat.

Überhaupt scheint das Wort Messestand mittlerweile unpassend. Bei BMW fahren die neuen Elektromodelle der Marke in einer Endlosschleife durch die Halle. Das war überfällig, denn ausgerechnet Autos sind ja nicht zum Stehen da. Dass sie das dennoch gern tun, kann man freilich auf den Straßen rund um das riesige Messegelände in Frankfurts City begutachten. Drinnen verkehren Shuttles, um die langen Fußwege zu verkürzen. Die IAA ist ein Heimspiel der deutschen Hersteller. Ausländische Marken begnügen sich mit dem, was übrig bleibt – an Platz und Aufmerksamkeit.

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