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Das war Frank Stronach

Frank Stronach
Frank Stronach(c) APA/ROBERT JAEGER (ROBERT JAEGER)
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Der Parteigründer werde sich nun „langsam zurückziehen“, sagt die geschäftsführende Parteiobfrau, Kathrin Nachbaur. Was von „Frank“ bleibt.

„Frank“ – so viel Vorname war seit „Jörg“ nicht mehr. Beide ließen ihn großflächig plakatieren, den Vornamen. Doch während der eine, Jörg Haider, nur jene, die das wollten – und das waren viele – mit Du ansprach, machte der andere, Frank Stronach, keine Gefangenen und redete jeden per Du an, egal, ob demjenigen das gefiel oder nicht.

Diese hemdsärmelige, amerikanische Masche war neu im hiesigen Politik-Business. Von Selbst- und sonstigen Zweifeln nicht gerade angekränkelt, ging ein enthusiastischer Frank Stronach daran, die heimische Politlandschaft umzupflügen. Er kam allerdings nur bis zur 5,7-Prozent-Wegmarke, dann bog er wieder Richtung Kanada ab.

Frank Stronach werde sich nun langsam aus der Partei zurückziehen, ließ seine Statthalterin in Österreich, Kathrin Nachbaur, jetzt via „Newsletter“ wissen. Sein Nationalratsmandat werde er aber annehmen. Und der Partei auf wirtschaftlichem Gebiet weiterhin mit Rat und Tat zur Seite stehen.

Nachgerade euphorisch war Frank Stronach gewesen, als er vor einem Jahr seine neue Partei aus der Taufe hob: „Dieser 27. September wird in die Geschichte Österreichs und auch in die Geschichte der Welt eingehen“, prophezeite er. In die Annalen der österreichischen Innenpolitik ging er zweifellos ein, aber nicht in dem Maße, wie sich der 81-Jährige das vorgestellt hatte.

Bei der niederösterreichischen Landtagswahl im Frühjahr 2013 – Stronach war selbst Spitzenkandidat – kam sein Team auf ansehnliche 9,84Prozent, in Kärnten gar auf 11,18Prozent. Doch Frank Stronach war enttäuscht. Es sollten 3,36Prozent in Tirol und 8,34Prozent in Salzburg folgen. Zufrieden war Stronach auch damit nicht. Er setzte seine Hoffnungen auf die Nationalratswahlen – und auch diese wurden enttäuscht.

Die allgemein rezipierte Analyse lautet: Die TV-Auftritte im Wahlkampf hätten Frank Stronach zunehmend geschadet. Allerdings: Sie waren nicht viel schlechter, wenn nicht sogar besser als jene in den „ZiB2“-Sendungen des Vorjahres. Und sein Auftritt in der ORF-„Wahlfahrt“ bekam fast Kultcharakter. Allerdings hat er sich die gute Nachrede, authentischer als die anderen Kandidaten zu sein, gleich auch selbst wieder ruiniert: Indem er vor laufenden Kameras eine „Todesstrafe für Berufskiller“ erfand.

Die an sich richtigen Ansätze – keine neuen Schulden, ein ausgeglichenes Budget, mehr Hausverstand in der Politik – wurden von seinem erratischen Auftreten konterkariert. Die ständige Wiederholung der immer gleichen Floskeln – Wahrheit, Transparenz und Fairness seien hier als Beispiele genannt – langweilte das Publikum mit der Zeit. Stronach hat es nicht geschafft, seine Wirtschaftskompetenz in ein politisches Programm zu gießen. Die Forderung „Jedem Land sein eigener Euro“ war eher Voodoo-Ökonomie. Und die Personalpolitik war schlicht eine Katastrophe: In Tirol wusste man tagelang nicht, wer nun eigentlich die offizielle Liste Stronach anführt. Vom derzeitigen Chaos gar nicht zu reden. Viele, die sonst keine Chance hatten, versuchten ihr Glück beim Team Stronach. Und dort war man froh über jeden Neuzugang – vor allem über fünf Parlamentsmandate für einen eigenen Klub. Die Eignung wurde erst später hinterfragt.

 

Die Gnade und das Geld

Stronach selbst vergab seine Gunst nach Gutsherrenart und entzog sie auch wieder. Seine Funktionäre himmelten ihn an und warfen sich in den Staub, wenn sie in Ungnade gefallen waren. Doch irgendwann, nach dem enttäuschenden Wahlergebnis und der Rückforderung seines Geldes, war dann auch für diese Schluss mit (halb-)lustig.

Da war der „Frank“ dem „Jörg“ dann doch wieder sehr ähnlich.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.10.2013)