Worauf Škoda-Fans lang gewartet haben, ist der tschechische Angriff in der Golf-Klasse. Aber kann der Rapid Spaceback ebenso glänzen wie der größere Octavia?
Es heißt, am dringlichsten hätten die Škoda-Oberen darauf gewartet, endlich loslegen zu dürfen – in der Kompaktklasse, dem größten Pkw-Segment in Europa. Es ist den Tschechen bislang verwehrt geblieben. Was haben sie sich dafür nun einfallen lassen?
Zunächst scheint es, als hätte man die VW-Tochter Škoda nicht ohne kleines Handicap auf den Weg geschickt: Ein eigener, kräftiger Name für das Kompaktmodell wäre offenbar zu viel der Ehre gewesen, so bleibt nur die verbale Verästelung, der Auftritt als Derivat: Škoda Rapid Spaceback. Dabei erwartet man sich bei uns – sprich Westeuropa– 90Prozent der Verkäufe vom Spaceback, nur zehn für den normalen Rapid, die Limousine. Egal, an den Qualitäten des Autos soll das nicht rütteln. Wo liegen sie genau?
Wo das Feuer bleibt
Design zählt durchaus zu den Stärken der Marke, doch gerade beim Spaceback scheint man etwas zögerlich ans Werk gegangen zu sein. Gar vertraut wirken die Gesichtszüge, das anonyme Heck, sodass wenig für einen zweiten oder dritten Blick zu entdecken bleibt. Glamouröser als 17 Zoll Felgengröße wird es auch gegen Geld und gute Worte nicht. Das optionale Panorama-Glasdach, das in eine verglaste Heckklappe mündet, bleibt als einziges optisches Highlight. Dabei hat Mazda mit dem neuen 3er soeben vorgeführt, welches Feuer, wie viel Dynamik man in diesem Format entfachen kann. Aber vielleicht wäre das bei der Pragmatiker-Marke Škoda und ihrem strikt rationalen Appeal Themenverfehlung gewesen. (Warum gelingt es aber dem Octavia, erst recht dem Superb und sogar dem Winzling Citigo, so etwas wie Besitzerstolz, zumindest aber Freude beim Herannahen an das Auto zu erzeugen?)
Leicht unterkühlt setzt sich der Eindruck im Innenraum fort. Der Kunststoff etwas schlichter, der Bildschirm etwas kleiner, die Tasten etwas winziger, ebenso funktionelle wie auch fade Armaturen – auch am Volant des Spaceback denken wir mit Wehmut an den Mazda3, der im Innenraum mit Premium-Allüren und dem Versprechen höchster Fahrdynamik zu begeistern versteht. Selbst nennt Škoda ja den Ford Focus, den Kia Ceed, den Hyundai i30 und den Opel Astra als Hauptkonkurrenten – allesamt keine Schwächlinge, die sich auch preislich keine Extravaganzen erlauben. Dieses Gefühl, eigentlich eine Klasse höher zu sitzen, wie es dem Octavia so viele Fans beschert hat – im kompakten, ab 16.330 Euro teuren Rapid mag es nicht recht aufkommen.
Freilich hat Škoda einen im Grunde tadellosen Vertreter seines Fachs auf die Räder gestellt. Auf 4,3 Metern findet sich viel Platz in der Länge (Kofferraum: 415 Liter), Fahrer und Beifahrer sitzen aber etwas dichter beieinander, als einem schönen Raumgefühl förderlich ist. Erwartungsgemäß quietscht und scheppert nichts beim Ritt über schlechte Straßen, die Abrollgeräusche selbst dringen aber recht ungehindert in den Innenraum. Tolle, neue Kniffe bei der Variabilität finden sich keine. Die hinlänglich bekannten Motoren spielen souverän ihren Part, die Kombination mit DSG (neuerdings mit 90-PS-Diesel) ist einer der Trümpfe des Autos. Vielleicht sind wir einfach zu viel Octavia gefahren – denn nach den ersten Testkilometern haben wir uns mehr von Škodas Sturm in die Kompaktklasse erwartet. Daran ändert auch der Eiskratzer im Tankdeckel nichts.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.10.2013)