Afrika-Aktionstage: Quer durch Wien nach Afrika

AfrikaAktionstage Quer durch Wien
AfrikaAktionstage Quer durch Wien(c) Erwin Wodicka
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Afrikanische Vereine, Lokale und Institutionen laden Freitag und Samstag zum Tag der offenen Türen. Und zu einer Reise durch das afrikanische Wien, Linz, Salzburg und Graz.

Wien. Spuren von Afrika gibt es überall. Von marokkanischen Speisen im Aux Gazelles im Sechsten zum afrikanischen Tanzstudio Mamborama im Ersten bis ins Szenerestaurant Rosa Elefant am Fleischmarkt und zu anderen historischen Spuren in Wien: etwa dem Grab im Stil einer Pyramide in der Augustinerkirche, dem Haus Zum Schwarzen Elefanten am Graben, einem Denkmal für den ersten Elefanten in Wien, zur letzten Elfenbeinschnitzerei der Stadt im Siebten bis zu Straßen und Gassen, die Namen mit Afrika-Bezug tragen. Die Baumanngasse etwa, benannt nach Oskar Baumann, einem österreichischen Afrika-Forscher des 19. Jahrhunderts, der an der Kolonialisierung der heutigen Länder Tansania, Burundi und Ruanda als Deutsch-Ostafrika beteiligt war.

Vor der Tür, mitten in Wien, warten Vereine, Lokale, historische Orte mit oft unbewusstem Afrika-Bezug. Am Freitag und Samstag laden die afrikanischen Communitys in Wien – ebenso wie die in Linz, Graz und Salzburg – mit dem Programm „24 Stunden Afrika“ zu Tagen der offenen Türen.

„Wollen zeigen, was Afrika noch alles ist“

Es gehe darum, sagt Alexis Neuberg von der Afrika-Vernetzungsplattform, einer der Initiatoren der Aktion, ein positives Bild von Afrika zu zeigen. „Der Diskurs über Afrika ist oft negativ geprägt. Wir, die Communitys, haben überlegt – wie können wir den Menschen zeigen, was Afrika noch alles ist?“, sagt der gebürtige Rwandese Neuberg, der 1992 nach Wien gekommen ist, Publizistik studiert und Radio Afrika mitinitiiert hat. Die Idee dazu, die Initiative „Ke Nako Afrika – Afrika jetzt“ entstand schon 2010. Nun will diese auch ohne konkreten Anlass wie damals die Fußball-WM in Südafrika ein vielseitiges Bild von Afrika vermitteln.

Am Freitag und Samstag also finden in Wien etliche Veranstaltungen zum Thema Afrika statt: vom Vernetzungstreffen für Unternehmen, afrikanischstämmige Wiener und Entwicklungshilfe-NGOs am Freitag bis zum Kinderprogramm im WUK, Tanzworkshops in der Brunnenpassage oder einer African Fashion Show am Samstag. Die Initiatoren haben dazu eigene Karten für Wien, Graz, Salzburg und Linz erstellt, in denen die afrikanischen Vereine, Lokale oder Orte in Wien mit historischem Afrika-Konnex zu finden sind (siehe Webtipp).

David Alaba allein auf weiter Flur

In Wien konzentrieren sich die Communitys vor allem auf den zweiten, den siebten und den neunten Bezirk. Zu einigen dieser Orte führt am Samstag (ab 14 Uhr, Treffpunkt ist das Dschungel-Café im Museumsquartier) eine Wien-Tour mit Uni-Professor Walter Sauer, dem Autor des Buches „Das afrikanische Wien“. Inklusive Lesung, Besuch des Marcus-Omofuma-Denkmals oder einer Tanzvorführung. „Es gibt viel, das Österreich und Afrika verbindet, von dem man nichts weiß“, sagt Neuberg und spricht die österreichische Beteiligung an der kolonialen Geschichte an – oder Knochen von Buschmännern, die in Kartons lagerten und voriges Jahr erst von der Republik an Südafrika übergeben wurden.

Vor allem aber sei es sein Ziel, die „Mehrheitsgesellschaft“, wie er sagt, und Menschen mit afrikanischer Abstammung zusammenzubringen. So wurde jede der Veranstaltungen von Nichtafrikanern und afrikanischstämmigen Menschen organisiert. Immerhin, so Neuberg, leben in Österreich 45.000 Menschen mit afrikanischen Wurzeln. Abgesehen vom derzeit wohl am meisten gefeierten Österreicher im Ausland, David Alaba, seien diese öffentlich, zum Teil in Top-Positionen in der Wirtschaft – aber in der Öffentlichkeit bisher kaum präsent.

WEITERE INFORMATIONEN UNTER

www.afrikaplattform.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.09.2013)

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