Lehrerdienstrecht: Junglehrer demonstrieren für Neustart

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Bereits im September gingen die Junglehrer auf die StraßeDie Presse (Fabry)

400 Junglehrer warnten bei einem Protestmarsch in Wien vor einen Qualitätsverlust durch mehr Unterrichtsstunden und vor fachfremden Lehrern.

Rund 400 Personen sind am Montagabend dem Aufruf der "Initiative für ein faires LehrerInnendienstrecht" gefolgt und gegen die von der scheidenden Regierung auf den Weg gebrachte Reform auf die Straße gegangen. Bei einem Protestmarsch vom Hauptgebäude der Uni Wien zum Bundeskanzleramt forderte die von der Gewerkschaft unabhängige Junglehrer-Bewegung von der künftigen Regierung einen Neustart bei der Lehrerdienstrechtsreform.

"Mehr Unterrichtsstunden = weniger Zeit zum Vorbereiten = 'bestmöglicher Unterricht'?" wurde auf einem Schild die "SPÖ-Logik" kritisiert. Auf anderen Transparenten wurde "Gegen die Ausbeutung von JunglehrerInnen" mobil gemacht oder "Stop dem medialen Rufmord" an Lehrern gefordert. Elisabeth Denscher, Sprecherin der im Sozialen Netzwerk Facebook entstandenen Initiative, begründete das Engagement der Junglehrer und Unterrichtspraktikanten damit, dass "das Lehrerdienstrecht so auf keinen Fall kommen darf". Wenn man wirklich die mehr als 1700 Stellungnahmen, die zum Gesetzesentwurf eingegangen sind, einarbeiten wolle, "muss am Grundgerüst gerüttelt werden", forderte sie unter dem Applaus der Protestierenden.

"Bis zu 40 Prozent mehr Zeit in der Klasse"

Die geplante Erhöhung der Unterrichtsverpflichtung auf 24 Stunden würde in der Praxis bis zu sieben Stunden mehr in der Klasse bedeuten, verwies Denscher auf die Regelung, dass an AHS und berufsbildenden mittleren und höheren Schulen (BMHS) korrekturintensive Fächer derzeit höher bewertet werden und damit zu einer verringerten Unterrichtsverpflichtung von rund 17 Stunden führen. "Das bedeutet bis zu 40 Prozent mehr Zeit in der Klasse." Dazu kämen Unterrichtsvor- und -nachbereitung, Sprechstunden, Konferenzen, Projekttage, Erstellung von Unterrichtsmaterial und Gespräche mit Eltern und Schülern - das wären insgesamt 12 Stunden mehr pro Woche, rechnete sie vor. "Lehrer sein ist alles andere als ein Halbtagsjob, wir sind jetzt schon sehr ausgelastet!"

Dass das Unterrichtsministerium nur von einer Umschichtung der Arbeit ins Klassenzimmer spricht, ist für sie Hohn. "Wenn das keine Arbeitszeiterhöhung ist, dann ist das ein verdammter Qualitätsverlust", denn einsparen könnten Lehrer in Wirklichkeit nur bei Vor- und Nachbereitung. Sie warnte davor, dass der Plan der Regierung zu Überforderung, Burnout und Flucht aus dem Lehrerberuf führen würde. "Eine Arbeitszeiterhöhung bei gleichzeitigen Lohneinbußen - das geht auf gar keinen Fall."

Massive Kritik übte Denscher auch an dem Plan, dass Lehrer auch in Fächern eingesetzt werden sollen, für die sie nicht ausgebildet wurden. "Man sagt auch nicht einem Apotheker, er soll einen Zahn ziehen oder einem Tischler, er soll ein Dach decken oder einer Bankmanagerin, sie soll Bildungsministerin werden, weil dabei kann nichts rauskommen", setzte es auch eine Spitze gegen Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ), die mittlerweile ihren Rückzug aus der Politik angekündigt hat.

Scheidende Regierung konnte sich nicht einigen

Die scheidende Regierung hatte Mitte August ohne vorherige Einigung mit der Gewerkschaft einen Gesetzesentwurf in Begutachtung geschickt. Geplant ist darin etwa eine Erhöhung der Unterrichtsverpflichtung von derzeit 20 bis 22 auf 24 Stunden (wobei bis zu zwei Abschlagsstunden für Klassenvorstände, Mentoren sowie für Lernbegleitung und Schüler-bzw- Elternberatung vorgesehen sind), außerdem höhere Anfangsgehälter samt einer späteren Verflachung der Gehaltskurve, neue Regeln für Zulagen, verpflichtende Fortbildung für alle Lehrer, eine Neugestaltung des Berufseinstiegs sowie ein Aus für die Pragmatisierung. Gelten soll es nur für künftige Lehrer, die ab 2019/20 in den Job einsteigen. Die Lehrergewerkschaft erwartet durch die Reform Gehaltsverluste bis zu 500.000 Euro über das Berufsleben.

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