Japan hat am Sonntag damit begonnen, seinen einzigen noch in Betrieb befindlichen Atomreaktor für eine Routineinspektion herunterzufahren. Das Land wird ab Montagmorgen bis frühestens Dezember ohne Atomstrom sein.
Tokio/Ag./Red. Das vom Unternehmen Kansai Electric Power (Kepco) betriebene Kraftwerk in Ohi im Westen des Landes soll für reguläre Wartungsarbeiten allmählich heruntergefahren und vom Netz genommen werden.
Japan wird ab Montagmorgen bis frühestens Dezember ohne Atomstrom sein. Das wäre für die Wirtschaftsmacht die längste Zeit ohne Nuklearenergie seit den 1960er-Jahren. Der genaue Termin für eine Wiederinbetriebnahme des AKW ist offen.
Seit dem Atomunglück von Fukushima am 11. März 2011 gelten für die Atommeiler in Japan verschärfte Sicherheitsvorkehrungen. Vor der Nuklearkatastrophe, die von einem starken Erdbeben und einem Tsunami verursacht worden war, produzierten AKW rund 30 Prozent des gesamten japanischen Stroms.
Seit dem Fukushima-Unglück sind zahlreiche Nuklearanlagen stillgelegt oder aus Sicherheitsgründen vorübergehend geschlossen worden: Von den insgesamt 50 Reaktoren sind ein Dutzend in Betrieb. Bereits im Mai und Juni 2012 war Japan ohne Atomstrom.
Japan musste seit der Nuklearkatastrophe seine Rohstoffimporte – etwa Kohle oder Gas – massiv erhöhen. Die Regierung macht die Importe für das angestiegene Handelsdefizit verantwortlich und hat eine schnelle Sanierung der Nuklearanlagen versprochen. Elektrizitätsrechnungen sind seit der Fukushima-Katastrophe um 30 Prozent gestiegen.
Negativ-Berichte aus Fukushima – zuletzt über ein Leck, aus dem radioaktives Wasser ins Meer geflossen ist – sorgen für eine zunehmende Anti-Atom-Haltung in der Bevölkerung.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.09.2013)