Kunstmessen: Malerei forever!

Malerei forever
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Kommende Woche startet die Herbstsaison auf dem Kunstmarkt mit der Art Week in Berlin. In ihrem Mittelpunkt steht die große Schau "Painting Forever".

Die Torte der Statistik lässt keine Zweifel aufkommen: Das große Stück des Markts für zeitgenössische Kunst schneidet sich immer noch die Malerei ab. 65 Prozent aller Lose, die vom vorigen Juli bis Juni dieses Jahres auf Auktionen verkauft wurden, waren Gemälde. Mit 16 Prozent folgt die Zeichnung, mit elf Prozent die Skulptur, sechs Prozent nur macht die Fotografie aus, deren Markt sich interessanterweise immer noch zögerlich entwickelt.

Sammler von Gegenwartskunst scheinen, zumindest was ihre bevorzugten Medien betrifft, also immer noch ziemlich konservativ zu sein, macht die „Artprice.com“-Analyse glauben. Doch die von der anhaltenden Finanzkrise nicht nur unberührte, sondern geradezu explodierte Nachfrage nach hochpreisiger, zeitgenössischer Kunst hat alle ihre Bereiche letztendlich gestärkt. So wurden, laut dem französischen Marktbeobachter, noch nie so viele Zeichnungen verkauft wie im vorigen Jahr. Siebenmal so viel sogar wie zehn Jahre zuvor. Der günstigere Preis spielt hier genauso eine Rolle wie das Faible der chinesischen Sammler für Tuschzeichnungen, was natürlich ebenfalls Auswirkungen auf die internationale Statistik hat.

Die großen Summen aber werden mit Malerei gemacht, allein konkurrenziert von großformatigen Skulpturen, was daran erinnert, dass der englische Sammler Charles Saatchi kurz nach der Londoner Frieze-Kunstmesse 50 großformatige Werke bei Christie's versteigern lässt – mit „Thinking Big“ hat die Auktion am 17.Oktober sogar einen eigenen Titel bekommen.

Das große Motto dieses Herbstes liefert aber die Malerei: Unter der romantischen Parole „Painting Forever!“ prescht Berlin kommende Woche vor: Vier Institutionen – Neue Nationalgalerie, Kunst-Werke, Berlinische Galerie und die Deutsche Bank Kunsthalle – haben sich zusammengeschlossen und zeigen unter diesem Titel völlig unterschiedliche Malereiausstellungen. In der DB-Kunsthalle ist auch die in Österreich aufgewachsene, in Deutschland geborene Malerin Katrin Plavcak prominent vertreten.

„Why painting now?“ Die führenden Wiener Galerien blasen nur einen Monat später ins selbe Horn, ein wenig kritisch-verhaltener als die (ironischen) Berliner Jubelchöre: Das von der Stadt Wien (Departure) gesponserte Begleitprogramm zur Kunstmesse Viennafair, „Curated by“, fragt „Why painting now?“ Und lässt 20 internationale Kuratoren in 20 Galerien 20 Antworten darauf geben. Einig scheint man sich zumindest darüber, dass Malerei zurzeit verstärkte Aufmerksamkeit bekommt. Vom Markt, von den Institutionen zumindest. Von den Künstlern nicht mehr oder weniger als in den vergangenen 2000 Jahren wohl. So oft wie die Malerei totgesagt wurde, so oft wurde schon ihr Revival gefeiert.

Was man wohl sicher sagen kann, ist, dass in Zeiten von Wirtschaftskrisen Sammler vermehrt zu konservativeren Medien greifen. Was sich unweigerlich auf die Galerienprogramme auswirkt. Vor allem im mittleren Preissegment.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.09.2013)

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