Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

UNO: "Kein Zweifel" an Klimawandel

Symbolbild
UNO: "Kein Zweifel" an Klimawandel(c) EPA (JESSE ALLEN / HANDOUT)
  • Drucken

Der UNO-Klimabeirat hat in Stockholm seinen neuen Sachstandsbericht präsentiert. Darin wird vor allem vor einem beschleunigten Anstieg der Meeresspiegel gewarnt. Dass die globale Erwärmung seit 1998 stillsteht, wird allerdings nur am Rande erwähnt.

Wien. Ist das Glas nun halb voll oder halb leer? Das vergangene Jahrzehnt war das wärmste seit Langem – zumindest seit Beginn der globalen Messungen 1850, vermutlich aber seit 1400 Jahren –, vorangeschritten ist globale Erwärmung allerdings seit 1998 nicht. Halb voll, halb leer? An jedem Detail der Formulierungen hängt viel, heftig wurde gestritten hinter den Kulissen des UNO-Klimabeirats IPCC: Laut AP wollten etwa Deutschland und die USA den Erwärmungsstillstand gar nicht erwähnt sehen im neuen IPCC-Sachstandsbericht, dessen einflussreichster Teil – „Summary for Policymakers“ – am Freitag in Stockholm präsentiert wurde.

 

Vor allem menschengemacht

Herausgekommen sind dort eine Bekräftigung des Klimawandels und seines anthropogenen Anteils im Kern – und zwei Erwähnungen des Erwärmungsstillstandes am Rand: „Die Erwärmung im Klimasystem ist zweifelsfrei“, und sie ist mit 95 Prozent Sicherheit vor allem vom Menschen gemacht, zu „mehr als der Hälfte“. Dass sich diese Erwärmung seit 15 Jahren nicht zeige, sage nichts aus, 15 Jahre seien zu kurz und das Stichjahr 1998 sei wegen des Klimaphänomens El Niño extrem heiß gewesen. Zudem habe beim Erwärmungsstillstand auch die Natur mitgespielt, mit der Aktivität von Sonne und Vulkanen.

Immerhin wird konzediert, dass „einige Klimamodelle die Antwort (des Klimas) auf steigende Treibhausgase überschätzt“ hätten. Vermutlich deshalb setzt der IPCC den zentralen Wert der Klimaforschung herab, die „Klimasensitivität“. Die gibt an, wie stark die Temperaturen steigen, wenn sich der CO2-Gehalt der Atmosphäre verdoppelt. Diesen Wert kennt man nicht, man kann ihn nur abschätzen, im letzten IPCC-Bericht (2007) lag seine Untergrenze noch bei zwei Grad Celsius, nun sind es 1,5. Ob und wie weit der neue Wert schon in die neuen Prognosen eingegangen ist, ist unklar, sie haben eine große Bandbreite: Bis 2100 könnte es zwischen 0,3 und 4,8 Grad wärmer werden. Thomas Stocker, Mitautor des Berichts, präzisiert: „Die globalen Temperaturen am Ende des 21. Jahrhunderts werden gegenüber denen von 1850 bis 1900 in allen Szenarien außer im niedersten über 1,5 Grad höher liegen, und in den zwei hohen Szenarien über zwei Grad.“ Der IPCC fürchtet, dass die Weltgemeinschaft das Ziel einer Begrenzung der Erwärmung auf zwei Grad nicht halten wird können und die Umweltfolgen unbeherrschbar werden.

In jedem Fall werde die Erwärmung mehr Wetterextreme bringen, Hitzewellen vor allem, und sie werde sich auch auf die Niederschläge auswirken: Ohnehin regenreiche Gebiete würden noch mehr eingedeckt, ohnehin trockene noch ärger dürsten. Vor allem aber werde die Erwärmung die Meeresspiegel rascher steigen lassen als früher befürchtet, um 26 bis 82 Zentimeter bis 2100 global (regional sagt das allerdings wenig, zu wenig, siehe Artikel rechts).

Das war lange im IPCC umstritten, nun hat man Konsens, einen zweiten deutet man auch noch an: Die eingangs erwähnte Möglichkeit, dass die heutige Wärme nicht präzedenzlos ist, sondern dass es vor 1400 Jahren auch so gewesen sein könnte, steht im Bericht.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.09.2013)