Wahlkampf-Finish
'Neoliberaler Gaul' und 'blaues Wunder'
Die Parteien haben die letzten Wahlkampf-Stunden eingeläutet. Die SPÖ warnt vor Schwarz-Blau, die FPÖ bekundet Nächstenliebe.
SPÖ, FPÖ, Team Stronach, BZÖ und Neos haben am Freitag die Jagd auf Stimmen offiziell abgeschlossen. Die Grünen folgten am Samstag, die ÖVP verzichtet auf eine spezielle Abschlussveranstaltung.(Von Peter Huber, Maria Kronbichler und Hellin Sapinski)
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Die Sozialdemokraten feiern ihren Wahlkampfabschluss in einem Zelt vor der Parteizentrale in der Wiener Löwelstraße. Um die rund tausend Funktionäre zu einem Endspurt in den letzten Stunden zu motivieren, setzt die Partei ganz auf das Schreckgespenst Schwarz-Blau. In den Ansprachen wird fast ausschließlich die ÖVP ins Visier genommen.
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Michael Häupl spöttelt über die "Wanderungen" von VP-Chef Michael Spindelegger durchs Puls4-Studio: "Aus einem neoliberalen Gaul lässt sich kein Lipizzaner züchten". Auch über angeblich von der ÖVP stammende Türhänger macht sich Wiens Bürgermeister lustig. Darauf heißt es "Faymann-Steuern" würden auch "die Ohrringe der Oma und die Eheringe der Großeltern" bedrohen. Häupl: "Ihr kennt's sicher an Haufen Großeltern, die Eheringe im Wert von 1 Million haben. Herr Vizekanzler, für wie deppert halten Sie die Leut'?". Die ÖVP bestreitet übrigens, hinter den Flyern zu stecken.
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Weniger launig legt Kanzler Werner Faymann seine Rede an - und setzt dafür auf Fahrzeug-Metaphern. "Bitte sorgt dafür, dass die Lokomotive rot ist", und "das Boot muss so stark sein, dass wir die Richtung vorgeben, auch wenn jemand in die andere Richtung rudert", ruft er seinem jubelnden Publikum entgegen. Die ÖVP habe "für Arbeitnehmer einfach nichts übrig", sie mache sich größere Sorgen um die Milliardäre.
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Faymann will auch nach der offiziellen Abschlussveranstaltung noch weiter um Stimmen werben, für Samstag ist eine Veranstaltung am Victor-Adler-Markt in Favoriten geplant. "Nutzen wir die letzten Stunden", appelliert er an die seine Anhänger. Mit Standing Ovations, begleitet von "Stand up for the champions", endet das offizielle Finish.
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Die FPÖ beschließt ihren Wahlkampf am Stephansplatz. Das hatte im Vorfeld der Veranstaltung für Diskussionen gesorgt. Für Stimmung sorgt vor dem Auftritt des Parteichefs traditionell die John-Otti-Band.
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Zeitgleich haben sich vor der Oper ein paar hundert Gegendemonstranten eingefunden. Sie pilgern schließlich in Richtung Stephansplatz.
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Als Parteichef HC Strache das Podium betritt, offenbart sich ein wahres Meer an HC-Strache-Schals. Er spricht viel von "Nächstenliebe", spöttelt aber ungehemmt über seine politischen Mitbewerber.
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Die am Graben angelangten Demonstranten werden von der Polizei durch Absperrungen von den Teilnehmern der FPÖ-Veranstaltung abgeschirmt. Immer wieder skandieren die Demonstranten: "Nazis raus, Nazis raus."
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Davon bekommt Strache allerdings nichts mit. Er stellt sein Publikum mit altbekannten Sprüchen zufrieden: "Willst du eine Wohnung haben, musst du ein Kopftuch tragen", "Die SPÖ ist eine Islamistenpartei" und "Ich bin ein Inländerfreund, kein Ausländerfeind" tut er unter dem Jubel seiner Anhänger kund. Am 29. September hofft er "auf ein blaues Wunder".
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Das Team Stronach hat in die "Praterfee" geladen bzw. in zwei extra aufgestellte Zelte auf dem Terrain dahinter. "Frank ist ein ehrlicher Typ", sagt dieser Besucher. "Er hat viel geleistet." Auch für die übrigen Gäste ist es keine Frage, wo sie am Sonntag ihr Kreuzerl machen werden: "Die anderen haben uns belogen, betrogen und bestohlen, Stronach ist anders - deshalb fürchten sie ihn, wie der Teufel das Weihwasser."
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Geleitet von Fahnen schwingenden jungen Frauen, betritt schließlich Parteigründer Stronach das Zelt. Ein tosender Applaus bricht aus. "Ich hoffe, wir können die Türe aufstoßen und etwas ändern", plädiert er dafür, für sein Team zu stimmen. "Und ich sage euch, bei der nächsten Wahl werden wir die Regierung stellen."
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Dann packt der Magna-Gründer seine altbekannten Themen aus: ein Ja zu einer Steuerreform, ein Nein zu Berufpolitikern und "Freunderlwirtschaft". "Geld kann man immer machen, aber wenn man einmal das Vertrauen der Leute verliert, kommt es nicht wieder", betont er, bevor er sein Team auf die Bühne bittet, um mit dem Song "Hand in Hand" das Wahlkampf-Ende einzuläuten.
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Das BZÖ zeigt sich im Ares-Tower in der Donaucity betont optimistisch. "Wir sind selbstbewusst und stark und wissen, dass es am Sonntag um sehr viel geht", sagt Parteichef Josef Bucher vor rund 200 Gästen.
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"Wenn Rot und Schwarz glauben, dass sie über 50 Prozent haben werden, dann haben sie die Rechnung ohne den Wirt gemacht", so Bucher. Für die "abgehobene ÖVP" werde der Sonntag "eine Strafaktion".
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Die Neos leiten ihre Feier auf der Wiener Mariahilfer Straße mit Aerosmiths "Pink" ein. Spitzenkandidat Matthias Strolz zeigt sich überzeugt davon, dass die Pinken es ins Parlament schaffen werden: Die Wahl sei erst "der Beginn einer großen Reise für Österreich." Niemand habe ursprünglich geglaubt, dass man es so weit bringen werde. "Aber hinten raus sind wir explodiert wie ein Feuerwerk. Das Hohe Haus am Ring braucht frischen Wind, und wir werden dort die Fenster aufreißen."
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Parteispender und "Minister-Kandidat" Hans-Peter Haselsteiner beschwört "erstmals seit 1945" die Möglichkeit einer Veränderung. "Aber jede Veränderung braucht etwas. Deshalb lautet der Slogan auch: Habe Mut, wähle Neos."
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Vor einigen Hundert Unterstützern haben die Grünen am Samstag im Palmenhaus im Wiener Burggarten ihren "Wahlkampfabtakt" zelebriert. Angefeuert von "Eva, Eva!"-Sprechchören rief Spitzenkandidatin Eva Glawischnig dazu auf, bis zur letzten Minute um jede Stimme zu kämpfen und SPÖ und ÖVP bei der Nationalratswahl unter die 50-Prozent-Marke zu drücken.
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Als Einpeitscherin agierte die Salzburger Grünen-Frontfrau Astrid Rössler, Ehrengäste waren die früheren Parteichefs Alexander Van der Bellen und Freda Meissner-Blau (im Bild rechts mit Eva Glawischnig. Angriffig zeigte sich die Grüne Frontfrau vor allem gegenüber der ÖVP. Diese habe im Wahlkampf Lügen plakatiert: "Das gehört aus meiner Sicht abgewählt, abgestraft." Parteichef Michael Spindelegger habe sich zwar mit "Gentleman-Boxer" Vitali Klitschko getroffen, agiere aber eher wie der für seinen Ohrenbiss berüchtigte Mike Tyson.
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Die ÖVP veranstaltet keinen speziellen Wahlkampfabschluss, stattdessen macht sich Parteichef Michael Spindelegger zu einer "Verteilaktion" auf der Wiener Mariahilfer Straße auf. Dort bekräftigt der Vizekanzler, der gerne das "Vize" vor dem "Kanzler" loswerden würde, noch einmal sein Ziel für den Urnengang: "die Nummer eins werden".Die Grünen feiern ihren Abschluss indes erst am Samstag.
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