Der Schwabe Ulrich Bez ist einer der schillerndsten Car Guys der Branche – und Retter der britischen Edelmarke Aston Martin. Sein Buch gewährt rare Einblicke in die Autowelt.
Im schwächsten Jahr seiner überaus wechselhaften Geschichte hat der Sportwagenhersteller Aston Martin 40 Autos verkauft. Das ist selbst für eine exklusive Luxusmarke empfindlich zu wenig, um über die Runden zu kommen. Anfang der 1990er-Jahre galt das Unternehmen auch eher als Faktotum denn als Aushängeschild britischer Handwerkskunst. Dass Aston Martin im vergangenen Jahr mit gebührendem Pomp 100 Jahre seines Bestehens gefeiert hat und mittlerweile mehr als 100-mal so viele Autos baut wie in jenem dunklen Jahr 1992, liegt vor allem an einem Deutschen.
Ausgerechnet.
Jener Ulrich Bez entzieht sich aber den allermeisten Klischees, die man schnell zur Hand hätte. Bez ist Schwabe durch und durch, er isst am liebsten Maultaschen und sagt gern „Äschton“. Dennoch tickt er international, arbeitete auf der ganzen Welt und lebte viele Jahre in Korea. Genialer Ingenieur und in der Wolle gefärbter Car Guy, vermag er dennoch Abendgesellschaften mit Witz und Charisma zu beleben.
Der Autowelt hat er veritable Ikonen geschenkt: In seinen Jahren bei BMW den unkonventionellen Z1, einen Roadster mit halb versenkten Türen, bei Porsche die Baureihe 993, die dem 911er das Überleben und Prosperieren bis zum heutigen Tag erst ermöglicht hat. Nicht viel weniger stolz ist Bez übrigens auf den Daewoo Matiz, der als smarter Kleinstwagen Schule gemacht hat. Bei Aston Martin schließlich hat Bez die ideale Wirkstatt gefunden. Der Hersteller war schon mehrmals in die Pleite geraten; als Bez vor zehn Jahren übernahm, war ein totaler Neustart notwendig. „Making Aston Martin“ heißt folgerichtig das stattliche Buch, in dem Bez über seine schillernde Karriere berichtet. Er baute Aston Martin neu auf, verband Erbe und Geschichte der letzten eigenständigen Luxusmarke mit technischer Weitsicht und schwäbischer Sturheit. Wir hätten heute lustigere Autos, weniger Firlefanz und Pseudoinnovationen, gäbe es in der Branche mehr von Bezens Kaliber. Sein Buch erhellt auch Autofreunde, die keinen Vantage oder DB9 in der Garage haben.
Lebensalbum. In „Making Aston Martin“ schildert Uli Bez Höhen und Tiefen seiner schillernden Karriere. Der Band wiegt stolze drei Kilo. € 79,90.www.teneues.com