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Johann Gudenus: Migranten retten die SPÖ

Johann Gudenus, Straches Statthalter und FP-Klubchef in Wien
FPÖ: Migranten retten die SPÖ(c) Die Presse (Clemens Fabry)

Wiens FP-Klubobmann, Johann Gudenus, schließt im Interview mit der "Presse" (im Gegensatz zu FP-Chef Heinz-Christian Strache) eine schwarz-blaue Koalition mit Stronach nicht aus.

Die Presse: Die FPÖ hat österreichweit vier Prozentpunkte zugelegt. In Wien stagnierte sie mit +0,1 Prozentpunkten – dem geringsten Zuwachs aller Länder. Ein Mobilisierungsproblem?

Johann Gudenus: Vor der Wahl haben viele Medien berichtet, dass Frank Stronach uns viele Stimmen kosten wird. Aber wir haben zugelegt und gewonnen. Es ist auch in Wien ein erfreuliches Ergebnis.

 

Die FPÖ hat in mehr als der Hälfte der Wiener Bezirke ein Minus eingefahren. Gibt das der Parteiführung nicht zu denken?

Das Ergebnis lasse ich mir nicht schlechtreden. Wir waren auch in Wien Wahlsieger.

 

Selbst im 15.Bezirk, wo es den höchsten Ausländeranteil Österreichs gibt, fuhr die FPÖ minus zwei Prozentpunkte ein.

Das muss man in Ruhe analysieren. Einerseits sind mehr Parteien angetreten, BZÖ und Stronach kamen zusammen auf über fünf Prozent. Andererseits wird ein Faktor sein, dass wir im Vergleich zu 1999 einen hohen Anteil von neu Eingebürgerten aus dem türkisch-muslimischen Bereich haben.

Aber gerade in einem Bezirk mit hohem Ausländeranteil müsste die FPÖ Erfolge feiern.

Offenbar geht dort der geplante Wähleraustausch schon auf. Nämlich, dass Einbürgerungen jene Wähler kompensieren, welche der SPÖ in den vergangenen Jahren davongelaufen sind. Ein Thema sind auch die Wahlkarten.

 

Inwiefern?

Wir wissen, dass in Migrantenvereinen zentral die Wahlkarten bestellt werden. Und möglicherweise dort zentral ausgefüllt werden.

 

Haben Sie dafür Beweise?

Noch keine handfesten Beweise.

 

Ex-FPÖ-Justizminister Böhmdorfer hat Sie persönlich im TV scharf angegriffen – wegen Formulierungen im Wahlkampf. Böhmdorfer meinte, Ihre Bemerkungen seien ihm zuwider, das sei eine Katastrophe, die FPÖ stehe sich selbst im Weg.

Das ist nicht verwunderlich, wenn Böhmdorfer von Rudolf Fußi (ehemaliger Stronach-Berater, Anm.)im TV ein Zitat vorgeworfen bekommt, das aus dem „Profil“ stammt, das mich nicht ganz richtig zitiert hat. Es ist nicht so einfach, in einer Livesendung auf ein falsches Zitat zu reagieren.

War das Zitat jetzt falsch oder richtig?

So wie es Fußi behauptet hat, ist es nicht gesagt worden.

 

Sie haben angeblich gesagt: Jetzt komme der Tag der Abrechnung. „Knüppel aus dem Sack für illegale Ausländer und linke Schreier.“ Jetzt werde aufgeräumt in Österreich.

Es war nur eine Metapher von den Gebrüdern Grimm mit Tischlein deck' dich, Knüppel aus dem Sack. Das ist eine Analogie, wir wollen, dass der Rechtsstaat hart durchgreift, wenn Pakistani die Votivkirche besetzen.

Böhmdorfer hat nicht die Inhalte, sondern vor allem den Ton kritisiert – vor allem in Hinblick auf eine mögliche Regierungsbeteiligung. Werden die Töne jetzt zurückhaltender?

Ich sehe dafür keinen Bedarf. Es ist ein Unterschied, eine emotionale Wahlkampfrede zu halten oder am Verhandlungstisch zu sitzen. Und: Böhmdorfer spricht für sich – er ist kein Teil der FPÖ.

Apropos. Die FPÖ möchte in die Regierung: lieber mit der SPÖ oder mit ÖVP und Stronach?

Es gibt keine Vorlieben. Wir wollen nicht um jeden Preis mitregieren.

Sie schließen Schwarz-Blau-Stronach nicht aus?

Ich schließe niemanden aus, wir reden mit jedem. Es sollte aber eine stabile Regierung sein.

Wo würde die FPÖ keine Kompromisse machen? EU-Politik?

Bei mehr Zentralismus in der EU sind wir klar dagegen. Wir wollen, dass Österreich Kompetenzen von der EU zurückbekommt.

ZUR PERSON

Johann Gudenus (geb. 1976) ist seit 2010 Klubobmann der Wiener Freiheitlichen in Landtag und Gemeinderat und stellvertretender Bundesparteiobmann. Er absolvierte das Studium der Rechtswissenschaften in Wien und die Diplomatische Akademie Wien. Seine politische Karriere startete der Sohn des ehemaligen FPÖ-Politikers John Gudenus im Ring Freiheitlicher Jugend (RFJ), später wurde er Bezirksrat – erst am Alsergrund, später auf der Wieden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.10.2013)