Neu im Parlament: Migranten, Neos, Junge und Veteranen

Nationalrat. Die Abgeordnetenreihen werden zum Teil neu besetzt: „Die Presse“ stellt ausgewählte Neomandatare vor, von denen man künftig noch viel hören könnte.

Wien. Noch ist nicht endgültig geklärt, wer ins Parlament einzieht. Wahlkarten können ebenso zu Verschiebungen führen wie die Vorzugsstimmen. Und auch die Regierungsbildung hat Einfluss auf die Besetzung des Nationalrats: Für die Minister und Staatssekretäre werden andere Kandidaten aus den Koalitionsparteien nachrücken. Etliche Neuzugänge sind aber schon jetzt fix. Und da sind auch einige Junge dabei, die von ihren Parteien auf einen wählbaren Listenplatz gehievt wurden.

Noch eine neue Entwicklung fällt auf: Etliche Parlamentarier haben Migrationshintergrund. Und zwar nicht nur bei den Grünen, bei denen das schon bisher üblich war, sondern auch bei SPÖ und ÖVP. Bei den Neos, die erstmals ins Parlament kommen, gibt es logischerweise nur neue Abgeordnete. (ib/beba/aich/maf)

Michaela Steinacker (51)
Die gebürtige Niederösterreicherin arbeitete bereits 1988 im Kabinett von ÖVP-Ministerin Marilies Flemming. Danach machte sie sich als Managerin, unter anderem bei den ÖBB und bei Raiffeisen, auf deren Gehaltsliste sie nach wie vor steht, einen Namen. Steinacker ist begeisterte Basketballspielerin und Mitbegründerin der katholischen Studentinnenverbindung Norica Nova.

Asdin El Habbassi (26)
Mit dem Chef der Salzburger Jungen ÖVP, Asdin El Habbassi, zieht erstmals ein Moslem für die ÖVP in den Nationalrat ein. Der Bachelor der Betriebswirtschaft arbeitet als Kommunikationstrainer. El Habbassi, der fünfmal täglich betet, ist in Österreich geboren, sein Vater stammt aus Marokko.

Nurten Yilmaz (56)
Mit Yilmaz ist nun auch im SPÖ-Klub die erste türkischstämmige Nationalratsabgeordnete vertreten. Vorher war sie im Wiener Gemeinderat tätig. Sie absolvierte die Fachschule für Elektrotechnik in Wien-Favoriten, seit 2005 arbeitet sie bei den Kinderfreunden.


Katharina Kucharowits (30)
Die Chefin der Jungen Generation gilt intern als Zukunftshoffnung – und vor allem als sehr loyal. Ihre Hauptthemen sind Frauenpolitik und Jugend. Kucharowits studiert Mathematik, Psychologie und Philosophie als Lehramt.

Rainer Wimmer (58)
Der Vorsitzende der Gewerkschaft Pro-Ge (Produktionsgewerkschaft) kehrt in den Nationalrat zurück, dem er schon von 1993 bis 2008 angehörte. Wimmer gilt als einer der führenden Köpfe im Gewerkschaftsbund.

Barbara Rosenkranz (55)
Die neue niederösterreichische Abgeordnete ist eine alte Bekannte: Rosenkranz war schon im Parlament, ehe sie Parteichefin in Niederösterreich wurde. Nach dem schwachen Abschneiden bei der Landtagswahl hat sie jetzt die Chance auf einen Neustart.

Eva Mückstein (54)
Die renommierte Psychotherapeutin schafft es überraschend über die niederösterreichische Landesliste ins Parlament. Sie könnte sich künftig um die Gesundheitsagenden kümmern, die mit dem (freiwilligen) Abgang von Kurt Grünewald frei werden.


Georg Willi (54)
Aus dem Tiroler Landtag wechselt Ex-Langzeitklubchef Georg Willi in den Nationalrat. Willi gilt als breit aufgestellter Grüner, der auch mit dem bürgerlichen Lager gut kann. Er ist einer von gleich drei grünen Neuzugängen aus Tirol.

Sigrid Maurer (28)
Ebenfalls Tirolerin ist Sigrid Maurer, ehemalige Chefin der Hochschülerschaft. Insider gehen davon aus, dass sie die neue grüne Wissenschaftssprecherin wird, das ist der zweite Bereich, den Grünewald hinterlässt.

Kathrin Nachbaur (34)
Parteichef Frank Stronach hält sie geeignet für den Job des Bundeskanzlers. Das wird sich für die bisherige Assistentin des Parteigründers nicht ausgehen, aber im Team Stronach wird sie wohl eine bedeutende Rolle spielen, wenn „Frank“ in Kanada weilt.

Georg Vetter (51)
Der Wiener Wirtschaftsanwalt sitzt im Vorstand des „Clubs unabhängiger Liberaler“ und vertritt rechtsliberale Positionen. Seine Meinung hat er bisher in Blogs und zahlreichen Gastkommentaren – darunter auch in der „Presse“ – verbreitet.

Ulla Weigerstorfer (46)
Die frühere Miss World zieht dann in den Nationalrat ein, wenn Monika Lindner tatsächlich – wie angekündigt – auf ihr Mandat verzichtet. Die Unternehmerin hat etliche Projekte im Umfeld von Frank Stronach abgewickelt.

Matthias Strolz (40)
Der Parteichef stammt aus Vorarlberg. Als Wirtschaftsstudent war er ÖH-Vorsitzender in Innsbruck. Später werkte er für den ÖVP-Parlamentsklub und war als selbstständiger Politikberater tätig. Vor einem Jahr gründete er die Neos.


Niko Alm (38)
Der Unternehmer, Ex-Grünen-Kandidat und Atheist wurde durch Aktionismus bekannt. So setzte er durch, dass er auf seinem Führerscheinfoto „aus religiösen Gründen“ ein Nudelsieb tragen darf. Zudem initiierte er das Volksbegehren gegen Kirchenprivilegien.


Angelika Mlinar (43)
Sie war Assistentin von Friedhelm Frischenschlager im EU-Parlament. Nun zieht die LIF-Chefin (seit 2009) durch die Kooperation mit den Neos in den Nationalrat ein. Mlinar ist Juristin und Kärntner Slowenin.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.10.2013)


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