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Oslo soll Chemiewaffen Assads vernichten

(c) EPA (YOUSSEF BADAWI)
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UN-Experten haben den Prozess zur Zerstörung der Waffen eingeleitet. Die USA und Russland baten Norwegen dabei um Hilfe.

Wien/Oslo/Damaskus. „Heute ist der erste Tag der Zerstörung“, erklärte ein Chemiewaffenexperte. Raketensprengköpfe, Bomben, mobile und stationäre Anlagen zur Herstellung von Chemiewaffen werden seit gestern in Syrien vernichtet. Rund 1000 Tonnen Nervengas und Chemikalien zur Produktion chemischer Waffen in Syrien müssen laut UN-Resolution 2118 bis Mitte 2014 komplett erfasst und vernichtet sein. Wie nun bekannt wurde, soll Norwegen dabei eine Schlüsselrolle spielen: Sowohl die USA wie Russland und UN-Vertreter wurden am Rande der UNO-Vollversammlung in New York wegen Hilfestellung bei der Vernichtung der Giftgasarsenale des Assad-Regimes vorstellig. Das bestätigte die Regierung in Oslo an diesem Wochenende.

Die Anfrage sei so konkret gewesen, dass das norwegische Militär bereits beauftragt wurde, geeignete Plätze für die Operation ausfindig zu machen, berichtete der Fernsehsender NRK. Laut Experten ist Norwegen eine logische Wahl: Das Land ist politisch stabil, reich genug, um den Einsatz zu finanzieren, verfügt über die bei dem Projekt notwendigen massiven Wasservorkommen – und steht im Ruf, nie Nein zu sagen, wenn die Vereinten Nationen um Hilfe bitten.

Wegen Art und Ausmaß des Beitrags befinde sich Norwegen „im Dialog“, erklärte Ministerpräsident Jens Stoltenberg. Erna Solberg, die nächste Woche die Regierungsgeschäfte übernimmt, sagte, dass noch kein Beschluss gefasst sei, betonte jedoch: „Wenn die UNO etwas für wichtig hält, dann stellen wir uns nicht dagegen.“

Die Chemiewaffen sollen auf landesweit 45 Standorte verteilt sein. Norwegen selbst verfügt zur Vernichtung der Waffen nicht über die geeignete Technik, könnte jedoch von den USA mit mobilen Anlagen versorgt werden, berichtet NRK. Einige Gase und Chemikalien seien aber so gefährlich, dass sie in Syrien selbst zerstört werden müssen, berichtete NRK. Das gelte auch für Waffen mit Sprengköpfen.

 

Assad: Österreich „objektiv“

Syriens Machthaber Bashar al-Assad bestritt in einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin „Spiegel“ erneut Giftgasangriffe auf Zivilisten und die bewaffnete Opposition. Gleichzeitig zeigte er sich offen für eine Vermittlerrolle Deutschlands: „Ich würde mich freuen, wenn Gesandte aus Deutschland nach Damaskus kämen, um mit uns über die wahren Verhältnisse zu sprechen“, so Assad. Er lobte Deutschland und Österreich, die noch den „objektivsten Blick“ auf die Geschehnisse in der Region hätten und aus seiner Sicht am ehesten zu erfassen schienen, „was Realität ist“.

Der Bürgerkrieg in Syrien, der bisher mehr als 100.000 Menschenleben forderte, tobt unvermittelt weiter. Bei einem Granatenangriff auf ein christliches Stadtviertel in Damaskus sind am Sonntag mindestens acht Menschen getötet und 24 verletzt worden. Auch eine Kirche wurde beschädigt, als der Angriff das Kassaa-Viertel traf. (gam./ag.)

AUF EINEN BLICK

Das internationale Expertenteam hat in Syrien mit den Arbeiten zur Vernichtung des Chemiewaffen-Arsenals begonnen. Die Vertreter der Organisation für ein Verbot von Chemiewaffen (OPCW) begannen am Sonntag mit der Feldarbeit, nachdem die Fachleute Vorbereitungstreffen mit Vertretern des syrischen Regimes beendet hatten. Norwegen könnte eine wichtige Rolle bei der Zerstörung spielen. Die USA und Russland haben das Land Berichten zufolge um Hilfe ersucht.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.10.2013)