In Deutschland provoziert eine Empfehlung für den Umgang mit Wiederverheirateten Diskussionen. Der Papst hat zuletzt Barmherzigkeit für gescheiterte Ehepaare verlangt.
Wien. „Ich hoffe, dass es eindeutige Signale gibt, dass uns Wiederverheiratete willkommen sind.“ Renate Moser von der Plattform für Geschiedene und Wiederverheiratete in der Kirche (Wige) Wien setzt voll auf Franziskus. Der Papst hat zuletzt Barmherzigkeit für gescheiterte Ehepaare verlangt und für Oktober nächsten Jahres eine Zusammenkunft von Bischöfen aus aller Welt zum Thema Familie einberufen.
Derzeit sorgt in der Weltkirche ein Ratgeber der deutschen Erzdiözese Freiburg für Diskussionen. Darin werden Rahmenbedingungen für die Möglichkeit des Kommunionempfangs und (sogar) der Segensfeier bei einer zweiten zivilrechtlichen Ehe skizziert. Und in der Erzdiözese Wien? Wie sieht da die Praxis aus?
Wien hat bereits seit dem Jahr 2007, neu aufgelegt vor eineinhalb Jahren, eine ähnlich Handreichung für Priester im Umgang mit dem Problem. Ohne dass es darüber große öffentliche Debatten gegeben hätte. Eigentlich ist es laut Kirchenrecht Geschiedenen, die staatlich noch einmal heiraten, verboten, Sakramente zu empfangen – dazu zählen nicht nur die Kommunion, sondern auch Beichte oder Krankensalbung. Eigentlich dürfen sie auch kein Patenamt übernehmen (weder bei Taufe noch bei Firmung). Eigentlich dürften Religionslehrer nicht mehr unterrichten.
Verbot wird unterlaufen
In der Praxis werden diese Verbote aber mehr oder weniger offen von der Mehrzahl der österreichischen Priester unterlaufen. Moser zur „Presse“: „Es ist eine Grauzone. In einem großen Teil der Pfarren wird der Umgang mit Betroffenen sehr gut praktiziert, in einzelnen Pfarren wird nicht gefragt, ob jemand geschieden ist, und selbst wenn, ist es kein Problem. Es gibt aber auch konservative Priester, die sehr unbarmherzig agieren und Leute vertreiben.“ Noch heißt es warten – warten, ob Rom die Regeln lockert.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.10.2013)