Das Staatsoberhaupt wünscht sich vom SPÖ-Chef "gute und sachliche Verhandlungen" sowie einen "fairen Umgang" mit den Gesprächspartnern.
Bundespräsident Heinz Fischer hat SP-Chef Werner Faymann m Mittwoch in der Hofburg den Auftrag zur Regierungsbildung erteilt. "Es ist ein Faktum, dass die stimmenstärkste und zweitstärkste Partei eine stabile Mehrheit an Mandaten haben", bekräftigte das Staatsoberhaupt dabei seinen Wunsch nach einer großen Koalition. Weiters bat er um "gute und sachliche Verhandlungen" sowie einen "fairen Umgang" der Verhandlungspartner miteinander.
Faymann unterstrich, dass er VP-Obmann Michael Spindelegger zu Verhandlungen einladen werde. Angesprochen darauf, dass sich die ÖVP noch nicht auf eine Koalition mit der SPÖ festlegen wollte, meinte Faymann, er respektiere, dass der Partner einen anderen Weg gehe, der aber in die selbe Richtung führe, wie er hoffe. Mit Blick auf eine mögliche Zusammenarbeit mit der FPÖ, betonte Faymann neuerlich: "Ich habe keine blauen Karten unter dem Tisch versteckt." Eine Koalition mit den Blauen werde es mit ihm folglich nicht geben.
Die Verhandlungen will der Budneskanzler "ohne Bedingungen, die als Erpressung gedeutet werden können", aber "mit fester Haltung" führen. Den Koalitionsvertrag sieht er als "Rahmenvertrag", der eine bestimmte Richtung vorgibt, nicht als "Kochrezept". "Ich unterschätze und überschätze den Koalitionsvertrag nicht", meinte Faymann. Beide Parteien müssten "kompromissbereit im positiven Sinne für das Land" sein.
Eine Urabstimmung über den Koalitionsvertrag lehnte der SPÖ-Chef ab. Der Bundesparteivorstand werde nach einer ausführlichen Diskussion die Abstimmung über den "Rahmenvertrag" vornehmen. Die Zusammensetzung des Teams für die Regierungsverhandlungen werde der Bundesparteivorstand am Montag beschließen. Ebenso wie eine Urabstimmung lehnte Faymann dann auch den Gang in die Opposition ab, denn das hieße, eine FPÖ-ÖVP-Team Stronach-Regierung in Kauf zu nehmen, warnte er.
"Sehr geehrter Herr Bundeskanzler!
I. Die Nationalratswahlen vom 29. September 2013 haben ergeben, dass die beiden bisherigen Regierungsparteien, nämlich SPÖ und ÖVP, zusammen 50,8 % der Stimmen und die vier anderen Parlamentsparteien, nämlich FPÖ, GRÜNE, Team Stronach und Neos zusammen 43,6 % der Stimmen erreicht haben. Was den Mandatsstand betrifft, werden die bisherigen Regierungsparteien SPÖ und ÖVP in der kommenden Gesetzgebungsperiode zusammen über 99 Mandate (also über eine absolute Mehrheit) verfügen, während alle anderen Parteien zusammen über 84 Mandate verfügen. An der Reihenfolge der drei stimmen- und mandatsstärksten Parlamentsparteien, nämlich SPÖ (26,8 %), ÖVP (24,0 %) und FPÖ (20,5%), hat sich nichts geändert.
II. Unter Bedachtnahme auf dieses Wahlergebnis betraue ich Sie, sehr geehrter Herr Bundeskanzler Faymann, als den Vorsitzenden der stimmen- und mandatsstärksten Partei, mit der Erstattung von Vorschlägen für die Bildung einer neuen Bundesregierung im Sinne des Art. 70 Abs. 1 der Bundesverfassung.
III. Die von Ihnen zu bildende Bundesregierung wird auch die Aufgabe haben, den Ursachen des Ergebnisses der jüngsten Nationalratswahl auf den Grund zu gehen und daraus die erforderlichen Konsequenzen zu ziehen. Das betrifft sowohl den Stil der Regierungsarbeit als auch die Durchsetzungsfähigkeit bei wichtigen Reformprojekten. Darüber hinaus sollen die Oppositionsfraktionen im Parlament in den Prozess der politischen Willensbildung in bestmöglicher Weise eingebunden werden. Die zu bildende Bundesregierung muss auch bereit und in der Lage sein, Österreichs Rolle im europäischen Integrationsprozess in umfassender Weise wahrzunehmen und darauf hinzuarbeiten, dass österreichische und europäische Interessen in ihrer Gesamtheit und in ihrer wechselseitigen Bedingtheit gesehen und bearbeitet werden. Ich bin überzeugt, dass es im Interesse unseres Landes und der künftigen Bundesregierung gelegen ist, die Regierungsverhandlungen zügig zu führen und abzuschließen.
IV. Ich darf um regelmäßige Berichterstattung über den Stand der Regierungsverhandlungen ersuchen und wünsche Ihnen für die mit diesem Auftrag verbundenen Bemühungen den besten Erfolg. Ich bleibe mit besten Wünschen und mit freundlichen Grüßen,
Bundespräsident Dr. Heinz Fischer"
Alles deutet auf eine Neuauflage von Rot-Schwarz. Fix ist für diesen Fall, dass die Bundesregierung um zwei Posten verkleinert wird. Das haben Bundeskanzler Werner Faymann und Vizekanzler Michael Spindelegger versprochen. Wer vermutlich bleibt, wer das Ressort wechselt und wer gehen muss.Von Karl Ettinger und Thomas Prior (c) REUTERS (HEINZ-PETER BADER)
Michael Spindelegger (ÖVP) wird jedenfalls Vizekanzler bleiben. Darüber hinaus stellt sich ihm die Frage: Außenminister bleiben? Oder doch Finanzminister werden? Für Zweiteres sprechen die Umstände: Die Euro-Krise, in der Europas Finanzminister eine beinahe ebenso wichtige Rolle wie die Regierungschefs eingenommen haben, ist noch nicht ausgestanden. Spindelegger würde stärker in den Mittelpunkt der öffentlichen Wahrnehmung rücken – und könnte im Inland sein sachpolitisches Profil schärfen. (c) APA/GEORG HOCHMUTH (GEORG HOCHMUTH)
Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) könnte zur Unterrichtsministerin aufzusteigen. Dem Vernehmen nach soll sie die Bildungsagenden von Claudia Schmied übernehmen, die in der Vorwoche ihren Rückzug aus der Politik bekannt gegeben hat. Frauenministerin dürfte Heinisch-Hosek auf eigenen Wunsch aber bleiben. Dafür müsste sie jedoch den öffentlichen Dienst abgeben – möglicherweise an Josef Ostermayer. GEPA
Sebastian Kurz (ÖVP) wird ziemlich sicher vom Integrations-Staatssekretär zum Minister aufsteigen. Dabei gibt es allerdings mehrere Möglichkeiten. Michael Spindelegger sähe Kurz gerne in einem Zukunftsministerium, das die Bereiche Bildung (samt Wissenschaft) und Generationen beinhaltet. In dieser Form dürfte das mit der SPÖ allerdings nicht machbar sein. Alternativ könne Kurz auch Außenminister werden – wenn Spindelegger ins Finanzministerium wechselt. Dabei würde er die Integrationsagenden wohl auf den Minoritenplatz mitnehmen. Alternativ wurde in den vergangenen Tagen auch Staatssekretär Reinhold Lopatka als nächster Außenminister genannt. APA
Josef Ostermayer (SPÖ), Medien-Staatssekretär und Werner Faymanns engster Vertrauter, könnte – nach deutschem Vorbild – zu einem Kanzleramtsminister aufgewertet werden. Die Medienpolitik würde ihm erhalten bleiben. Hinzu kämen der öffentliche Dienst (von Gabriele Heinisch-Hosek) und die Kulturagenden (aus Claudia Schmieds Unterrichtsministerium). APA
Rudolf Hundstorfer (SPÖ) soll nicht nur Sozialminister bleiben, sondern auch Gesundheitsminister werden. Der Hintergrund: Beide Parteien haben versprochen, zumindest ein Ressort einzusparen. Bei der SPÖ böte sich das Gesundheitsministerium an: Es könnte relativ problemlos in das Sozialministerium eingegliedert werden. APA
Maria Fekter (ÖVP) läuft Gefahr, ihren Job zu verlieren. Das hat einerseits pragmatische Gründe: Michael Spindelegger tendiert dazu, ins Finanzministerium zu wechseln – und als Parteichef kann er sich das Ressort nun einmal aussuchen. Zum anderen gilt Fekter vor allem in diplomatischen Kreisen als „Sicherheitsrisiko“: Mit unbedachten Aussagen hat sie des Öfteren schon für Verstimmungen im Brüssel gesorgt. Alternativ könnte Fekter anstelle von Fritz Neugebauers Zweite Nationalratspräsidentin werden. Oder ÖVP-Klubchefin. Dann müsste Karlheinz Kopf seinen Platz räumen. APA
Reinhold Mitterlehner (ÖVP) könnte Wirtschaftsminister bleiben, Finanzminister werden (wenn sich Spindelegger entschließt, doch Außenminister zu werden) oder aus der Regierung ausscheiden. Alles scheintz möglich. Doch dafür gibt es einen Grund: Auch die ÖVP hat versprochen, ein Ressort einzusparen. Zur Debatte steht, Wirtschafts- und Wissenschaftsministerium zu fusionieren. Als zuständiger Minister wäre Mitterlehner natürlich eine Option. Allerdings kämen auch Sebastian Kurz und Karlheinz Töchterle für diesen Job infrage. Fabry
Karlheinz Töchterle (ÖVP) hat auch keine Garantie, im Amt zu bleiben. Vielleicht bleibt er Wissenschaftsminister, vielleicht bekommt er – siehe oben – die Wirtschaft dazu. Wobei das eher unwahrscheinlich ist: Wenn es zu einer Fusion der Ministerien kommt, wird sich Töchterle wohl verabschieden müssen. APA
Nikolaus Berlakovich (ÖVP), bisher Landwirtschafts- und Umweltminister, gilt als erster Ablösekandidat. Der Bauernbund möchte jedenfalls wieder einen Bauernvertreter im Landwirtschaftsressort: Die größten Chancen werden dem Niederösterreicher Stephan Pernkopf eingeräumt. Um eine Zustimmung der westlichen Bundesländer zu sichern, könnte ein Westösterreicher zum Zug kommen. Fabry
Alois Stöger (SPÖ) möchte zwar als Gesundheitsminister im Amt bleiben, um die Gesundheitsreform fortzusetzen. Die Chancen sind allerdings gering, weil eine Fusion mit dem Sozialressort bevorsteht. Ein Wechsel Stögers in die oberösterreichische Landesregierung ist allerdings fraglich, weil die SPÖ-Landesriege dann weiter ohne Frau in der Regierung auskommen müsste. APA
Beatrix Karl (ÖVP) wird ihr Amt als Justizministerin, das die Steirerin nach dem Wissenschaftsressort erst seit April 2011 innehat, räumen müssen. Als ein Signal für die Erneuerung möchte die SPÖ einen Parteifreien, möglicherweise auch wieder eine Frau, im sensiblen Justizressort installieren, die ÖVP winkt allerdings ab. Als wahrscheinlichste Variante für Karls Zukunft gilt eine Rückkehr in die Steiermark. APA
Die SPÖ-Führung ist bemüht, die Basis vor den Koalitionsgesprächen zu beruhigen. Manche Funktionäre wollen das Finanzministerium nicht einfach der ÖVP überlassen.
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