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Namiest: Die Geschichte einer Region im Spiegel eines Schlosses

Namiest: Die Geschichte einer Region im Spiegel eines Schlosses
Namiest: Die Geschichte einer Region im Spiegel eines Schlosses(c) Wikipedia

Wie das Dominium Namiest über Jahrhunderte Mähren prägte.

Ihr Vater, Heinrich Haugwitz, verlor bis zu seinem Tod nie ein Wort darüber. Er hatte heimlich tschechische Opfer der Nationalsozialisten unterstützt, den Witwen hingerichteter Oppositioneller Geld zukommen lassen. Die Tschechen dankten es ihm nach dem Krieg nicht; er landete in einem Zwangsarbeitslager. Das Schloss Namiest in Mähren musste Haugwitz aufgeben.

Seine Tochter, die Historikerin Johanna El-Kalak-Haugwitz, gibt nun einen prächtigen Band heraus, in der die wechselhafte Geschichte des Dominiums an der Oslawa wieder lebendig wird. Dabei blicken sie und eine Reihe renommierter Autor auch in die Zeit vor 1752 zurück, dem Jahr, als Friedrich Wilhelm Haugwitz, der Oberste Kanzler Maria Theresias, die Herrschaft kaufte. Von Namiest gingen über Jahrhunderte wesentliche kulturelle Impulse aus, so auch für die Übersetzung der Bibel ins Tschechische („Kralitzer Bibel“). In der Bibliothek des Schlosses sind bis heute die Fresken Carpoforo Tencallas zu bestaunen.
Als einmalig gilt auch die 23-jährige Zusammenarbeit der ehemaligen Besitzer des Schlosses mit tschechischen Behörden und Wissenschaftlern. Der Band ist gewissermaßen auch ein Dokument der Versöhnung.

Das Buch „Die Herrschaft Namiest im Wandel der Zeiten“ wird heute, Samstag, um 19 Uhr im Schloss Namiest an der Oslawa, Tschechische Republik, präsentiert.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.09.2013)