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Ex-Post-Vorstand erpresste Peer Steinbrück

Peer Steinbrückimago stock&people
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Aussagen des SPD-Kanzlerkandidaten über die Ausbeutung von Geringverdienern verärgerten den ehemaligen Topmanager.

Berlin. Ein Erpresserbrief, mit dem Peer Steinbrück zum Rückzug von seiner Kanzlerkandidatur gebracht werden sollte, stammt von einem früheren deutschen Post-Vorstand. Die Staatsanwaltschaft Bonn ermittelt gegen den 52-jährigen Hermann Ude, der bis 2011 Vorstand bei der Deutschen Post war, nun wegen versuchter Nötigung. Der frühere Topmanager soll gegenüber der Staatsanwaltschaft erklärt haben, er habe sich über Äußerungen des SPD-Politikers über die Ausbeutung von Geringverdienern geärgert. Aus diesem Grund habe er den Brief geschrieben. Er wolle nun einen Entschuldigungsbrief an das Ehepaar Steinbrück schreiben.

In dem an Steinbrücks Ehefrau Gertrud adressierten Brief hatte der Erpresser Enthüllungen über eine angeblich Ende der 1990er-Jahre schwarz beschäftigte Haushaltshilfe angedroht und den Politiker zur Aufgabe seiner Kandidatur aufgefordert. Das Ehepaar Steinbrück schaltete die Behörden ein und wies die Anschuldigungen zurück.

Nach Gertrud Steinbrücks Darstellung war die Haushaltshilfe 1999 bei ihrer in Bonn lebenden Mutter beschäftigt, die 2003 gestorben ist. Peer Steinbrück war wenige Monate zuvor Wirtschaftsminister in Nordrhein-Westfalen geworden, seine Familie deshalb nach Bonn umgezogen. Dann soll die Frau auch bei den Steinbrücks selbst tätig gewesen sein. Sie habe die Frau ausgezahlt und das Ganze mit ihrer Mutter abgerechnet, sagte Gertrud Steinbrück der „Bild"-Zeitung, die den Fall publik gemacht hat. Die fragliche Haushaltshilfe arbeitet heute unter anderem auch bei dem mutmaßlichen Erpresser, schreiben deutsche Medien.

Ude war bis 2011 bei der Deutschen Post im Vorstand für das Frachtgeschäft zuständig und galt als einer der engsten Vertrauten des früheren Post-Chefs Klaus Zumwinkel. Er war zeitweise dessen Büroleiter. 2008 ist Zumwinkel wegen einer Steueraffäre zurückgetreten. Er wurde ein Jahr später zu zwei Jahren Haft auf Bewährung und zu einer Geldstrafe in Höhe von einer Million Euro verurteilt. Ude soll nach seinem Karriereknick wieder Aussicht auf Vorstandsämter in anderen Unternehmen gehabt haben.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15. September 2013)