ÖFB: "Wir zittern nicht um Koller"

Koller
Koller(c) EPA (ROBERT JAEGER)

Den Österreichern könnte nach der verpassten WM-Qualifikation der Fußball-Teamchef abhandenkommen. Und Marcel Koller will sich nicht festlegen.

Die Qualifikation zur Fußballweltmeisterschaft 2014 in Brasilien ist verloren, die Österreicher sind aus dem Rennen, das abschließende Spiel am Dienstag gegen die Färöer wird höchstens noch zu einer Frage der Ehre und des Anstands. Mit der 1:2-Niederlage in Stockholm sind die Würfel gefallen, die Schweden haben den Play-off-Platz sicher, die Deutschen sind der Konkurrenz ohnedies enteilt. Die Dimension des „Finales“, wie es Österreichs Teamchef Marcel Koller selbst genannt hat, war seiner Mannschaft letztlich dann doch um eine Nummer zu groß.

Der Fußballbund hat zumindest das Erreichen der Entscheidungsspiele im November als Ziel ausgegeben. Es wurde – das muss man in aller Klarheit sagen – nicht erreicht. Und damit haben auch die Spekulationen um die Zukunft von Koller begonnen. Sein Vertrag, das hat ÖFB-Präsident Leo Windtner am gestrigen Samstag in Stockholm korrigiert, läuft an sich bis Ende Dezember. Wer im Jahr 2014 beim Nationalteam auf der Trainerbank sitzt, das ist nach wie vor offen. Denn eine Einigung mit dem Schweizer wurde bislang nicht erzielt.

Gefragter Mann. Marcel Koller wollte sich von Beginn an auf die beiden Länderspiele gegen Schweden und Färöer konzentrieren, Fragen über die Zukunft wurden weitgehend abgeblockt. Aber es ist ein offenes Geheimnis, dass der Teamchef auch gerne wieder einmal mit einer Klubmannschaft arbeiten will. Ihm fehlt die tägliche Arbeit auf dem Platz. Und in der deutschen Bundesliga gibt es kaum einen Verein, der bei der Suche nach einem neuen Trainer nicht auf den österreichischen Teamchef stößt. Zuletzt wurde Koller mit dem 1. FC Nürnberg in Verbindung gebracht. Dies muss vorerst allerdings als Gerücht bewertet werden, Gespräche hat es (noch) keine gegeben. In Deutschland kommentiert man das so: „Wer nicht schnell genug laufen kann, der wird mit Nürnberg in Verbindung gebracht. Aber Koller ist sicher ein heißer Kandidat.“

Der 52-Jährige gibt sich bedeckt, „wenn ein Lehrgang ist, bringt das nichts, über dieses Thema zu diskutieren“. Ob es stimmt, dass er vom Amt des Teamchefs genug hat? Da dementiert der Schweizer. „Es ist nicht alles offen, es ist noch nichts unterschrieben und nichts fix. Es sind einfach noch Dinge abzuklären.“ Wobei es natürlich auch um Geld geht. Koller, so hört man, besteht auf jeden Fall auf einem höher dotierten Kontrakt. Wobei die Aktie mit der Niederlage von Stockholm nicht gerade ins Unermessliche gestiegen ist. Aber Koller hat es geschafft, seinen Marktwert zu steigern. In den vergangenen Jahren haben da ÖFB-Teamchefs ganz andere Schicksale erlebt.

Das Thema ruht also, zumindest bis Dienstag. Danach will man sich mit der Causa weiter auseinandersetzen. „Wir zittern nicht um Koller“, sagt Präsident Leo Windtner. „Wir haben mit ihm einen exzellenten Trainer – und einen laufenden Vertrag.“ Ob Koller pokert? Kein Kommentar. „Fußball ist ein Geschäft.“ Da kann sich jeder seinen Reim darauf machen. „Wir werden die Dinge ins Reine bringen.“

Der ÖFB, so sagt Windtner, sei jedenfalls gewillt, die Zusammenarbeit fortzusetzen. „Man kann eine positive Entwicklung erkennen. Wir haben einen Schritt nach vorne gemacht.“ Wobei auch diese Qualifikation so endet wie viele andere. Marcel Koller erwähnt in diesem Zusammenhang: „Wir waren bei der Auslosung, was die Weltrangliste betrifft, Vierter.“

Test gegen USA. Heuer steht für die Österreicher noch ein Länderspiel auf dem Programm, am 19. November geht es in Wien gegen das US-Team mit Jürgen Klinsmann und Andreas Herzog. Diese Aufgabe, die müsste Marcel Koller für den ÖFB noch wahrnehmen. Es sei denn, man würde ihn früher gehen lassen. Wenn es mit dem Teamchef zu keiner Einigung kommt, dann muss bis 5. März (Länderspiel in Klagenfurt) ein Nachfolger gefunden werden. Der Gegner ist allerdings noch nicht fixiert. Die nächste Testspiel-Möglichkeit ergibt sich dann erst wieder Ende Mai / Anfang Juni. Der Augusttermin wurde gestrichen – und im September beginnt schon die Qualifikation für die EM 2016. An der erstmals 24 Mannschaften teilnehmen.

„Als wir Koller verpflichtet haben“, sagt Windtner, „hat er selbst von der EM 2016 gesprochen.“ Die Teilnahme an diesem Turnier sei für den ÖFB „ein Muss!“ Schließlich ist halb Europa dabei. Gespielt wird in Frankreich.

Teilnehmer

Bereits qualifiziert
Europa (13 WM-Teilnehmer): Italien, Niederlande, Belgien, Deutschland, Schweiz

Asien (4/5): Australien, Japan, Iran, Südkorea

Südamerika (5/6): Brasilien, Argentinien, Kolumbien

Afrika (5): noch kein Team qualifiziert

Nord-, Mittelamerika und die Karibik (3/4): USA, Costa Rica

Ozeanien (0/1): noch kein Team qualifiziert

In Interkontinental-Runden ermitteln der Asien-Fünfte Jordanien gegen den Südamerika-Fünften sowie der Ozeaniensieger Neuseeland gegen den Vierten aus Nord-/Mittelamerika/Karibik in Hin- und Rückspielen (13./14., 20. 11.) zwei Teilnehmer.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.10.2013)