Wer glaubt denn an ein Gottesteilchen?

„Erstens bin ich Atheist. Zweitens ist mir bewusst, dass der Name als Witz gemeint war – und zwar kein besonders guter, wie ich finde.“

„Erstens bin ich Atheist. Zweitens ist mir bewusst, dass der Name als Witz gemeint war – und zwar kein besonders guter, wie ich finde.“ So reagierte Peter Higgs, dem gestern der Physiknobelpreis zuerkannt wurde, einmal auf ein Wort, das man auch heute gewiss in vielen Blättern liest: Gottesteilchen.

So nennen manche das bestürzend kurzlebige Elementarteilchen, dessen Existenz Higgs vor fast 50Jahren postuliert hat, das seither seinen Namen trägt und das vor gut einem Jahr in der riesigen Maschine eines Teilchenbeschleunigers in Genf nachgewiesen wurde, zumindest mit hoher Wahrscheinlichkeit.

Es soll aller Materie ihre Masse verleihen, auch das wird man heute da und dort lesen, und auch das ist nicht wahr, so einfach ist die Physik nicht. Sie ist eine Naturwissenschaft, sie tappt mühsam von Erkenntnis zu Erkenntnis, sie beansprucht keine absoluten oder ewigen Wahrheiten, sie eignet sich schlecht als Pseudotheologie, sie kann und will mit all ihrem Wissen den Glauben nie ersetzen, sie ist grundsätzlich agnostisch.

Gerade der Verzicht auf die Anmaßung, alles erklären zu können, die ganze Welt und womöglich auch Gott, hat ja den Siegeszug der Naturwissenschaften ermöglicht. Diesen dürfen wir auch heute wieder feiern: Zum Wohl, Professor Higgs, auf Sie und Ihr Teilchen! Und bleiben wir bei Higgs-Boson, das ist ein viel besserer Name als Gottesteilchen.

thomas.kramar@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.10.2013)

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