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Goldman Sachs erwartet Börsenboom

Goldman Sachs erwartet Boersenboom
Goldman Sachs erwartet Boersenboom(c) REUTERS (LUCAS JACKSON)

US-Anleger rechnen nicht mehr damit, dass die Eurozone zerbricht. Sie kommen zum Schluss, dass europäische Aktien immer noch unterbewertet sind.

Frankfurt/Reuters. Die Investmentbank Goldman Sachs rechnet in den kommenden zwei Jahren mit einem Börsen-Boom. „Die globalen Aktienmärkte werden bis Ende 2015 um 43 Prozent steigen“, sagte Philip Holzer, der stellvertretende Deutschlandchef von Goldman Sachs, am Dienstag in Frankfurt. Besonders gut seien die Perspektiven in Europa. Viele amerikanische Investoren, die wegen der Euro-Schuldenkrise lange einen Bogen um den Kontinent machten, seien nun wieder verstärkt in Europa aktiv.

In den vergangenen Jahren hätten ihn Investoren stets gefragt, wann die Eurozone zerbreche, sagte Holzer. „Der Wille der europäischen Politik, den Euro zu erhalten, ist in Amerika unterschätzt worden. Angesichts der Rettungsmaßnahmen der Europäischen Zentralbank und erster Fortschritte in den Krisenländern habe inzwischen jedoch ein Umdenken stattgefunden. Investoren würden sich wieder verstärkt auf die Kennziffern und Perspektiven der Unternehmen konzentrieren, sagte Holzer. Viele kämen dabei zu dem Schluss, dass europäische Konzerne im Vergleich zu ihren US-Konkurrenten unterbewerten seien.

Der deutsche Leitindex Dax war am Montag auf ein Rekordhoch gestiegen, und der MSCI-Weltindex kletterte auf den höchsten Stand seit Juni 2008. Grund für die Aktienrallye war die Hoffnung, dass die US-Notenbank auch nach dem Abtritt von Fed-Chef Ben Bernanke an ihrer ultra-lockeren Geldpolitik festhält. Nach dem Verzicht des Ex-Finanzministers Lawrence Summers hat Fed-Vizepräsidentin Janet Yellen die besten Karten auf die Nachfolge von Bernanke – auch sie gilt als Verfechterin einer lockeren Geldpolitik.

Die Bundestagswahl in Deutschland am kommenden Wochenende spielt laut Holzer für die weitere Entwicklung der Aktienmärkte eine untergeordnete Rolle. Die meisten Investoren gingen davon aus, dass Angela Merkel deutsche Bundeskanzlerin bleibt – in welcher Koalition auch immer. Wenn das nicht so kommt, wäre es eine Überraschung, die nicht eingepreist ist.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.09.2013)