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"Breaking Bad"-Finale: "Felina", das Ende

Episodenblog 5x16. Das Finale "Felina" schließt eine der besten Serien der Fernsehgeschichte würdig ab.

SPOILERWARNUNG: Ich verrate Details zur Handlung der jeweils behandelten Folge. Wenn Sie nichts über den Inhalt erfahren wollen, lesen Sie nicht weiter. Bitte hinterlassen Sie in den Kommentaren keine Spoiler, die die Handlung über diese Folge hinaus verraten.

Breaking Bad Finale Felina Ende
''Breaking Bad''-Finale: Walter White(c) Ursula Coyote/AMC

Es ist seltsam. Selten hat mich "Breaking Bad" in so guter Stimmung entlassen wie "Felina", dabei ist sie doch die allerletzte Folge der Serie, das Finale. Das Ende von "Breaking Bad" ist nicht laut, es ist nicht schockierend, nicht kontrovers, sondern vielmehr die logische Konsequenz aus 62 Folgen über einen Mann, der der Macht verfällt und an sich selbst scheitert. Ein langsames Stück über das Sterben eines stolzen, gekränkten, gebrochenen Menschen.

Die Folge fühlt sich nach Ende an, wie es Serienerfinder Vince Gilligan versprochen hat. "Felina" ist ein atmosphärischer und würdiger Abschluss für eine großartige Serie. Und ist im richtigen Maß versöhnlich.

Was passiert?

Wir wissen doch schon, was in "Felina" passieren musste: Walt musste Skyler und Jesse treffen, mit seiner Vergangenheit abschließen und sterben.

Der Zufall ist zu Beginn - wie so oft - auf Walts Seite, es ist das letzte Mal. Von der Polizei, die er rief, um sich zu stellen, sieht er in New Hampshire nur die Lichter und der Schlüssel zu einem alten Volvo fällt ihm sprichwörtlich in die Hände. "Just get me home", flüstert er.

Diesmal bemüht sich "Breaking Bad" nicht groß darum, die Handlung zu verschleiern, unvorhersehbar zu sein. Im Gegenteil. Walter White gibt uns Einblick in seine Trickkiste.

Mit falscher Identität, als "New York Times"-Journalist, verschafft er sich Zugang zum prachtvollen Haus von Gretchen und Elliott Schwartz, die seinen Kindern sein Geld, das einzige das ihm geblieben ist, übermitteln sollen. Mehr als neun Millionen Dollar sind es, weit mehr als jene "magic number" 737,000 Dollar aus seinen Anfangstagen.

Er überredet seine ehemaligen Weggefährten nicht bloß, er bedroht sie. Für einen letzten komischen Moment sorgen Skinny Pete und Badger, die Rosencrantz' und Guildensterns dieses Dramas in shakespearscher Tradition, als sie sich "morally conflicted" fühlen, weil sie das Ehepaar mit Laserpointern Todesgefahr vorgaukeln. Mit ihrer Hilfe gelingt Walt auch, endlich Rache zu üben: Gretchen und Elliott werden nie mehr ruhig schlafen. Und er begreift, wo Jesse Pinkman ist, der in Ketten gehalten von hölzernen Kistchen träumt.

Natürlich ist er schon bei Skyler, als Marie (in Weiß gekleidet) anruft, um sie zu warnen. Er hinterlässt seine Ehefrau die Koordinaten zu Hanks Leiche - auch als Druckmittel gegen die Polizei. Ein kurzes Mal blitzt Heisenberg auf, als Skyler ihn fragt, ob er jemandem weh getan habe, um zu ihr zu kommen. "I didn't have to", antwortet er. Musste er das jemals?

Breaking Bad Finale Felina Ende
''Breaking Bad''-Finale: Walter White(c) Ursula Coyote/AMC
Walt ist endlich ehrlich zu ihr und zu sich selbst. Er habe es nicht für die Familie getan, gibt er zu. "I did it for me. I liked it. I was good at it. And I was really, I was alive." In der Politfolge hatte er es "awake" genannt. Er streichelt Holly zum Abschied (und erntet einen liebevollen Blick dafür von Skyler, den ersten seit man weiß nicht wie langer Zeit) und beobachtet Junior, mit dem er keinen Frieden finden wird.

Sein letzter Weg führt ihn zur Nazi-Familie. Zu Beginn hatte er Todd und Lydia Rodarte-Quayle im Coffeshop abgefangen, um ein Treffen zu vereinbaren, und sich die Gewohnheiten der empathielosen Drogenhändlerin zunutze gemacht. "Camomile tea with soy milk. And I'll need more stevia", bestellt sie wie immer. Als sie das Süßungsmittel in die Tasse schüttet, wissen wir, wofür Walt das Ricin brauchte. Dass er ihr ihren Tod am Telefon ankündigt, befriedigt nur sein und unser Bedürfnis, sich auch an ihr zu rächen.

Nach ein paar bangen Minuten guter alter "Breaking Bad"-Spannung geht sein Plan bei den Nazis tatsächlich auf. Ein letztes Mal rettet Walt seinen "Ziehsohn" Jesse, indem er sich auf ihn wirft und ihn vor den Kugeln des automatischen Maschinengewehres schützt, das aus seinem Kofferraum auftaucht (erneut dürfen wir in die Trickkiste schauen). Zwar überleben Onkel Jack und Todd, aber nicht lange. Jesse macht dem Psychopathen mit dem Babyface den Garaus - auf ähnliche Weise, wie Walt damals in der dritten Folge Krazy-8. Walt lässt Jack noch einen Zug von einer Zigarette nehmen, bevor er ihn erschießt.

Jetzt fehlt nur noch Walts Tod.

"Do it if you want this", lädt Walt Jesse ein und schubst ihm eine Pistole rüber.
"Say you want this. Nothing happens until you say it", antwortet sein Schüler. Er hat begriffen: Das wäre kein Mord, das wäre Sterbehilfe.
"I want this", sagt Walt.
"Then do it yourself."

Walt ist ohnehin schon getroffen. Sie nicken sich zu, respektvoll, dann rast Jesse lachend und weinend in die Nacht.

"Breaking Bad" begann mit Walter Whites 50. Geburtstag und endet an seinem 52. Geburtstag. Zwei Jahre Lebenserwartung hatten ihm die Ärzte diagnostiziert.

Musik leitet sein letzten Gang ein, "Baby Blue" der britischen Band Badfinger. "Guess I got what I deserve, Kept you waiting there, too long my love", heißt es darin. Das letzte Bild zeigt ihn im Labor, umgeben von jenen glänzenden, mysteriösen Instrumenten, die ihm den Weg zur Macht ebneten. Walter White lächelt bei seinem Tod. Er hat Frieden geschlossen mit sich.

Details:

Was hat es mit Jesses Holzkiste auf sich? In "Kafkaesque" (3x09) erzählt Jesse in der Drogentherapie-Gruppe, wie er einst im Werkunterricht von Mr. Pike ein Kistchen gebaut hat. Das ist seine Antwort auf die Frage des Gruppenleiters: "If you had the chance to do anything you wanted, what would you do?" (zum vollständigen Monolog Jesses)

Gibt es ein Gegengift für Rizin/Ricin? Nein. Nur die sofortige Magenspülung kann helfen (zum "Zeit"-Artikel über Rizin).

"Felina" heißt das Mädchen in dem Song, den Walt am Anfang im Volko hört, "El Paso" von Marty Robbins: "Riding alone in the dark, Maybe tomorrow a bullet may find me ...". Es lässt sich auch lesen als FeLiNa, Eisen, Lithium, Natrium, als Bestandteile von Blut, Methamphetamin und Tränen. Schöne Zusammenfassung für die Serie eigentlich.

 

Goodbye Walt, Jesse, Skyler, Hank, Marie, Flynn, Holly, Skinny Pete, Badger, Mike ... Ich werde euch vermissen.

 

Der "Breaking Bad"-Episodenblog bisher:

Staffel 5, Folge 15

Staffel 5, Folge 14

Staffel 5, Folge 13

Staffel 5, Folge 12

Staffel 5, Folge 11

Staffel 5, Folge 10

Staffel 5, Folge 9


Redaktioneller Hinweis: Die aktuellen "Breaking Bad"-Folgen werden der Autorin von dem Pay-TV-Sender Sky zur Verfügung gestellt, der die Serie fast zeitgleich mit den USA ausstrahlt.