Peugeot vor Teilverstaatlichung?

Peugeot Teilverstaatlichung
Peugeot Teilverstaatlichung(c) Reuters (GONZALO FUENTES)
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Der französische Staat und der chinesische Konzern Dongfeng könnten beim französischen Autokonzern Peugeot Citroën einsteigen. Die Familie würde die Kontrollmehrheit verlieren.

Wien. Bisher sind es zwar nur Gerüchte. Aber die haben es in sich: Der französische Staat will gemeinsam mit dem chinesischen Staatskonzern Dongfeng Motors beim angeschlagenen Autohersteller Peugeot Citroën (PSA) einsteigen. Beide wollen demnach je 1,5 Mrd. Euro investieren und so zwischen 20 und 30 Prozent der Anteile an dem Konzern übernehmen. Für die Familie Peugeot würde dies den Verlust ihrer Kontrollmehrheit bedeuten.

Den Aktionären des Unternehmens gefiel die Idee einer geplanten Teilverstaatlichung nicht. Die Aktie sackte am gestrigen Montag um über zehn Prozent ab. Für das Unternehmen ist es der größte Tagesverlust an der Börse seit der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers im Jahr 2008.

Die Analysten scheinen ebenso kaum begeistert. Die Experten von Natixis bewerten den potenziellen Einstieg „als eine massive Verwässerung für die Aktionäre“. Zwar würde der Einstieg den Großteil der Nettoschulden des Konzern tilgen. Auf der anderen Seite müsse man hinterfragen, ob der Konzern aus dem Reich der Mitte der ideale Partner für Peugeot sein könnte. Peugeot arbeitet mit Dongfeng bereits in China im Rahmen eines Joint Venture zusammen. Mit dem US-Konzern General Motors wiederum hat man eine strategische Allianz beschlossen, die sich der Zusammenarbeit bei Einkauf und Entwicklung widmet.

Derzeit hält die Familie Peugeot 25,4 Prozent der Anteile und rund 38 Prozent der Stimmrechte an PSA. Sieben Prozent des Unternehmens stehen im Eigentum des US-Autokonzerns General Motors, andere Anteile werden etwa von französischen Institutionen gehalten.

Staat hat Peugeot gestützt

Die französische Regierung hat Fragen nach einer Kapitalerhöhung bisher eher ausweichend beantwortet. Finanzminister Pierre Moscovici sagte am Rande der Tagung des Internationalen Währungsfonds vergangenes Wochenende, dass sich Peugeot um nützliche Industriepartnerschaften bemühe. Das werde aufmerksam von der Regierung verfolgt.

PSA erklärte lediglich, dass verschiedene industrielle und kaufmännische Projekte untersucht würden. Mit der Angelegenheit vertraute Personen sagen allerdings, dass eine Vereinbarung bereits in den kommenden Wochen stehen könnte.

Die französische Gewerkschaft steht dem Staatseinstieg offen gegenüber. „Sollte dies bestätigt werden, wären es ziemlich gute Nachrichten für das Unternehmen, weil eine Kapitalerhöhung in jedem Fall unerlässlich ist“, sagt Xavier Lellasseux, Sprecher der Gewerkschaft CFDT. Peugeot beschäftigt in Frankreich rund 78.000 Mitarbeiter.

Bereits im Februar dieses Jahres waren Gerüchte um einen Staatseinstieg bei Peugeot aufgeflammt, von der Regierung wurden sie damals aber zurückgewiesen.

Der französischen Autohersteller Peugeot hat schon bessere Zeiten gesehen. Im vergangenen Jahr gab das Unternehmen den Abbau von rund 11.000 Arbeitsplätzen bekannt. Im abgelaufenen Geschäftsjahr fiel dann ein Verlust von fünf Mrd. Euro an. Die Regierung in Paris hat dem Autohersteller in der Vergangenheit bereits unter die Arme gegriffen und ihn mit Staatshilfen im Umfang von sieben Mrd. Euro gestützt.

Peugeot leidet wie viele andere Autokonzerne auch unter der verhaltenen Nachfrage in Europa. Besonders bitter ist dies deshalb, weil Europa auch das Hauptabsatzgebiet des Unternehmens ist. Im Zeitraum von Jänner bis August verringerten sich die Neuzulassungen des Konzerns um rund zwölf Prozent. Zugleich mangelt es PSA an starker Präsenz in Staaten mit hohem Wirtschaftswachstum. (ag./nst)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.10.2013)

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