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Gewerkschaftsboss stürzt Ederer

EROeFFNUNG DES NEUEN SIEMENS-RECHENZENTRUMS: VORSTANDSVORS. EDERER
Gewerkschaftsboss stürzt EdererAPA/HANS KLAUS TECHT
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Siemens. Nach heftigen Auseinandersetzungen mit den Arbeitnehmervertretern muss Brigitte Ederer den deutschen Siemens-Konzern vorzeitig verlassen.

[München/Wien/Reuters/Eid] Nach den Turbulenzen um den Sturz von Siemens-Boss Peter Löscher Ende Juli wünschte sich sein Nachfolger Joe Kaeser nur eines: Ruhe für den Konzern. Die hat er jetzt. Jedenfalls wird sie nicht mehr durch das herzhafte Lachen Brigitte Ederers gestört werden. Der Aufsichtsrat des deutschen Elektronikkonzerns hat am Mittwoch den bis Mitte 2015 laufenden Vertrag der Österreicherin mit Ende September vorzeitig aufgelöst („Die Presse" berichtete in einem Teil ihrer gestrigen Ausgabe).

Ederer war seit 2010 für Personal zuständig. Sie kann mit einer „Abfertigung" von etwa fünf Mio. Euro rechnen. Sie wird auch als Aufsichtsratschefin von Siemens Österreich zurücktreten.

Im Vorstand sitzen - nach Ederers Ausscheiden und dem bereits angekündigten Abgang von Einkaufschefin Barbara Kux - wieder nur Männer. Mit Ausnahme von Rechtsvorstand Peter Solmssen (USA) sind es nur Deutsche, von denen die meisten den Großteil ihres Berufslebens bei Siemens verbracht haben. Nachfolger von Kaeser im Finanzressort ist Ralf Thomas, der seit 1995 bei Siemens beschäftigt ist. Ederers Ressort geht an Technologievorstand Klaus Helmrich, der sich stärker um die Verbindung von Technik und Personal kümmern soll. Und im Aufsichtsrat soll SAP-Ko-Chef Jim Snabe den ehemaligen Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann ersetzen, der sich nach einem heftigen Schlagabtausch mit Aufsichtsratschef Gerhard Cromme um Löschers Ausscheiden zurückgezogen hat.

Macht- und Ränkespiele

Kaeser und Cromme hoffen nun, dass die Führungsspitze nicht mehr wie zuletzt durch Macht- und Ränkespiele das Interesse der Öffentlichkeit auf sich zieht. Dabei ist der Grund für Ederers Abgang genau so eine Kabale. Ederers Abgang sei bereits seit der Kaeser-Berufung klar gewesen, hieß es im Unternehmen. Die ehemalige SPÖ-Politikerin Ederer war von ihrem Landsmann Löscher in die Konzernzentrale geholt worden. Beobachtern zufolge dürfte Ederer nach Löschers Sturz dem freien Spiel der Kräfte im Aufsichtsrat ausgeliefert gewesen sein. „Die IG Metall hat da Druck auf Cromme aufgebaut", sagte ein Insider.

Die Sozialdemokratin Ederer soll mit den Belegschaftsvertretern kein gutes Einvernehmen gehabt haben. „Es gab mit der scheidenden Arbeitsdirektorin Auseinandersetzungen hinsichtlich wirtschaftlicher Fragen und in Fragen der Unternehmenskultur", erklärte ein Betriebsratssprecher.

Der Kriegsgrund war, dass sich Ederer geweigert haben soll, den Arbeitsvertrag von Gesamtbetriebsratschef Lothar Adler zu verlängern. Adler erreicht 2014 die konzerninterne Altersgrenze von 65 Jahren. Der Gewerkschafter, der auch im Aufsichtsrat sitzt, wollte jedoch weitermachen und strebte laut „Süddeutscher Zeitung" zudem eine Beförderung an. Ein von Siemens in Auftrag gegebenes Gutachten habe jedoch ergeben, dass Adler nicht verlängert werden dürfe, weil dies eine unzulässige Begünstigung eines Betriebsrates dargestellt hätte. Die Kapitalvertreter im Aufsichtsrat hätten wegen des gespannten Verhältnisses Ederers zu den Betriebsräten kalte Füße bekommen, heißt es.
Cromme will den Vorstand von zehn auf sieben Mitglieder verkleinern. Mit dem Abgang der Frauen ist der Zirkel um einen Posten zu groß. Der nächste dürfte Solmssen sein, wird spekuliert. „Ederer war durch ihr Ausscheiden bereit, diese neue Ressortstruktur im Vorstand schon jetzt möglich zu machen", lobte Cromme den Schritt als Selbstopfer.

("Die Presse", Print-Ausgabe vom 19.9.2013)