SPÖ. Als Minister ist er gescheitert, als Wahlkampfmanager musste er herbe Verluste hinnehmen, aber er konnte der SPÖ noch Platz eins retten.
Wien. In einer der ersten Pressekonferenzen nach seinem Comeback als Bundesgeschäftsführer wurde Norbert Darabos gefragt, ob er denn glücklich sei, nicht mehr Verteidigungsminister zu sein, weil er so gelöst wie lange nicht wirke. Darabos wollte diese Frage nicht wirklich beantworten: „Finden Sie? Das sagen mir irgendwie alle, die mich länger kennen.“
Hätte die SPÖ die Heeresvolksbefragung heuer im Jänner nicht verloren, wäre für Norbert Darabos und die SPÖ alles anders gelaufen. Wer weiß, vielleicht wäre der 49-jährige Burgenländer noch Minister, hätte sich die Bevölkerung im Jänner nicht gegen ein Berufsheer entschieden. Und wer weiß, vielleicht stünde Bundeskanzler Werner Faymann nach dem gestrigen Wahlsonntag nicht immerhin noch als Vorsitzender der stärksten Partei da. Darabos ist allerdings ein Stratege mit einem großen blauen Auge. Denn die SPÖ rutschte auf einen neuen Tiefststand ab.
Tatsache ist, dass Darabos nach dem Votum als Heeresminister untragbar geworden war. Tatsache ist auch, dass Faymann seinen damaligen Parteimanagern keine Wahlkampagne zugetraut hatte. Deshalb ordnete er Anfang März sein Schachbrett neu: Günther Kräuter wurde in die Volksanwaltschaft weggelobt, Laura Rudas degradiert, der Bundesratsabgeordnte Gerald Klug Minister und Darabos alleiniger Chef in der Löwelstraße.
Die PR-Strategie hinter dieser Rochade war nicht unklug: Darabos stand plötzlich nicht mehr als gescheiterter Minister da, sondern als erfahrener Kampagnenmanager, der schon Hans Niessl (im Jahr 2000), Heinz Fischer (2004) und sogar einem Alfred Gusenbauer (2006) zum Wahlsieg verholfen hatte.
Rückblickend hat Faymann trotz der Stimmenverluste die richtige Entscheidung getroffen. Darabos gestaltete zwar keine sonderlich inspirierte, aber eine solide Kampagne. Er wusste, wenn es gelingt, die Kernwähler der SPÖ zu mobilisieren, wird es zumindest für Platz eins reichen. Das war aber auch schon der einzige Trost an diesem Wahlsonntag. Die Frage ist, was mit Darabos geschieht und ob er nun SPÖ-Klubchef wird. (pri)
("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.09.2013)