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Winterpalais: Prinz Eugen, der edle Ritter

Prinz Eugen. Ausstellung in Winterpalais und Belvedere (Jacob van Schuppen).
Prinz Eugen. Ausstellung in Winterpalais und Belvedere (Jacob van Schuppen).(c) Beigestellt
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Eine wahre Pracht! Das Winterpalais des Prinzen wurde restauriert. Das Belvedere eröffnet dort zwei Ausstellungen. Wer aber war Prinz Eugen?

Prinz Eugen, der edle Ritter, wollt dem Kaiser wiedrum kriegen Stadt und Feste Belgerad“, schmetterten in den 1970er-Jahren die Schülerinnen des Ursulinen-Gymnasiums in Wien-Mauer. Sie wunderten sich nicht über die seltsame Grammatik, „Belgerad“ lag irgendwo weit im Ostblock und „die Türken“ standen für zwei Jahreszahlen, die man im Schlaf wissen musste: 1529 und 1683. Heute ist Europa gleichermaßen größer und kleiner geworden, die Welt insgesamt zusammengerückt – und Prinz Eugen hätte immerhin einen Grund zur Freude: Ab 17. Oktober werden die Prunkräume seines einstigen Winter- oder Stadtpalais im Finanzministerium in der Himmelpfortgasse der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Zwei Tage später wird im Oberen Belvedere eine Prinz-Eugen-Ausstellung eröffnet: mit Präparaten aus dem Naturhistorischen Museum. Eugens Menagerie wird rekonstruiert. Bereits 2010 wurde der Feldherr gefeiert, damals im Unteren Belvedere. Zur diesmaligen Ausstellung erscheint kein eigener Katalog, doch das umfangreiche Buch von 2010, das auch die Zeit beleuchtet, ist noch zu haben (beim Hirmer-Verlag um 45 Euro.)

Intellektueller und Haudegen.
„Prinz Eugen war eine wirklich herausragende Persönlichkeit seiner Zeit und ein richtiger Europäer – italienischer Abstammung, in Frankreich aufgewachsen, in Österreich gelebt. Ursprünglich als mittelloser Flüchtling 1683 an den Hof der Habsburger gekommen, starb er 1736 als Besitzer von mehreren Schlössern. Es ist eine unglaubliche Erfolgsgeschichte eines Selfmademans, die bis heute fasziniert“, sagt Agnes Husslein, Direktorin des Belvedere: „Mit der Herbstausstellung in Prinz Eugens erstem Wiener Palais soll sein Leben anhand ausgewählter Objekte greifbar und nachvollziehbar gemacht werden. Da das Winterpalais kein klassisch-nüchterner Ausstellungsraum ist, erzeugt der Dialog zwischen den Prunkräumen und den kostbaren Exponaten eine eigene Spannung, die den Besuchern viel von der damaligen Zeit vermitteln kann.“ Künftig sollen im Winterpalais auch zeitgenössische Kunstausstellungen stattfinden, das Ambiente ist eine Herausforderung für die Künstler.

Gibt es auch angreifbare, anfechtbare Seiten Prinz Eugens? Feldherr, Kriegsgewinnler, er diente der bedeutendsten europäischen Macht seiner Zeit, den Habsburgern. Husslein: „Prinz Eugen war nicht nur ein erfolgreicher Feldherr, sondern in erster Linie Diplomat und Staatsdiener, der sehr hohe Ämter innehatte. Kriege zu führen und Schlachten zu schlagen, gehörte zum ,Business‘; allerdings nur dann, wenn alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft waren – heute beurteilen wir solche Dinge natürlich anders. Außerdem wissen wir von keiner menschenverachtenden Äußerung des Prinzen Eugen; vielmehr interessierte er sich für die Kultur jener Länder und Völker, gegen die er von Staats wegen vorgehen musste.“ Prinz Eugen war nie verheiratet.
Husslein: „Ursprünglich war er ja zum Priesterberuf auserkoren, hatte die niederen Weihen empfangen und bekam 1688 zwei Abteien im Piemont übertragen. Er war Laienabt, was nicht nur die Verpflichtung zum zölibatären Leben, sondern auch ein hohes Einkommen mit sich brachte. Und dieses Geld konnte er wahrhaft gut gebrauchen! Irgendwann dürfte die Pflicht zur Gewohnheit geworden sein. Er war ein so vielseitig interessierter Mensch, dessen Leben mit sehr viel Arbeit ausgefüllt war. Da überrascht seine Ehelosigkeit nicht.“

Eine Symphonie barocker Opulenz offenbart sich dem Betrachter im Winterpalais: viel Gold, viel Repräsentation, Konferenz- und Audienzsäle, Schlafzimmer, Bibliothek und eine Kapelle. Insgesamt wurden rund 13 Räume revitalisiert. Ausstellungskurator Georg Lechner: „Es gab den Kernbau mit sieben Fensterachsen, der relativ bescheiden war, aber zweimal erweitert wurde. Über die Prunkstiege kam man herein. Herkules war ein Motiv, dem man mehrmals begegnet ist. Dann sah man den Schlachtenbilderzyklus, wobei man nicht weiß, wie es wirklich war, weil diese Bilder ja auf Schilderungen im Nachhinein beruhen. Jedenfalls zielte die Ausstattung auf Einschüchterung, In-die-Knie-Zwingen: Man sollte sehen, mit wem man es hier zu tun hatte.“ Viel wurde im Lauf der Zeit umgestaltet, Elemente wurden zwischen den Schlössern Prinz Eugens, auch Schlosshof im Marchfeld gehörte dazu, ausgestauscht, hin- und her transportiert. Es gab immer wieder Gerüchte, dass Eugen homosexuell war, nichts Besonderes vermutlich in der damaligen Männer- und Militärgesellschaft. Eine Frau ist für einen Mann des Krieges ein „hinderliches Möbel“, soll der Prinz gesagt haben.

Lieber Pagen als Damen. „Er incommodirt sich nicht mit Damen, ein paar schöne Pagen wären besser seine Sach“, schrieb Lieselotte von der Pfalz, Schwägerin Ludwig XIV. Nach Eugens Tod – er hatte kein Testament gemacht – ging sein Vermögen an seine Nichte Anna Viktoria von Savoyen, die es nach und nach versteigern ließ. Das Winterpalais fiel wie die meisten Bauten des Prinzen an den Hof. Kaiserin Maria Theresia brachte die Bergbaubehörde in der Himmelpfortgasse unter.
Drei Kaisern diente Prinz Eugen, von denen Gemälde auch im Winterpalais hängen: Leopold I., Josef I. und Karl VI. Eugen war ein Heeresorganisator und Reformer, er kämpfte nicht nur gegen die Türken, sondern auch im Spanischen Erbfolgekrieg. In Prinz Eugens Epoche gab es große militärische Umbrüche: Soldaten wurden nicht mehr nur bei Bedarf angeworben, sondern permanent unter Waffen gehalten. Die Rüstungsausgaben überstiegen den Staatshaushalt. Die Habsburgermonarchie, auf dem Weg zur Großmacht, hatte ständig blutige Auseinandersetzungen zu bestehen. Allerdings waren Schlachten örtlich und zeitlich beschränkt, die Bevölkerung blieb oft verschont. Feuerwaffen setzten sich durch. Doch die Habsburgermonarchie blieb militärtechnisch ein Entwicklungsland, was Prinz Eugen des Öfteren beklagte.

Mächtiger Mazarin-Clan. Eugens große Karriere war keineswegs vorgezeichnet: Er war ein kleiner Mann, 1,50 Meter groß, nicht schön, aus bester Familie, aber nicht reich. Der Vater war Offizier, Eugen hatte sieben Geschwister, darunter vier Brüder: Die Mutter, Olympia Mancini, war eine Nichte des berühmten Kardinal Mazarin, Erzieher Ludwigs XIV. Olympia war Obersthofmeisterin Maria Theresias und später Mätresse Ludwigs XIV., wurde aber nach einer Giftaffäre vom Hof verbannt. 1680 floh sie mit ihren Kindern nach Holland, doch auch dort wurde sie verfolgt. Ursprünglich wollte Eugen in die französische Armee eintreten, Ludwig XIV. lehnte den „kleinen Abbé“ zweimal ab, was er später bereute. „Nun hat er grosse gloire erworben“, schrieb Lieselotte von der Pfalz nach dem Sieg der kaiserlichen Truppen über die Türken bei Zenta 1697. Eugen hatte starke Ressentiments gegen Frankreich, wo er seines seltsamen Aussehens wegen verspottet und von den jungen Leuten „Lansiene“ (alte Dame) genannt worden war: „Kurzes aufgeschnupftes Näschen, langes Kinn und so kurze Oberlefzen, dass er den Mund allezeit ein wenig offen hat“, so beschrieb ihn die scharfzüngige Lieselotte von der Pfalz. Eugen war, wiewohl ein blendender Stratege, kein „Schreibtisch“-General, „sondern ein draufgängerischer Kämpfer, der mehrfach verwundet wurde und sich für seine Soldaten einsetzte“, erzählt Kurator Lechner. Er beschäftigte die Soldaten auch für seinen Schlossbau und entließ sie selbst dann nicht, als die Pest ausbrach und viele Adelige aus Angst vor Ansteckung Personal auf die Straße setzten. Eugen nahm mehr Arbeiter auf. Gleichzeitig war der Prinz aber auch ein Sammler, Bücherwurm, Theologe, ein merkwürdiger Widerspruch. „Die Tugend, die Weisheit, die Liebe zu den Künsten waren die Fundamente seines Ruhmes“, schrieb Rousseau.

Collane vom Orden des Goldenes Vlies.
Was sind die Lieblingselemente von Husslein in der Eugen-Ausstellung? „Natürlich die Collane vom Orden des Goldenen Vlies, dann der Schlachtenbildersaal mit den Gemälden von Parrocel, die Zeichnungen von Salomon Kleiner, die den ursprünglichen Zustand des Palais zeigen, oder sehr schöne japanische Lackschränke des ehemaligen Hausherrn, die wir als Leihgabe aus Turin präsentieren werden.“ Die Museen klagen über Budgetmangel, seit Jahren kämpft das Völkerkundemuseum, nun Welt-Museum, um seine vollständige Neugestaltung. Auch das Belvedere hat oft gegen seine zu geringe Subvention protestiert, dabei aber wird laufend expandiert, ins 21er Haus, ins Winterpalais. Wie geht das zusammen? Ist das nicht ein Widerspruch? Husslein: „Die Aufgaben eines international renommierten Museums sind vielseitig. Um in den Kernbereichen – sammeln, bewahren, forschen, ausstellen und vermitteln – hervorragende Arbeit zu leisten, braucht man ausreichend budgetäre Mittel; insbesondere für die Bespielung neuer Standorte, wie etwa für das 21er Haus seit 2011 oder für das Winterpalais ab Herbst 2013. 2012 war mit dem Klimt-Jubiläum und einem Eigendeckungsgrad von knapp 60 Prozent ein äußerst erfolgreiches Jahr für das Belvedere.
So war eine Querfinanzierung für das 21er Haus von knapp zwei Millionen aus unserem Budget möglich. Aber nicht alle Jahre sind so besucher- und ertragsstark. 2013 wird das Belvedere für das 21er Haus erstmals die Deckungsvorsorge angreifen müssen. Für einen weiteren Ausstellungsort wie das Winterpalais ist das undenkbar.“
Dass leitende Beamte, auch der Minister, aus ihren imperialen Büros auszogen und die Palaisrenovierung in Angriff genommen wurde, hat das Belvedere vor allem Finanzministerin Maria Fekter zu verdanken. Was wurde investiert? Husslein: „Die Einmalkosten für die Teiladaptierung des Winterpalais als Museum wurden von der Burghauptmannschaft mit 5,7 Mio. Euro beziffert und mit 26. 4. 2013 parlamentarisch genehmigt. Darin enthalten sind alle baulichen Maßnahmen zur Nutzung des Winterpalais als Museum sowie für die Büros des Finanzministeriums. Konkret entfallen u. a. 955.000 Euro auf die Installation von Licht- und Sicherheitsanlagen, die Schaffung eines Kassenbereichs, den Einbau einer Behindertentoilette. Für den laufenden musealen Betrieb ab 2014 sind für das Belvedere jährlich 2,55 Mio Euro vom Bildungsministerium vorgesehen.“

TIPP

Eugen von Savoyen. Am 17. 10. wird die Ausstellung im Winterpalais eröffnet, am 18. 10. vor 350 Jahren wurde Prinz Eugen in Paris geboren. In der Schau geht es speziell um die Biografie des Prinzen und die Baugeschichte des Hauses, mit dessen Errichtung ab 1697 Johann Bernhard Fischer von Erlach begann. Öffnungszeiten: täglich 10–18 Uhr (bis 27. 4. 2014), Termine für Open House bei freiem Eintritt. Führungen ab 25. 10.

Eröffnung im Winterpalais. Jubiläumsprogramm für Erwachsene und Kinder mit barocken Erlebnisstationen, Menuetten zum Mittanzen, Kreativstationen, historischen Kostümen u. v. m., Freitag, 18., bis Sonntag, 20. Oktober, jeweils 10 bis 18 Uhr, Eintritt kostenlos.

Menagerie. Ab 19. Oktober ist die Ausstellung im Oberen Belvedere zu sehen: u. a. mit Gemälden von Philipp Ferdinand de Hamilton, Franz Werner Tamm sowie Präparaten aus dem Naturhistorischen Museum (bis 2. 2. 2014). www.belvedere.at

Zeitgenössische Kunst. Ab Mitte 2014 will das Belvedere auch im Winterpalais die rund 850 Meter umfassenden Prunkräume mit zeitgenössischen Werken von Valie Export, Erwin Wurm, Heimo Zobernig bespielen.

Triumph und Passion. Auch in Schlosshof wird der 350. Geburtstag von Prinz Eugen gefeiert: Die Ausstellung läuft noch bis 3. 11. 2013, tägl. 10–18 Uhr. www.schlosshof.at