Roland Berger gehen die Interessenten aus - Absage auch von PwC

Fusion der Unternehmensberatung könnte zum zweiten Mal in drei Jahren scheitern.

Eine Fusion der Münchener Unternehmensberatung Roland Berger mit einer großen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft droht zum zweiten Mal in drei Jahren zu scheitern. Der Deutschland-Chef von PricewaterhouseCoopers (PwC), Norbert Winkeljohann, erteilte dem Beratungshaus am Dienstag in Frankfurt eine Absage: "Wir wollen im Consulting wachsen, führen aber derzeit keine Gespräche mit Berger und haben auch keine entsprechenden Pläne." PwC war neben Deloitte und EY (früher Ernst & Young) als Anwärter auf eine Übernahme von Roland Berger gehandelt worden.

Deloitte-Deutschland-Chef Martin Plendl hatte bereits Ende September gesagt, die Gespräche mit Roland Berger lägen auf Eis. Für einen Schulterschluss müsse die Bereitschaft zu Integration und Zusammenarbeit gegeben sein, zitierte die "Börsen-Zeitung" Plendl. Roland Berger pocht in den Verhandlungen auf den Erhalt seiner Selbstständigkeit in einem größeren Konzern. Die Partner fürchten, dass der Markenname und die Organisation sonst binnen kurzem verschwindet. Daran waren die Verhandlungen mit Deloitte schon vor drei Jahren gescheitert. Für Unsicherheit in der Branche sorgen auch die Vorstöße der EU, Beratungsleistungen und die Abschlussprüfung aus einer Hand bei einem Unternehmen zu verbieten.

EY und Roland Berger wollten sich am Dienstag nicht zum Stand der Verhandlungen äußern. Im Umfeld von Berger hieß es aber, es liefen weiter Verhandlungen. Die Partner der Unternehmensberatung treffen sich kurz vor Weihnachten zu ihrem regelmäßigen Treffen. Spätestens dann soll eine Entscheidung fallen. Bereits im Sommer hatte der an die Spitze zurückgekehrte Vorstandschef Burkhard Schwenker gesagt, die Eigenständigkeit bleibe eine Option.

Für PwC war die Unternehmensberatungssparte im Geschäftsjahr 2012/13 (Ende Juni) eines von zwei Wachstumsfeldern. Mit einem Plus von zwölf Prozent in der Steuer- und Rechtsberatung und einer um vier Prozent gestiegenen Gesamtleistung in der Beratung verhinderte PwC Deutschland eine Stagnation des Geschäfts. Denn die Wirtschaftsprüfung, die noch 44 (2011/12: 46) Prozent zum Umsatz beiträgt, trat auf der Stelle. Der Wettbewerbsdruck sei hoch, sagte Winkeljohann. "Aber ich bin der Auffassung, dass die Talsohle auch im Prüfungsbereich durchschritten ist." PwC prüft zehn der 30 Dax-Unternehmen. 2013/14 soll das Geschäft von starken Zuwächsen in der Steuerberatung profitieren und weiter wachsen.

Bei Neueinstellungen hält sich PwC aber erneut zurück. Nur noch 800 Hochschulabgänger sollen in diesem Jahr eingestellt werden, 2012/13 waren es 1.100. Die Mitarbeiterzahl stagnierte bei 9.300. Hier schlage sich unter anderem die Verlagerung von einfachen Dienstleistungen ins polnische Kattowitz nieder, erklärte Winkeljohann.

(APA)


Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.