Poker um Fed-Ausstieg aus dem Billiggeld

Geldpolitik. Die US-Notenbank Fed steht nach Einschätzung von Experten vor der wichtigsten Sitzung seit Jahren, am Mittwoch könnte die Kehrtwende erfolgen.

Frankfurt. Über Monate schon hält die Frage die Finanzmärkte in Atem, wann die Währungshüter mit der Drosselung ihrer milliardenschweren Anleihekäufe beginnen. Wenn die geldpolitischen Entscheidungen am Mittwoch (18. September) von Fed-Chef Ben Bernanke bekannt gegeben werden, könnte es endlich soweit sein. Viele Ökonomen rechnen damit, dass die Notenbanker den Einstieg in den Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik (Finanzjargon: "Tapering") wagen.

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Der Euro schlägt sich wacker.

Konjunkturdaten sprechen für lockere US-Geldpolitik.

Auch wenn die jüngsten Konjunkturdaten enttäuschten, scheint der Erholungspfad intakt - das Wachstum hat sich stabilisiert und die Arbeitslosenquote ist deutlich gesunken. Der Weg, um die Stützungsmaßnahmen für die US-Wirtschaft zu verringern, wäre damit frei. Zwischenzeitlich sah es so aus, als könnten der Syrien-Konflikt und ein überraschend schwacher Job-Aufbau die Fed davon abhalten, auf einen etwas weniger expansiven Kurs umzuschwenken. Mittlerweile stehen die Zeichen in Syrien eher auf Entspannung. Ob der Arbeitsmarkt den Notenbankern schon robust genug scheint, ist aber schwer einzuschätzen.

Die Ökonomen der Deutschen Bank gehen von einer Reduzierung der monatlichen Anleihekäufe von derzeit 85 Milliarden auf 70 Milliarden US-Dollar (52,41 Mrd. Euro) aus. Damit liegen sie etwas über dem Expertenkonsens, der erwartet, dass das monatliche Volumen lediglich um zehn Milliarden US-Dollar gedrosselt wird. Nach wie vor gibt es aber auch viele Finanzprofis, die noch nicht damit rechnen, dass die Fed einen Gang herunter schaltet. "Der Markt bleibt gespalten darüber, wann der Beginn zu erwarten ist", bringen es die Analysten der Commerzbank auf den Punkt.

Psychologie ist alles

"Während genügend Gründe, beispielsweise die anfällige Konjunkturerholung und die niedrige Inflation für einen vorsichtigen Ansatz und einen späteren Start sprechen, setzt sich mehr und mehr die Einschätzung durch, dass eine behutsame Aufnahme des Tapering weniger schmerzhaft wäre als die anhaltende Unsicherheit über den Anfangszeitpunkt", heißt es im Commerzbank-Ausblick. Neben der alles überlagernden Frage nach dem Anfang vom Ende des ultrabilligen Geldes stehen mit den aktualisierten Konjunkturprognosen und der Suche einer Nachfolge für Fed-Chef Bernanke weitere spannende Aspekte an.

Bernankes zweite Amtszeit endet Anfang 2014, und er dürfte für eine dritte nicht in Frage kommen. Top-Kandidat Larry Summers steht ebenfalls nicht mehr zur Verfügung - der ehemalige Finanzminister war im Lager der Demokraten umstritten und hat US-Präsident Barack Obama am Sonntag abgesagt. Aussichtsreichste Bewerberin ist nun Janet Yellen. Die Vizechefin der Fed gilt wie Bernanke als Befürworterin einer lockeren geldpolitischen Linie. Obama selbst betonte jedoch umgehend, noch sei in der Personalie nichts entschieden.

(APA/dpa-AFX)

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