Strauss-Kahn: Serbiens umstrittener Retter

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StraussKahn Serbiens umstrittener Retter(c) REUTERS (MARKO DJURICA)
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Ex-IWF-Chef Strauss-Kahn ist zurück im Rampenlicht. Nach Alfred Gusenbauer soll auch er Serbien aus der Schuldenfalle helfen.

Belgrad. Lächelnd reagierte der gefallene IWF-Chef bei seiner Antrittsvisite im serbischen Regierungspalast auf das lange entbehrte Blitzlichtgewitter: Zumindest auf dem Balkan ist Dominique Strauss-Kahn zurück im Rampenlicht. Er habe „keinen Zauberstab“ zur Lösung der Finanzprobleme seines Gastlands, versuchte der 64-Jährige die Erwartungen an sein Beratergastspiel in Belgrad zu dämpfen: Doch er sei gekommen, „weil ich Serbien liebe“.

Ein Sexskandal um eine vermeintliche Vergewaltigung hat den Hoffnungsträger der französischen Sozialisten vor zwei Jahren beim anvisierten Siegeszug in den Präsidentenpalast vorzeitig straucheln lassen. Doch obwohl sich der eloquente „DSK“ neuen Ermittlungen der französischen Justiz wegen des Vorwurfs der Zuhälterei ausgesetzt sieht, hat ihm Serbiens Dauerkrise fern der Heimat ein kleines Comeback beschert. Zunächst honorarfrei und auf drei Monate begrenzt soll er als Berater von Vizepremier Alexander Vučić dem Balkanstaat den Weg aus der Schuldenfalle weisen: „Danach werden wir weitersehen.“

Leicht dürfte ihm seine Mission nicht fallen. Serbiens Wirtschaft stagniert. Trotz aller hastig organisierten Umschuldungskredite bekommt Belgrad das ausufernde Defizit nicht in den Griff: Die vor einigen Jahren noch niedrige Staatsverschuldung ist über die 60-Prozent-Marke geklettert. Die offizielle Arbeitslosenrate liegt trotz des aufgeblähten Verwaltungsapparats bei 27 Prozent. Unrentable Staatsbetriebe werden mit Subventionen am Leben gehalten.

Seite an Seite mit Gusenbauer

Serbiens Wirtschaft habe „ernsthafte Probleme“, konstatiert auch Belgrads neuer Promiberater. Doch fast alle anderen Staaten der Welt seien mit ähnlichen Herausforderungen konfrontiert. Konkrete Ratschläge könne er aber erst nach einer gründlichen Analyse der Lage des Landes erteilen. „Er fiel vom Mars, um Serbien zu retten“, titelte am Donnerstag spöttelnd das Nachrichtenportal Vesti. Tatsächlich ist Strauss-Kahn nach dem österreichischen Ex-Bundeskanzler Alfred Gusenbauer bereits der zweite aus der Versenkung gezauberte Politveteran, den Belgrad in den letzten Wochen als Berater angeheuert hat.

Mit seiner Ankündigung, seine Dienste zumindest die ersten drei Monate kostenfrei zur Verfügung zu stellen, hat der sonst für russische Finanzkonzerne arbeitende Franzose zwar der Kritik an der Verpflichtung teurer Auslandsberater den Wind aus den Segeln genommen. Doch unumstritten ist sein Engagement auch wegen seines angeschlagenen Rufs in Serbiens Öffentlichkeit keineswegs.

Vizepremier Vučić nimmt seinen Berater mit einem merkwürdig anmutenden Rückgriff in die Geschichte in Schutz: „Der große Picasso behandelte Frauen sehr schlecht, während Frauen etwa Hitler besonders liebten.“ Wichtig sei nur, dass Strauss-Kahn ein Fachmann zur Lösung der Finanzprobleme des Landes sei. Und das könne niemand bestreiten.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.09.2013)

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