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Frankfurter Buchmesse Zur Bilanz: Nur noch 42 Prozent Bücher

Der Umsatz schrumpft, der Buchhandel sieht sich von der Digitalisierung bedroht.

"Es geht uns gut": Der Titel des mit dem deutschen Buchpreis gekrönten Romans von Arno Geiger wurde zur Parole der Frankfurter Buchmesse. Nach Jahren des Jammerns war wieder Aufbruchsstimmung angesagt. Zumindest von offizieller Seite. Hinter aufgeschlagenen Büchern hört man anderes. Mit Fakten lässt sich die Zuversicht auch nicht belegen: 6,2 Prozent weniger Umsatz als im August machte der Sortimentsbuchhandel im September, zwei Prozent weniger als im September 2004. Und ob es für die Buchmesse wirklich ein gutes Zeichen ist, wenn nur noch 42 Prozent der ausgestellten Waren Bücher sind?

Die Lage werde "zunehmend unberechenbar", meint die Wiener Kunstbuchhändlerin Lia Wolf. Einen gewissen Effekt erhofft sie sich von einem angekündigten Artikel einer New Yorker Zeitung über ihr "famous bookstore". Der US-Redakteur, der bei ihr recherchiert hat, will sie unter europäische Geheimtipps reihen. Zum Glück hat die in einem idyllischen Wiener Innenstadthof gelegene Buchhandlung neben schönen Büchern auch touristisch etwas zu bieten.

Was in Frankfurt auch eher ausgeblendet wurde, aber eine Art Dopplereffekt ergeben könnte, ist der Erfolg der digitalen Bücher. Noch schallt es leise und tief aus dem Netz, doch bald schon könnte es laut und schrill werden. So stolz war man bei den Hörbuchverlagen, die Fehler der Musikbranche nicht zu begehen und mit dem kostenpflichtigen Internet-Portal www.soforthoeren.de ein Modell geschaffen zu haben, das dem boomenden Hörbuchmarkt nicht schon beim ersten Aufspielen den Ton abdreht. Hörbücher zum Herunterladen, vor Raubkopien durch elektronisches Wasserzeichen geschützt, das war die Idee. Inzwischen entstehen fast täglich neue solche Download-Portale, und die Piraterie nimmt zu.

Ungewiss ist auch, wie die Klage des US-Verlegerverbands gegen die "Google-Bibliothek" ausgeht. Geklagt wurde auf Verletzung des Copyrights durch die Digitalisierung (und in der Folge Online-Verfügbarkeit) mehrerer Millionen Bibliotheksbücher. Pünktlich zur Buchmesse hat der Suchmaschinen-Betreiber das Projekt auch für Europa freigeschaltet. Es laufen deshalb zur Zeit intensive Gespräche der Buchhandelsverbände mit der Europäischen Kommission. Zum Optimismus gibt es aber auch hier kaum Anlass: Monatelange Verhandlungen in den USA führten nur zur Aussetzung des Projekts bis 1. November. Auch der Appetit des Verlagssauriers "Random House" (vulgo Bertelsmann) scheint noch nicht gestillt: An der Übernahme der Deutschen Verlags-Anstalt scheint die Kartellbehörde nichts auszusetzen zu haben. In der Münchner Königinstraße sieht man das gelassen: Das ehemalige Stuttgarter Verlagshaus wurde von der Eigentümerin "Frankfurter Allgemeine Zeitung" schon vor ein paar Jahren nach München transferiert und finanziell ausgehungert. Ob man jetzt noch in die Neumarkter Straße zu Random House übersiedeln müsse, sei unerheblich, so ein Verlagsangehöriger.

Und das Positive? Beim Kritikerempfang des Suhrkamp-Verlags kündigte Ulla Unseld-Berkwicz eine "Bibliothek Unseld" an, und diese werde, "entgegen anders lautenden Gerüchten, die ,Bibliothek Suhrkamp' nicht ersetzen". Und der Kärntner Verleger Lojze Wieser lobte einen "Großen Preis für Osteuropäische Literatur" aus, dotiert mit insgesamt 85.000 Euro. Er soll zehn Autorinnen und Autoren aus Zentral- und Osteuropa zu deutschsprachigen Übersetzungen verhelfen. Eine Jury unter Vorsitz des Präsidenten des internationalen P.E.N.-Klubs, Jiri Grusa, soll ihn alle zwei Jahre vergeben.