Ausstieg aus lockerer Geldpolitik als Gefahr für Schwellenländer

IWF. Die US-Notenbank wird der Politik des billigen Geldes eines Tages den Rücken kehren. Das könnte zu Turbulenzen an den Märkten führen.

Washington/Wien. Die Politik des billigen Geldes hat die Weltwirtschaft in den vergangenen Jahren dominiert. Vorerst wird sie es auch weiterhin tun. Doch eines Tages werden die Notenbanken, allen voran die Federal Reserve (FED), der ultralockeren Geldpolitik den Rücken kehren. Und genau das beunruhigt den Internationalen Währungsfonds (IWF). In seinem Abschlussbericht warnt dieser vor einer Gefahr für die Schwellenländer.

Die Schwellenländer haben allein seit den Andeutungen der US-Notenbank, ihre Anleihenkäufe im Umfang von 85 Mrd. Dollar zu reduzieren, erheblich gelitten. Investoren zogen ihr Kapital in hohem Ausmaß ab, auch die Börsen gingen auf Talfahrt. Beendet die US-Notenbank ihre Anleihenkäufe, steigen auch die Renditen amerikanischer Staatsanleihen. Und das macht die Staatsanleihen anderer Staaten im Vergleich weniger attraktiv. Allein diese Aussicht brachte die lokalen Währungen der Emerging Markets unter Druck.

Die indische Währung Rupie leidet seit Längerem an einer Abwertung. Und auch die türkische Lira hat per Ende August gegenüber dem US-Dollar um rund 15Prozent verloren.

Zugleich kämpfen die Staaten mit hausgemachten Problemen wie ausbleibenden Strukturreformen und Nachfrageschwächen, die ihre Wachstumsaussichten dämpfen könnten, konstatiert der IWF.

Ein Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik dürfte daher nicht zu einer Destabilisierung der Schwellenländer führen, heißt es in dem Abschlussbericht. „Schlüsselaufgabe ist es, uns auf diesen Prozess zu konzentrieren und uns gut auf diese letztliche Normalisierung vorzubereiten“, sagt denn auch Singapurs Finanzminister Tharman Shanmugaratnam, der dem Lenkungsausschuss des IWF vorsteht.

Wann steigt die Fed aus?

Sobald sich das Wachstum in den etablierten Volkswirtschaften verfestige, muss der Richtungswechsel in der Geldpolitik zeitlich gut abgepasst, sorgfältig abgestimmt und klar kommuniziert werden, findet der IWF. Es sei nämlich nicht unwahrscheinlich, dass das Ende des billigen Geldes Verwerfungen an den Finanzmärkten auslösen könnte, warnt auch der russische Finanzminister Anton Siluanow.

Doch wann genau die US-Notenbank ihren Kurswechsel einläuten wird, ist noch unklar. Eigentlich hatten die Märkte schon im September mit einem ersten Schritt in diese Richtung gerechnet. Geschehen ist allerdings nichts. Denn weder Immobilien-noch Arbeitsmarktdaten in den USA zeigten die gewünschte Stabilität. Vor einer Abkehr von der lockeren Geldpolitik müsse es mehr Beweise für eine stabile Erholung der Konjunktur und des Arbeitsmarktes geben, hieß es seitens der Notenbank.

Nun könnte der schwelende Haushaltsstreit in den USA für eine weitere Verschiebung sorgen. Zwar sei eine Straffung der Geldpolitik schon im Dezember möglich, sagt Commerzbank-Analyst Ralph Solveen. „Wahrscheinlicher ist nun aber, dass diese erst im ersten Halbjahr des kommenden Jahres erfolgen wird.“ (ag./red.)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.10.2013)

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