Eine „mitternächtliche Vision einer Figur, die über Wasser schwebt“, brachte Cameron Mesirow aus L.A. im Jahr 2009 dazu, sich „Glasser“ zu nennen. Nun erscheint ihr zweites Album „Interiors“.
„Shape“. Kann man in formlosen Räumen heimisch werden? Sich festhalten an Gebilden, die sich fortwährend verändern? Diese Frage stellt sich – metaphorisch – in jeder abstrakten Kunst, auch etwa im Free Jazz. Glasser nimmt die Frage wörtlich. „My home has no shape“, singt sie, „nothing to sustain me, but it keeps me safe from imagined pain.“ Die Auflösung ist klar: Sie wohnt am Wasser. „And I look out longingly over beach“, lautet die letzte Strophe, „there's an ocean making life beyond my reach, and the vastness is too much for me to stand.“
Ein gewaltiger Text, der überraschend idyllisch vertont wurde: Glasser klingt nicht nur wie Björk (vielleicht etwas ätherischer), sie verwendet auch ihr (meist elektronisches) Instrumentarium ähnlich. Wir hören himmlische Chöre, die sich nichts daraus machen, dass der eine oder andere Beat jäh bricht oder versickert. Seltsame Seligkeit, fasse sie, wer's vermag.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.10.2013)