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Olympia: Ende des Gießkannenprinzips

Symbolbild
Olympia: Ende des Gießkannenprinzips(c) EPA (Kay Nietfeld)

Ein Anfang ist gemacht: Strengere Bestimmungen der Spitzensportförderungen sollen künftig medaillenlose Sommerspiele wie in London 2012 verhindern.

Wien. Der Aufschrei nach Olympia in London 2012 war groß, das medaillenlose Unglück wurde als Schande empfunden. Auch die Politik hat sich damals zu Wort gemeldet, der damalige Sportminister prangerte die „Olympiatouristen“ an, forderte Konsequenzen. Norbert Darabos hat mittlerweile längst andere Sorgen, sein Nachfolger Gerald Klug brauchte den roten Faden nur aufzugreifen – und die auf die Beine gestellten Projekte vollenden. Der Sportminister jedenfalls ist in den vergangenen Tagen recht aktiv gewesen, er hat die „tägliche Turnstunde“ beworben, er wird am heutigen Samstag beim „Tag des Sports“ auf dem Wiener Heldenplatz vorbeischauen. Unterstützung bekommt er von Bundeskanzler Werner Faymann.

Nach London ist vor Rio 2016, für die kommenden Sommerspiele hat sich Österreich viel vorgenommen. Darabos hat die Spitzensportförderung auf neue Beine gestellt, das Projekt Rio 2016 aus der Taufe gehoben. Dafür werden insgesamt 20 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Ab Jänner werden für 2014 an die Aktiven 2,5 Millionen Euro verteilt, die gleiche Summe ist für Infrastrukturmaßnahmen vorgesehen. Der vorläufige Kader, der in den Genuss der speziellen Förderung kommt, umfasst 39 Aktive, darunter zwölf Paralympics-Teilnehmer. Dazu kommen noch sieben Mannschaften.

Gerald Klug hat vor dem Sommer mit Peter Schröcksnadel einen erfahren Mann mit an Bord geholt. Der Präsident des Österreichischen Skiverbandes, Vizepräsident des ÖOC, spielt neuerdings den Chefkoordinator in der Causa Olympia. Er hat Berater um sich geschart, die Liste der Auserwählten wurde dieser Tage veröffentlicht. Die Förderungen sollen transparenter gemacht werden, das Ende des Gießkannenprinzips wird bejubelt. Athleten, die sich der Kategorie Spitzensport zugehörig zählen dürfen, sollen künftig Gelder aus nur einem Topf beziehen, die 20 Angehörigen des Hoffnungskaders bekommen ihre Mittel aus dem Bereich des „Teams Rot-Weiß-Rot“.

Peter Schröcksnadel, der den Streit zwischen Dinko Jukić und dem Schwimmverband beendet hat, ist zufrieden. Er ist optimistisch, dass das neue Fördersystem schon in Rio de Janeiro Früchte tragen wird. „Wir haben das Ziel, drei bis fünf Medaillen zu machen. Und ich bin absolut sicher, dass das kommt!“ Ganz so rosig ist der Istzustand des österreichischen Sommersports allerdings nicht zu sehen. Auch in Brasilien ist aus heutiger Sicht eine Nullnummer möglich.

Insgesamt will man aus einem Kader von rund 100 Athleten die größten Hoffnungsträger erkannt haben. „Medaillen kann man nicht versprechen“, sagt Christoph Sieber, der ehemalige Olympiasieger. Die Auswahl haben schließlich nach Vorschlag der Fachverbände auch Harald Horschinegg (IMSB) und Ewald Klinger (Sportministerium) getroffen. „Nach bestem Wissen und Gewissen. Auch das Umfeld wurde berücksichtigt.“

Ein Anfang ist gemacht, einige Verbände haben keinen einzigen Vertreter in einen der Förderkader untergebracht. Der Überlebenskampf beginnt.

Rio 2016, Kader: Beach-Volleyball (2): Doris und Stefanie Schwaiger; Judo (3): Bernadette Graf, Kathrin Unterwurzacher, Sabrina Filzmoser; Kanu (5): Viktoria Schwarz, Ana Lehaci, Yvonne Schuring, Corinna Kuhnle, Violetta Oblinger-Peters; Leichtathletik (1): Beate Schrott; Moderner Fünfkampf (1): Thomas Daniel; Ringen (1): Amer Hrustanovic; Rudern (1): Magdalena Lobnig; Schießen (2): Lisa Ungerank, Stephanie Obermoser; Schwimmen (1): Dinko Jukic; Segeln (6): Nico Delle Karth, Nikolaus Resch, Matthias Schmid, Florian Reichstädter, Thomas Zajac, Tanja Frank; Triathlon (4): Lisa Perterer, Sara Vilic, Luis Knabl, Thomas Springer.

Paralympics (12):
Kanu (1): Markus Swoboda; Leichtathletik (4): Thomas Geierspichler; Natalia Eder, Bil Marinkovic, Günther Matzinger; Rad/Handbike (2): Walter Ablinger, Wolfgang Schattauer; Reiten (1): Pepo Puch; Schwimmen (1): Andreas Onea; Segeln (1): Sven Reiger; Tischtennis (2): Doris Mader, Stanislaw Fraczyk;

Teams (7): Säbelfechten (4): Galli, Nikolic, Schwarz, Willau; Handball: Nationalteam Frauen und Männer; Rudern (7): LG-Zweier (Sieber, Sieber); LG-Vierer (Berg, Helmeier; Chernikov, Siegl, Lemp); Tischtennis (6): Gardos, Habesohn, Fegerl, Liu Jia, Polcanova, Solja; Beach-Volleyball (1): Horst;

Hoffnungskader: Hockey: Nationalteam Herren; Judo (2): Zeltner, Drexler; Kanu (2): Wolffhardt, Leitner; Leichtathletik (4): Dadic, Vojta, Weißhaidinger, Mayer; Rad (2): Osl, Gehbauer; Ringen (1): Marchl; Schießen (2): Schmirl, Mathis; Segeln (4): Bargehr, Mähr, Bildstein, Hussl; Taekwondo (1): Kurtovic; Wasserspringen (1): Blaha.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.09.2013)