Andreas Vitásek hat jetzt ein Haus im Burgenland!

Andreas Vitásek
Andreas Vitásek(c) Die Presse (Clemens Fabry)
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Im Wiener Rabenhof enttäuschte das Kabarettstück „Sekundenschlaf“ mit Andreas Vitásek, aber das Publikum überraschte.

Alt ist er geworden, der Vitásek, manchmal bieten ihm die jungen Leute schon einen Sitzplatz in der U-Bahn an, aber die hören ja auch lauten Death Metal und wollen Autogramme nur für ihre Mütter. Längst steht er nicht mehr an der Bar des Europa, seine Thomapyrin-Jahre sind vorbei, er wohnt im Botschaftsviertel, hat einen Mops, den alle anderen Hunde hassen, und ein Häuschen im Südburgenland. Das muss er aber erst renovieren, im Gegensatz zu seiner Frau, die kann sich selber herrichten, sagt er. Ja, er hat sogar zu grillen begonnen, und manchmal, wenn er sentimental ist, und das ist er immer öfter, denkt er zurück an die Zeiten, als es noch Paternoster gab, Bankbeamte, Stockautobusse und den „Brockhaus“...

All das erzählt er uns, der Vitásek, meistens im Stehen, vielleicht hätte ihm jemand im Publikum einen Sitzplatz anbieten sollen. Er plaudert und plaudert, er kommt vom Hundertsten ins Tausendste und bleibt doch immer bei sich selbst, bei diesem alt gewordenen Vitásek, der nicht zwider, aber leider, man muss es sagen, nicht so interessant ist, wie er glaubt. Und ob er über das Wesen der Zeit, Woody Allen, den Mythos von Sisyphos oder die Finanzkrise plaudert, es fehlt die Tiefe. Ja, wir wissen, das Leben ist ein Traum und zu schnell vorbei, aber das haben wir schon besser formuliert gehört. Die halbwegs charmante Geschichte vom verlorenen Herzen läuft dann doch nur auf das wiederholte Wortspiel hinaus, dass ein Mensch ohne Herz herzlos sei. Na ja. Besser als die detaillierte Erzählung vom Durchfall im Auto.

Andreas Vitáseks Rezept war immer, dass er damit spielt, dass hinter all dem Geplauder und Gescherze, das ihm locker von den Lippen perlt, etwas Tiefes stecken könnte, ein Abgrund, zumindest ein kleiner, ein Abgründerl sozusagen. Auch diesmal versucht er dieses Spiel, diesmal spricht er nicht mit dem Tod, sondern – im jeweils letzten Sketch der beiden Hälften – mit dem Teufel und seinem Schutzengel. Aber diesmal sind auch diese Dialoge so flach, dass die Virtuosität, die sich Vitásek – trotz Verzicht auf seine einst so gut eingesetzten pantomimischen Fähigkeiten – erhalten hat, nichts hilft.

Ein enttäuschender Abend, an dem vor allem verwunderte, über welche abgedroschenen Pointen und G'schichten das Publikum lauthals zu lachen imstande war.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.10.2013)

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