Am besten völlig energieautark

Trends. Welchen Stellenwert das Thema Nachhaltigkeit auf dem Gewerbeimmobilienmarkt genießt, zeigt sich unter anderem am Konferenzprogramm der Expo Real. Künftige Strategien bei der Stadtentwicklung spielen ebenfalls eine Rolle.

Wer das Foyer des Raiffeisen-Hauses Wien, RHW 2, betritt, bekommt auf multimediale Art die Energieflüsse des Gebäudes in Echtzeit dargestellt. Energieflüsse, auf die man in dem 2012 fertiggestellten, knapp 80 Meter hohen Zubau an das bestehende Raiffeisen-Haus am Wiener Donaukanal stolz ist. Schließlich handelt es sich um das weltweit erste Passivbürohochhaus und ein internationales Vorzeigebeispiel für Klimaschutz bei Gewerbeimmobilien. Die Highlights des Gebäudetechnikkonzepts sind ein Mix aus Fotovoltaik, Kühlung über das Donaukanalwasser, Erdwärmenutzung, Bauteilaktivierung, Kraft-Wärme-Kälte-Kopplung mittels Biogas sowie eine 11.000 Quadratmeter große Klimafassade. „Mit den von uns und den Architekten geplanten Maßnahmen gelingt eine Reduktion des Energieverbrauchs von über 50 Prozent gegenüber vergleichbaren Bürobauten mit konventioneller Haustechnik“, erklärt Wolfgang Vasko vom Projekt-Generalkonsulent Vasko+Partner. Noch schwieriger als ein neues Gebäude nachhaltig zu errichten, ist es, ein älteres Gebäude in Richtung umweltfreundliches Bauwerk umzuformen. Gelungen ist das – ebenfalls im Vorjahr – dem Bauherrn Ariel Muzicant beim Mode- und Textilgroßhandelscenter St. Marx (MGC).

Dank des Austausches der kompletten Fassade sowie der Heizung und Kühlung über Fernwärme beziehungsweise über Grundwasser, ist das MCG nach seinem Umbau das erste Bestandsgebäude, das mit dem international renommierten DGNB Goldzertifikat nach ÖGNI (Österreichische Gesellschaft für Nachhaltige Immobilienwirtschaft) ausgezeichnet wurde. „Eine grüne Zertifizierung ist heutzutage ein Muss für internationale Kunden“, meint Muzicant. Zudem sei das MGC ein Beweis, dass auch die aufwendigere Bestandssanierung zu einer umfassenden Nachhaltigkeit führen kann.

Investoren favorisieren „grüne“ Objekte

Belohnt werden solche Anstrengungen mit überdurchschnittlicher Wertentwicklung. „Im Fokus der Investoren stehen hochwertige und nachhaltig konzipierte, zentral gelegene Einzelhandels- und Büroimmobilien. Nachhaltige Sanierung und Refurbishment werden dabei als derzeit dynamischstes Geschäftsfeld des Gewerbeimmobilienmarktes angesehen“, heißt es etwa in einer im Sommer dieses Jahres erschienenen Studie der Deutschen Hypothekenbank.

Welchen Stellenwert das Thema mittlerweile in der Branche genießt, zeigt auch das Konferenzprogramm der diesjährigen Expo Real in München. „Energetische Gebäudesanierung im Bestand“, „Reduktion des Energieverbrauchs durch Projektentwickler und Investoren“ oder „Nachhaltige Unternehmensführung“ sind nur einige der einschlägigen Konferenzblöcke der internationalen Leitmesse. Daneben geht es aber auch allgemeiner um künftige Stadtentwicklungsstrategien. So wird etwa unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit auch das Schlagwort „Intelligent Urbanization“ aufgegriffen, das seit Jahren immer stärker in den Fokus rückt. Geschuldet ist dies dem Megatrend der Urbanisierung. Laut Berechnungen der Vereinten Nationen werden im Jahr 2030 zwei Drittel der Weltbevölkerung in Städten leben. Diese historisch beispiellose Verdichtung von Menschen-, Ressourcen-, Waren- und Kapitalströmen geht einher mit gewaltigen Herausforderungen für die zukünftigen städtischen Infrastrukturen. Lösungen der nachhaltigen Stadtentwicklung und der zukunftssicheren Stadtplanung tun in diesem Licht immer dringlicher Not. Intelligente Energiekonzepte, Mobilität, Planung und Verwaltung sowie Wirtschaft – so lauten die vier zentralen Handlungsfelder auf dem Weg zur nachhaltigen Stadt, wenn es nach dem 2013 vom Bundesdeutschen Arbeitskreis für umweltbewusstes Management und dem Consultingunternehmen Accenture initiierten Report „Intelligent Cities“ geht.

Gesucht: Die smarte Stadt

Städte und Kommunen müssten die Potenziale innovativer Technologien konsequent und systematisch erschließen, fordert darin Alexander Holst, Accenture Managing Director of Sustainability Services für Deutschland, Österreich und die Schweiz. „Sie müssen Vernetzung fördern, damit Entwicklungspartnerschaften bei den Stakeholdern aus Wissenschaft, Unternehmen, öffentlicher Hand, privaten Investoren und Bürgern entstehen.“ Erst damit könne eine Grundlage geschaffen werden, damit Informationen für schnellere Entscheidungen und effizientere Abläufe bei allen Beteiligten verfügbar seien.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.10.2013)

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