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Siemens: Betonköpfe an der Macht

File photo of the Siemens AG company logo in Berlin
REUTERS
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Nach dem Rauswurf von Brigitte Ederer sind beim deutschen Elektronikkonzern wieder nur Männer im Vorstand vertreten. Modernität sieht anders aus.

Der Sprung ins 21. Jahrhundert dauerte nur kurz: Als Siemens nach 160 Jahren Geschichte 2008 mit Barbara Kux erstmals einen Frau in den Vorstand holte, und zwei Jahre später auch Brigitte Ederer ins Führungsgremium einzog, sorgte der deutsche Elektronikriese für Aufsehen und viel positives Echo. Während in der EU und auf nationaler Ebene allerorten noch über Frauenquoten gestritten und gefeilscht wurde, legte just Siemens die Latte hoch.
Der Aufbruch ins 21. Jahrhundert dauerte allerdings nicht lang: Mit dem schon angekündigten Abgang von Einkaufschefin Kux und dem nun erfolgten Rauswurf Ederers ist die alte Ordnung - sprich Männerherrschaft - wieder hergestellt. Und nicht nur das: Außer dem Rechtsvorstand Peter Solmssen besteht die Führungscrew nur aus Deutschen. Internationalisierung, Offenheit, Innovations- und Risikofreude sehen anders aus.

Dass die Luft immer dünner wird, je weiter man die Hierarchie hinaufklettert, muss auch Ederer gewusst haben. Gehälter von Top-Managern beinhalten ja deshalb auch eine gehörige Portion Schmerzengeld. Aber auch die Millionen, die sie nun zum Abschied bekommt, können die Art, wie Ederer aus dem Konzern gedrängt wurde, nicht beschönigen. Wobei ein solch unschöner Abgang eines Mannes genauso zu verurteilen wäre.
Dass just die Ederer politisch nahe stehende Arbeitnehmervertretung für das jähe Ende ihrer Bilderbuchkarriere sorgte, ist besonders pikant. Aber auch in Gewerkschaften sollen Betonköpfe sitzen. Bei Siemens sind sie jetzt wieder ganz stark vertreten – diese Quote erfüllt der Konzern nun jedenfalls locker.