Der scheidende Fed-Chef Ben Bernanke hält an der Politik des superlockeren Geldes fest. Die Wirtschaft sei noch nicht robust genug, die Zinsen bleiben ganz niedrig.
Wien/Washington/Jil. Die US-Finanzmedien kannten bis Mittwochabend eigentlich nur ein Wort: „Taper“, übersetzt in etwa: „allmähliches Aufhören“. Es steht für den Anfang vom Ende der extrem lockeren Geldpolitik („Quantitative Easing“), die die Federal Reserve zur Krisenbekämpfung eingesetzt hat. Die Börsen fieberten denn auch gespannt der Entscheidung von Fed-Chef Ben Bernanke entgegen. Wird er oder wird er nicht die monatliche Konjunkturhilfe über den Rückkauf von US-Staatsschulden und Immobilienpapieren in Höhe von 85 Mrd. Dollar zurückfahren?
Und dann kam am Abend die Überraschung: Bernanke bleibt bei der bisherigen Politik: So wie bisher pumpt die Fed allmonatlich massiv Geld in den Markt. Die Wall Street reagierte gleich nach der Fed-Entscheidung mit einem kräftigen Kursanstieg. Der Dollar verlor zum Euro an Wert.
Warten auf noch bessere Zeiten
Für eine Reduktion der Hilfen sprach: der Dow steht hoch, die US-Inflationsraten scheinen unter Kontrolle. Auch ein Krieg in Syrien scheint abgewendet. Da Bernanke im Jänner seinen Stuhl räumt, ist jetzt der langsame Ausstieg aus „Quantitative Easing“ erwartet worden. Aber weder die Immobilien- noch die Arbeitsmarktdaten zeigen die gewünschte Stabilität. Auch die Inflation habe noch nicht den gewünschten Wert erreicht. Vor einer Entscheidung für einen Kurswechsel der ultralockeren Geldpolitik müsse es mehr Beweise geben, dass die Erholung der Konjunktur und des Arbeitsmarktes tatsächlich stabil sei, teilte die Fed mit. Als ein Grund für die Ungewissheit wurden Ausgabenkürzungen im Staatshaushalt genannt.
Der Leitzins bleibt somit auf seinem historischen Niedrigstand zwischen null und 0,25 Prozent. Auf diesem Rekordtief liegt er seit Ende 2008, als die Finanzkrise ihren Anfang genommen hatte. Der Nullzins sei angemessen, solange die Arbeitslosenquote höher sei als 6,5 Prozent, ließ die Fed wissen. Derzeit liegt sie bei 7,3 Prozent. Nach Ansicht von zwölf der 17 Notenbanker, die im Offenmarktausschuss vertreten sind, ist erst 2015 der richtige Zeitpunkt, um die Zinsen zu erhöhen.
Bernanke, dessen aussichtsreichster Nachfolger laut einem Vertreter des US-Präsidialamts die Fed-Vizechefin Janes Yellen ist, wollte offenbar nicht mit einer zu raschen Abkehr von der lockeren Geldpolitik den gesamten Erfolg seiner Strategie riskieren, die die USA scheinbar von einer zweiten „Great Depression“ verschont hat.
Harsche Kritik
„Quanitative Easing“ ist nichts anderes als die Versorgung des Marktes mit frischem Geld – um einen deflationären Kollaps als Folge der Krise zu vermeiden. Vor allem für die Staatsanleihenkäufe musste sich die Fed auch immer wieder Kritik anhören. Der EZB sind solche Käufe verboten – da „Staatsfinanzierung durch die Notenpresse“ in der Vergangenheit oft zu Katastrophen geführt hat. Die Fed-Ökonomen behaupten aber „this time it's different“ – und sie scheinen bisher recht zu behalten.
Die Struktur von „Quantitative Easing“ hat zur Folge, dass die Fed in den letzten Jahren immer rund 48 Prozent der neu begebenen Staatsanleihen des Finanzministeriums „übernommen“ hat. Weil aber das Ministerium im Juni unerwartete „Dividenden“ der notverstaatlichten Immofinanzierer „Fannie & Freddie“ in Höhe von mehr als 60 Mrd. Dollar erhalten hat, sowie infolge von US-Gesetzen die eigenen Ausgaben bereits reduzieren musste, braucht die US-Regierung weniger Geld im vierten Quartal. Das bestärkte jene, die eine Richtungsänderung erwarteten. Jetzt müssen sie weiter darauf warten.
(Red./APA/dpa)