Die Polit-Krabbelstuben der Spindeleggers und Faymanns

Die Polit-Krabbelstuben der Spindeleggers und Faymanns
Die Polit-Krabbelstuben der Spindeleggers und Faymanns(c) Die Presse (Clemens Fabry)

Der Cartellverband und die Sozialistische Jugend – nach wie vor ein wichtiges Personalreservoir.

Wien. Werner Faymann und Michael Spindelegger trennt manches. Einiges verbindet sie: Beide wurden in politischen Vorfeldorganisationen sozialisiert, der Sozialistischen Jugend (SJ) und dem Cartellverband (CV). Eben dieser erlebt unter Spindelegger eine Blütezeit in der ÖVP. War die Herrschaft des CV unter Wolfgang Schüssel, Mitglied der Katholischen Hochschuljugend, gebrochen worden, ist er nun wieder voll da. 2011, als „Cato“ an die Macht kam, wurde das offensichtlich: Von „Django“ (Reinhold Mitterlehner) über „Bärli“ (Nikolaus Berlakovich) und „Tristan“ (Karlheinz Töchterle) bis hin zu „Sumpf“ (Hannes Rauch) – sie alle waren und sind „Alte Herren“ beim CV.

Denn unter Spindelegger als ÖVP-Chef gibt es kein Regierungsmitglied aus der Volkspartei, das nicht im CV, einem Dachverband von 47 katholischen Studentenverbindungen, ist. Mit einer Ausnahme: Sebastian Kurz ist zwar Chef der Jungen ÖVP, Mitglied einer Verbindung ist er allerdings nicht.

Das zeigt, welches Netzwerk man pflegen sollte, wenn man in der ÖVP etwas werden will. Obwohl die Partei eine Jugendorganisation hat und der Cartellverband offiziell politisch unabhängig ist. „Aber wir sind natürlich trotzdem ein politischer Verband“, sagt Florian Tursky, Präsident des CV. Zwischen den Werten des Männerbundes und der ÖVP gebe es viele Schnittstellen: „Wir stehen für katholische, christliche Soziallehre, mit einem klaren Bekenntnis zur Republik Österreich“, sagt er.

In seiner Verbindung, der Austria Innsbruck, treffe man sich regelmäßig zum Mittagessen und zu gemeinsamen Messbesuchen. Die Austria Innsbruck ist auch die älteste Studentenverbindung, 150 Jahre sind seit ihrer Gründung vergangen. Insgesamt zählt der CV heute 13.000 Mitglieder. Bundespräsident Thomas Klestil und die Bundeskanzler Leopold Figl, Julius Raab und Alfons Gorbach waren dabei, genauso wie es Ex-Vizekanzler Alois Mock und EVP-Abgeordneter Othmar Karas sind.

Muslimen, Protestanten und Frauen bleibt die Mitgliedschaft verwehrt. „Wir bleiben männlich“, meint Tursky. Das hänge damit zusammen, dass es „ein anderes Sozialgefüge“ gebe, wenn Frauen anwesend seien. Also zum Beispiel beim Mittagessen oder Zusammensitzen am Nachmittag. Aber man unterstütze die Gründung von gemischten Bünden. „Und auf Veranstaltungen sind Frauen immer gern gesehen.“

Demo gegen Papst

Wer also Unterschiede zwischen SPÖ und ÖVP sucht, findet sie weniger in TV-Duellen, sondern vielmehr in den politischen Krabbelstuben. Während sich Spindelegger in seiner Verbindung Norica den Werten Glaube, Heimat, Wissenschaft und Freundschaft verpflichtete, veranstaltete Faymann 1983 ein Anti-Papst-Fest als Alternative zum Besuch von Johannes Paul II. in Wien. Damals war der heutige Bundeskanzler noch Chef der Sozialistischen Jugend (SJ).

Aber nicht nur Kanzler Faymann und seine Vorgänger Bruno Kreisky und Alfred Gusenbauer gehörten der SJ an. Der jetzige SJ-Chef, Wolfgang Moitzi, kandidiert ebenfalls für den Nationalrat. Und er hat, das hat es lange nicht mehr gegeben, de facto ein Fixmandat. Die SJ sieht sich als „Stachel im Fleisch“ der SPÖ, wie es Moitzi nennt. Nicht immer ist man mit der Parteispitze einer Meinung. Zuletzt bei der Heeresvolksbefragung. Während die SPÖ für ein Berufsheer warb, sprach sich die SJ „eher für die Wehrpflicht“ aus. Kein Rückenwind für Faymann also. Das gehört wohl auch zur Tradition. Schließlich wurden auch gegen Gusenbauer Demonstrationen organisiert. Und Josef Cap, einst der SJ-Rebell, bekam ebenfalls sein Fett ab. Jetzt ist er immerhin Klubchef.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.09.2013)